"Violette": Das steckt hinter der Fassade der provokanten Feministin

Simone de Beauvoir und Violette Leduc treffen sich in Paris
Simone de Beauvoir und Violette Leduc treffen sich in Paris

Violette - die Geschichte einer skandalösen Autorin

Ein Buch über Homosexualität, Abtreibung und der offenen Sexualität einer Frau schockt das Frankreich der Nachkriegszeit. Geschrieben wurde es von Violette Leduc, einer Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts als uneheliches Kind auf die Welt kommt und später eine provokante Stimme des Feminismus wird. Von ihrem Leben, ihrem Leiden und ihrer Freundschaft zu der Schriftstellerin Simone de Beauvoir handelt das Drama "Violette".

Von Maike Schwinum

Violette Leduc, im Film dargestellt von Emmanuel Devos, lernt die berühmte Autorin Simone de Beauvoir, gespielt von Sandrine Kiberlain, kennen und lieben, als sie nach dem Krieg nach Paris zurückkehrt. Simone liest das Buch, das Violette über das Verhältnis zu ihrer ablehnenden Mutter schrieb, und ist hingerissen. Für Violette, die bisher ihr Geld mit Handel auf dem Schwarzmarkt verdiente, öffnet sich als Autorin eine ganz neue Welt. Sie erkennt, dass sie die Möglichkeit einer besseren Zukunft hat. Somit beginnt eine stürmische Geschichte über eine tiefe Freundschaft zwischen zwei Frauen, getragen durch das Schreiben und Violettes unbändigem Durst nach Liebe.

In sechs Kapiteln, benannt nach den jeweiligen Personen, die Violettes Leben prägten, erzählt Regisseur Martin Provost das Schicksal einer Frau und ihrer Selbstbefreiung. Sein Portrait von Leduc enthüllt, was hinter der Fassade der skandalösen Autorin steckt. Nämlich eine unsichere Frau, die selbstbezogen nach Liebe hungert. Violette ist besessen davon, geliebt zu werden. Sie fühlt sich verkannt und allein und verliebt sich innig in Simone.

In ihren Büchern nimmt Violette kein Blatt vor den Mund. Sie schreibt über ihren Vater, der sie nach ihren eigenen Angaben zu einer 'Bastardin' machte, über ihre Gefühle zu Simone, über ihre erste Jugendliebe Isabelle, einem Mädchen aus dem Internat, über ihren früheren Ehemann und über ihre Abtreibung. Der Verlag sträubt sich zunächst gegen die expliziten Beschreibungen ihrer erotischen Erfahrungen. Im Frankreich der fünfziger Jahre ist eine solch unzensierte Darstellung der weiblichen Sexualität empörend. Doch Violette und Simone setzen sich durch, denn sie wollen einen Wandel in der Gesellschaft erreichen.

Simone und Violette: Zwei furchtlose, starke Frauen

"Violette" ist mit 139 Minuten ein sehr langer Film und wirkt teilweise etwas langatmig, nicht zuletzt durch das anstrengende Selbstmitleid der Protagonistin. Als Autorenfilm, der viel vom Dialog getragen wird, darf man als Zuschauer nicht auf viel Action hoffen. Dafür aber auf tolle szenische Darstellung, überzeugende Kinematografie und eine Geschichte über den Mut einer Frau, die sich nie unterkriegen lässt, egal wie oft ihr eine Tür vor der Nase zugeschlagen wird.

"Violette" zeigt unzensiert die Freundschaft zweier furchtloser, starker Frauen, die in einer von Männern gelenkten Welt ihre Freiheit mit dem geschriebenen Wort erkämpfen wollen. Wer also zunächst von artistischen, französischen Dramen abgeschreckt ist, sollte "Violette" eine Chance geben. Denn die Geschichte von Violette Leduc und Simone de Beauvoir sollte man nicht verpassen und Themen wie Feminismus und Zensur von Frauenliteratur sind auch heute – fünfzig Jahre später – noch aktuell und ihre Pionierinnen müssen gefeiert werden.

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