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Voll streng, Frau Freitag: Aus dem Alltag einer Lehrerin

Voll streng, Frau Freitag: Aus dem Alltag einer Lehrerin
© RTL interactive / Ullstein

Leseinfo zu ‚Voll streng Frau Freitag'

"Chill’ mal, Frau Freitag. Aus dem Leben einer unerschrockenen Lehrerin", lautet der Titel, mit dem die Berliner Pädagogin seit März 2011 auf der Spiegel-Bestseller-Liste steht. Der Nachfolgeband "Voll streng, Frau Freitag", ist seit dem Sommer 2012 auf dem Markt und hat ebenfalls die Buchläden mit großem Erfolg gestürmt.

Es geht um Blutdruck-Yusuf, ADHS-Dschingis, Bilal, Emre, Mariam und Abdul und andere Jugendliche, die nicht so genau wissen, ob ihnen die deutsche Heimat oder ihre türkischen Wurzeln wichtiger sind. Die Klasse mit 90 Prozent Migrationshintergrund macht sich selbst und ihrer Lehrerin das Leben schwer. Mit Fragen wie: "Wie kam man eigentlich ins Internet, als es noch keine Computer gab?" und Sätzen, die so lauten: "Hab ich Selbstbräuner raufgesprüht und heute Morgen voll Schock: volldunkelbraun.", lassen sie das Blut von Pädagogen und Lesern gleichermaßen schockgefrieren. Doch Frau Freitag nimmt es mit einer großen Portion Humor und sagt, fast ganz ohne Zynismus: Ich habe den schönsten Beruf der Welt!

Über 'Voll streng Frau Freitag'

Mit etwas Widerwillen habe ich mich diesem Genre genähert: Ein Buch, in dem lustig, frei von der Leber weg, über den Alltag von Lehrern und Brennpunktschülern berichtet wird. Gähn! Nach den ersten Geschichten musste ich jedoch schon einmal lächeln - nicht immer und auf jeder Seite, aber immer wieder. Eine Realsatire aus dem deutschen Schulalltag, die wohl ganz besonders die Pädagogen ansprechen soll. Es sind Momentaufnahmen, die sicher häufig überspitzt sind, aber mit Witz und Charme oft des Pudels Kern treffen. Die Schüler von Frau Freitag halten einen Spast für einen kleinen Vogel und sind überzeugt davon, dass Deutschland 1945 von den Ausländern wieder aufgebaut wurde. Ein Schock? Nein, denn diesen, sicherlich immer wieder zutreffenden, Klischees begegnet man nicht zum ersten Mal und nach der zehnten kleinen Episode werden die Geschichten vorhersehbar und etwas langweilig. In einem Rutsch das Buch durchzulesen ist wohl nur etwas für leid geplagte Pädagogen, die sich dort wieder erkennen. In kleinen wohldosierten Häppchen mag es anders sein. Was mir gefällt - die Freitag mag ihren Job. Und auch wenn sie mit einer gehörigen Portion Galgenhumor und Sarkasmus an den Alltag in ihrer Schule herangeht - man kauft ihr die Liebe zu ihrem Beruf ab. Aber mussten aus diesem Internet-Blog gleich zwei Bücher entstehen? Mir hätte eines gereicht und bei Bedarf schau ich dann lieber im Blog vorbei und amüsiere mich mit neuen Geschichten von Samira und Co.

Über die Autorin ‚Frau Freitag‘

Die Autorin ist Klassenlehrerin auf einer Gesamtschule in einer Großstadt. "Frau Freitag" ist ihr Pseudonym, mit dem sie seit 2009 einen Blog über ihr Leben als Englisch- und Kunstlehrerin schreibt. Die 44-jährige Berlinerin lebt mit ihrem Freund, dem einzigen Nichtlehrer, den sie noch kennt, zusammen.

(Text: Amelie von Kruedener)

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