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Voll im Trend: Brad und Angelina heiraten eine Familie

Brad und Angelina heiraten eine Familie
Voll im Trend: Erst Kinder und dann Hochzeit. Wenn die Hochzeit zum großen Familienfest wird.

Traumhochzeit ganz anders: Wenn eine Familie heiratet

Aaaaah – die ersten wunderschönen Fotos der Brangelina-Hochzeit sind da. Alles deutet darauf hin, dass in Frankreich eine entspannte Familienfeier stattfand, eine Traum-Heirat, nicht gemessen nach Hollywood-Maßstäben sondern in Glücks-Einheiten. Auf einem der Hochzeitsbilder tummeln sich gleich acht Menschen – der allerengste Kreis eben. Denn in der Provence heiratete kein Paar, sondern quasi eine Familie. Oder auf Amtsdeutsch: Es fand eine Eheschließung mit gemeinsamen vorehelichen Kindern statt. Und das ist – wir reden ja von Pitt-Jolie – ein Trend. Auch bei Leuten, die kein eigenes Schloss haben.

Von: Ursula Willimsky

Die Entkoppelung von Ehe und Elternschaft ist seit einigen Jahren auch in Deutschland weit verbreitet. Das klassische Schema „verliebt, verlobt, verheiratet, vermehrt“ gilt nicht mehr: ein Drittel der Kinder wird außerehelich geboren. Und die Hälfte von ihnen begleitet später die Eltern zum Standesamt. Vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg wissen wir, dass die Frauen, die erst heiraten, nachdem sie Mutter geworden sind, meistens zwischen 30 und 40 Jahren alt sind. Noch in den 90er-Jahren sah die Sache ganz anders aus: Da heirateten vor allem Unter-Zwanzigjährige Mütter. „Muss-Ehe“ war damals ein oft gebrauchtes Schlagwort für diese Verbindungen.

Heute wird augenscheinlich aus anderen Gründen geheiratet, wenn denn überhaupt noch geheiratet wird. Ein Drittel der Eltern bevorzugt die Reihenfolge „erst Kinder, dann Kirche“. Hat ja auch seine Vorteile: Um Kinder zu bekommen, ohne ins Gerede zu kommen, muss heute keiner mehr heiraten – auch wenn es für viele einfach zum Familie-Sein dazugehört. Wer sich nach der Geburt für diesen Schritt jahrelang Zeit lässt, weiß immerhin, dass er sich auch vor dem Gesetz an jemanden bindet, der sich schon in diversen Alltagskatastrophen bewährt hat.

Für viele ist der Hochzeitstag nicht mehr der Auftakt einer langen Beziehung – sondern eher so etwas wie das Sahnehäubchen nach diversen gemeinsamen Jahren. Quasi eine Ehrenurkunde anlässlich „10 Jahre Mitgliedschaft in dieser Partnerschaft“. Und außerdem – um jetzt mal romantisch zu werden: Es ist ja auch herzallerliebst, wenn das eigene Töchterchen Blumen streut oder der Sohn seinen ersten Anzug bekommt, weil Mama und Papa heiraten. Und die Hochzeitsbilder sehen auch nicht so steif aus, wenn zwischen den Eheleuten ein Kleinkind sitzt, das das Blumenarrangement zerrupft.

Die Kinder sind Teil der Hochzeit

Im Hause Jolie-Pitt waren es angeblich ja sogar die Kinder, die immer wieder darauf drängten, dass ihre Eltern jetzt mal ordentliche Verhältnisse schaffen. Die wiegelten immer wieder ab: „Wir wollen erst heiraten, wenn das alle dürfen“ (sprich: auch Homosexuelle) war eine der natürlich politisch-begründeten Argumente, weshalb sie jetzt noch nicht zum Standesamt gehen wollten.

Wie die Kinder ihre Eltern trotz der politischen Lage endgültig überredet haben, bleibt unbekannt. Aber klar war schon lange: Sie würden bei der Zeremonie ein Wörtchen mitzureden haben. „Die Kinder werden so eine Art Weddingplaner sein“, ließ Angelina im Frühjahr wissen, „das wird irgendwas zwischen Disney und Paintball“.

Tja, falsch gedacht. Die Starbrut liebt's anscheinend erzkonservativ: Maddox (13) und Pax (11) führten die Braut zum Altar – ein Job, der in anderen Familien vom Brautvater übernommen wird, der aber in diesem Fall nicht eingeldaden war. Zahara (9) und Vivienne streuten selbst gepflückte Blumen, Shiloh (8) und Knox (6) trugen die Ringe.

Und Bräutigam Brad musste sich vor der Trauung noch geschwind von einem seiner Söhne eine Krawatte leihen, weil er seine vergessen hatte. (Übrigens eine irritierende Information: Angeblich haben Brangelina ja im heimischen Schloss geheiratet. Wieso hat sich Brad nicht einfach schnell eine Krawatte aus seinem begehbaren Schrank geholt? War er schlicht zu faul, noch mal seine Zimmerfluchten nach einem Schlips zu durchsuchen? Oder war das gar ein tiefenpsychologisch begründeter väterlicher Schachzug und Pitt wollte seinen Sohn aktiv in diesen wichtigen Moment einbinden?) Alle sechs Kinder zusammen hatten vorher schon Hand an die Braut-Deko gelegt und Angelinas Traum-Schleier mit vielen, vielen bunten Bildern bemalt.

Die Trauung trug also durchaus die Handschrift der Kleinen aus der Großfamilie. Und die Zeremonie wurde nicht nur vom jungen Glück, sondern auch von den Kindern dominiert. Was einige Fragen aufwirft, zum Beispiel die, ob bei einer Hochzeit nicht das Paar im Mittelpunkt stehen sollte? Und zwar nur das Paar? Userinnen, die eigene Kinder haben, werden diese Frage sofort für sich beantworten können: Nein. Das geht nicht. Der sicherste Garant, Kinder zum Stören, Schlecht-werden und Nerven zu animieren, ist der Satz: „Jetzt seid mal ruhig und schaut einfach zu!“ Dann besser miteinbeziehen. Wenn der voreheliche Nachwuchs glücklich und beschäftigt ist, können auch die entspannt den großen Moment genießen. Außerdem gehören die Kinder ja tatsächlich irgendwie zum engsten Familienkreis – und man will sie auch in diesem besonderen Moment ganz nah bei sich haben.

Insofern sollten wir noch einmal über den Satz von wegen „Entkoppelung von Elternschaft und Ehe“ nachdenken. Vielleicht gilt der ja für all die Paare, die sich im Beisein ihrer Kinder das Ja-Wort geben gar nicht. Vielleicht sind bei ihnen Ehe und Elternschaft sogar ganz stark gekoppelt, wenn auch nicht in der traditionellen Reihenfolge. Und die Heirat ist dann ein krönender Akt, der die Familie noch mehr stärken soll. Und der gleichzeitig betont, dass Mama und Papa mehr sind als Eltern – nämlich ein Paar, das gemeinsam leben und Kinder großziehen will.

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