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Viele Frauen fordern: Weg mit dem Achselhaar, Männer!

Mann mit Achselhaaren
Achselrasur bei Männern - das fordern viele Frauen! © picture alliance / Dolgachov/Bil, Dolgachov/Bildagentur-online

Achselrasur bei Männern ist nicht mehr als gerecht

Frauen haben schon lange keine Wahl mehr. Wer nicht als völlig ungepflegt gelten will, muss sich seiner Achselhaare entledigen – und zwar am besten gründlich per Waxing. Das gilt auch für die Beine. Andere Zonen des Körpers werden gleich mit enthaart. Schon ein paar Stoppeln in den Achseln, die unter einem Sommershirt zu erkennen sind, werden von vielen Mitmenschen als abstoßend wahrgenommen.

Von Christina Mitatselis

Die befreiten Hippie-Zeiten, in denen Frauen Büsche trugen, sind lange Geschichte. Selbst Madonna konnte hier keinen neuen Trend setzen, als sie vor zwei Jahren auf Fotos ein paar Achselhaare zeigte. Wer schön sein will, lässt kein Haar an sich. Das Ideal sieht Haare nur auf dem Kopf vor.

Es ist gerecht, dass Männer von diesem Diktat nicht verschont bleiben. In der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vertraten fast zwei Drittel der Frauen und 53 Prozent der Männer die Ansicht, dass Achselhaare bei Männern nicht schön und deshalb zu entfernen seien. Besonders die jüngeren männlichen Befragten tendierten zu dieser Ansicht.

Das ist logisch, wenn man sich die sonstigen Trends anschaut: Wer sich tätowiert, sich Haare an der Brust, den Armen und im Intimbereich entfernt, der wird es wohl kaum unter den Achseln wuchern lassen. Das sähe komisch aus. Im Trend sind nur Bärte. Und natürlich Haupthaar, solange welches vorhanden ist.

"Der Gesamteindruck muss stimmen"

Das Interessante an Trends ist, dass es sie fast immer schon einmal gab. In diesem Fall sogar vor mehr als 2000 Jahren. Bereits die Römer fanden männliche Achselhaare problematisch. Der Dichter Ovid konstatierte im 1. Jahrhundert vor Christus in seiner „Ars Amatoria“, einer Art Knigge für den Römer, der Frauen gefallen will: „Und nicht soll der stinkende Bock, der Herr der Ziegenherde, unter den Achseln hausen.“ Beinhaare tolerierte Ovid bei Männern. Römerinnen enthaarten sich hingegen Beine und Achseln.

Der Dichter trifft den Kern des Problems. Was Ovid offensichtlich geißelt, ist eine verwahrloste, muffelnde Männerachsel. Der feine römische Herr ging ins Bad, pflegte sich – und er achtete darauf, dass es unter der Toga nicht wild wucherte. Es dürfte schon gereicht haben, die Achselhaare in Form zu stutzen.

Und so ist es auch heute. Es kommt auf den gepflegten Gesamteindruck, den ein Mann macht. Das ein oder andere Haar, hier oder da, kann den nicht zerstören, wenn das ganze Bild stimmt.

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