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Vogelgrippe: Was Sie jetzt über H5N8wissen müssen

Vogelgrippe: Was Sie jetzt über H5N8wissen müssen
Der Vogelgrippe-Erreger H5N8 wurde in einer auf Rügen geschossenen Wildente entdeckt. Für Vögel ist das Virus tödlich. Auf Menschen ist der Erreger bislang nicht übergesprungen. Wer Geflügel isst, sollte sehr hygienisch bei der ZUbereitung sein und darauf achten, dass das Fleisch komplett durchgegart ist. © dpa, Stefan Sauer

Vogelgrippe: Machen Sie einen Bogen um Vogel-Kadaver

Die Vogelgrippe ist in Deutschland angekommen. Bei einer auf Rügen geschossenen Wildente wurde der besonders aggressive Vogelgrippe-Erreger A/H5N8 nachgewiesen. 'Aggressiv' bedeutet in diesem Fall, dass der Erreger sehr leicht und schnell von einem Tier auf das andere übertragen wird. Außerdem: Für das Geflügel ist die Infektion mit H5N8 immer tödlich. Per Verordnung wurde Stallpflicht angeordnet. Das heißt, wer in Mecklenburg-Vorpommern Geflügel oder Vögel hält, muss die Tiere so unterbringen, dass sie keinen Kontakt zu Wildtieren haben können.

Um die Verbreitung des Erregers in den Beständen der Massentierhalter zu unterbinden, werden alle Tiere eines befallenen Bestands getötet. Die gute Nachricht ist aber: Bisher hat es weltweit noch keine erkrankten Menschen durch den Erreger H5N8 gegeben. Menschen können sich in der Regel sehr schwer mit Vogelgrippe anstecken, da die Krankheit von kranken Vögeln auf andere Vögel zum Beispiel durch Kot übertragen wird.

Die Empfehlung der Epidemologen an die Verbraucher lautet dennoch, Geflügel nur noch komplett durchgegart zu verzehren. Vor 'rosa gegarter Ente' beispielsweise wird gewarnt. Alle Teile des Bratens müssen mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzt worden sein.

Eine vorbeugende Impfung gegen die Vogelgrippe gibt es nicht. Auch die Behandlung mit antiviralen Mitteln (zum Beispiel 'Tamiflu') dürfte schwierig werden, falls dies irgendwann einmal notwendig sein sollte. Der Erreger hat nach bisherigen Erkenntnissen bereits Resistenzen entwickelt.

Für Haustiere besteht keine unmittelbare Gefahr, sofern es sich nicht um Vögel handelt, die frei umherfliegen dürfen. Sie sollten jedoch mit ihren Tieren einen großen Bogen um Vogel-Kadaver machen.

Erreger A/H5N8 stammt aus Südkorea

Die Wissenschaft ist der Ansicht, dass der Vogelgrippe-Stamm H5N8 aus Südkorea stammt und in einer Art Stafette von dort über Russland bis nach Europa vorgedrungen ist.

Zwei andere Vogelgrippe-Stämme H7N9 und H5N1 besitzen die Fähigkeit, auch auf Menschen überzuspringen. H7N9 verursachte in China ab 2013 bis Anfang Oktober 2014 insgesamt 453 infizierte Menschen, von denen 175 in Folge der Krankheit starben. Die von diesen Zahlen abgeleitete Aussage: ‚Jeder dritte Infizierte stirbt‘, wird jedoch von Wissenschaftlern angezweifelt. Deren Argument: Milde Verläufe der Krankheit würden überhaupt nicht als Vogelgrippe-Fälle erkannt. Alle Kranken hatten sich direkt durch erkrankte Vögel infiziert. Der Erreger wurde durch Menschen nicht weitergegeben.

Der zweite Vogelgrippe-Erreger, von dem ein Übergreifen von Tieren auf den Menschen gesichert ist – H5N1 – hat laut Weltgesundheitsorganisation WHO seit 2003 zu 668 Erkrankungen weltweit mit 393 Toten geführt. Auch hier wurde die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch verbreitet.

Das Risiko, an Vogelgrippe zu erkranken, wird von Wissenschaftlern als 'äußerst gering' angesehen. Zum Vergleich: In Deutschland sterben pro Jahr rund 20.000 Menschen durch 'Humaninfluenza', also durch die Grippe. Wissenschaftler und Politiker sind dennoch besorgt, weil Grippeviren – also auch alle Vogelgrippe-Erreger – Meister darin sind, sich selbst durch Mutation immer wieder schnell zu verwandeln. Dadurch können sie auch für Menschen zur tödlichen Gefahr werden. Die drei Ausbrüche der 'Spanischen Grippe' zwischen 1918 und 1920 forderten weltweit rund 50 Millionen Tote. Betroffen waren in erster Linie Menschen zwischen 20 und 40 Jahren.

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