FAMILIE FAMILIE

Vollzeit-Mutter: Ein Leben für die Familie als bewusste Entscheidung

Hausfrau: Ein Leben für die Familie
Anja V. entschied sich vor fast 20 Jahren dazu, ihren Job für die Familie aufzugeben - und bereut diese Entscheidung nicht. © dpa, Jan Woitas

Als Hausfrau hat Anja viel Zeit für ihre Kinder

Seit fast 20 Jahren bin ich Hausfrau und Mutter. Bereut habe ich das nie. Ich sehe nur einen Nachteil: Der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist nach so einer langen Zeit extrem schwer. Aber das war mir von Anfang an klar …

Als ich mit meiner Tochter 1994 schwanger wurde, zogen mein Mann und ich gerade in eine Kleinstadt nahe Würzburg. Wir wollten mit unserer Familie in einer ländlichen Umgebung leben. Zuvor hatte ich als Industriekauffrau gearbeitet. Es war nicht mein Traumjob, aber ich war zufrieden. Durch den Umzug stand natürlich auch ein Arbeitsplatzwechsel im Raum. Unabhängig davon, dass ich vom Arbeitsamt aufgrund meiner Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt als 'nicht vermittelbar‘ angesehen wurde, hatten mein Mann und ich uns schon dazu entschieden, dass ich erst einmal zu Hause bleiben würde. Zumindest solange wir es uns finanziell leisten könnten und am liebsten bis unsere Kinder im Teenie-Alter sein würden.

Meine Mutter blieb damals auch zu Hause bei meinen Geschwistern und mir. Das habe ich sehr genossen und für mich war schnell klar, dass ich das auch möchte. Für die Kinder ist es meiner Meinung nach gut, zu wissen, dass die Mutter immer da ist. Da mein Mann beruflich auch gerne mal für ein paar Tage unterwegs ist, war es für uns umso wichtiger, dass ich da bin.

Auf diese Weise konnte und kann ich mit meinen Kindern eine sehr intensive Zeit erleben. Wenn mein Mann da ist, frühstücken wir gemeinsam – je nachdem wie lange die Kinder schlafen. Während die beiden dann in der Schule oder beim Praktikum sind, kümmere ich mich um den Haushalt und halte alles in Schuss. Mittags essen wir dann wieder gemeinsam und unternehmen nachmittags etwas. Sofern keine Arzttermine oder ähnliches anstehen zumindest.

Familienausflüge haben wir auch am Wochenende auf dem Tagesplan. Wenn mein Mann da ist, gehen wir in den Zoo, machen eine Rad-Tour, gehen angeln oder etwas anderes, Hauptsache gemeinsam.

Der Wiedereinstieg in den Job ist schwierig

Vor zwei Jahren, als die Kinder dann größer waren, habe ich trotzdem zum ersten Mal wieder versucht, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und schließlich eine Teilzeitstelle in einem Supermarkt bekommen. Das reichte mir, weil ich trotzdem noch genug Zeit für meine Kinder haben wollte. Als das Unternehmen sich aus wirtschaftlichen Gründen von Mitarbeitern trennte, war ich mit meinem befristeten Vertrag eine der Ersten, die gehen musste. Da mein Sohn zu dieser Zeit aber auch Probleme in der Schule hatte, kam mir das sogar recht gelegen.

Mittlerweile würde ich zwar gerne wieder arbeiten, aber in unserer Umgebung sind Halbtagsstellen nur sehr schwer zu finden. Hinzu kommt, dass ich nicht mehr die Jüngste bin. Da ich freiwillig zu Hause geblieben bin und mich nicht arbeitslos gemeldet habe, fehlen mir auch entsprechende Weiterbildungen, beispielsweise für Computerprogramme. Das erschwert die Arbeitssuche leider zusätzlich, womit ich bei meiner Entscheidung damals auch nicht gerechnet hätte. Bereut habe ich es trotzdem nie, dass ich zu Hause geblieben bin.

Ich bin froh, dass ich immer für meine Kinder da sein kann und werde dafür auch von ein paar Müttern in unserem Umfeld beneidet. Gerade jüngere Mütter, die es sich finanziell einfach nicht leisten können, zu Hause zu bleiben, sagen mir häufig, dass ich die Zeit genießen soll und es den Kindern gut tut. Die Reaktion war auch in den 1990er Jahren nicht anders. Bei uns hier in der Kleinstadt war und ist es immer noch nichts Besonderes, wenn Mütter zu Hause bleiben. Aber selbst wenn andere das nicht verstanden hätten: Mein Mann und ich haben uns so entschieden und das war gut so.

Anja V. ist 47 Jahre alt, Hausfrau und zweifache Mutter. Ihre Tochter ist 17 und ihr Sohn 14 Jahre alt.

Anzeige