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Viktoria muss ihre Muttermilch als Giftmüll entsorgen

Viktorias Muttermilch ist Giftmüll
Viktorias Muttermilch ist Giftmüll Mutter darf nicht stillen 00:02:14
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Mutter darf ihr Kind nicht stillen

Viktoria Brandstätter wünscht sich nichts sehnlicher, als ihr Kind stillen zu können. Doch das wäre für ihr Baby, die sechs Monate alte Barbara, lebensgefährlich. Jeden Tag muss sie ihre Muttermilch abpumpen und sie als Giftmüll entsorgen - eine Horrorvorstellung für jede Mutter.

Viktoria Brandstätter lebt mit ihrem Säugling in der österreichischen Stadt Kärnten. Dort wurde in der Zementfabrik Wietersdorf zwei Jahre lang Blaukalk verbrannt. Da das offenbar bei zu niedriger Temperatur geschah, konnten große Mengen Hexachlorbenzol (HBC) verdampfen – das Gift, welches die Muttermilch verseuchte.

Der Giftmüll-Skandal kam wenige Tage vor der Geburt der kleinen Barbara an die Öffentlichkeit. Trotz heftiger Zweifel der zweifachen Mutter wurde ihr im Krankenhaus dennoch zum Stillen geraten. Zum Glück ließ Brandstätter sich im Labor testen. Denn was sich herausstellte, ist erschreckend: In ihrem Blut befindet sich die dreifache Menge an HBC als eigentlich zulässig. In frühestens zehn Jahren wird ihr Körper das Gift wieder abgebaut haben. Nun will die Mutter gegen die Firma klagen – doch das ändert leider nichts mehr daran, dass Viktoria Brandstätter ihre Tochter niemals stillen kann.

HBC ist seit den 1990er-Jahren verboten

Hexachlorbenzol, kurz HCB, ist ein farbloses Pulver, welches über Pestizide oder bei unsauberen Verbrennungsvorgängen in die Umwelt gelangt. Für eine saubere Verbrennung sind 1.000 Grad nötig, in Kärnten wurde lediglich mit 400 Grad gearbeitet. Es zählt zum 'Dreckigen Duzend‘ der zwölf giftigsten Industriechemikalien, die durch das Stockholmer Übereinkommen im Jahre 2001 weltweit verboten wurden. Laut dem Nachrichtenmagazin 'Der Standard‘ wurde HCB in Österreich bereits in den 1990er-Jahren verboten.

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