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Viagra im Trinkwasser: Unsere tägliche Dosis Potenzmittel

Beachtliche Mengen Viagra wurden jetzt im Abwasser gefunden.
Viagra ist nur eines der Medikamente, die täglich in unseren Wasserkreislauf gelangen. © dpa, Uli Deck

Wenn Viagra in unseren Gewässern schwimmt...

Dass sich Rückstände von Medikamenten in der Umwelt befinden, hört man leider immer wieder. Doch nun sorgen die Rückstände eines ganz speziellen Medikaments für Aufsehen: Viagra! Holländische Forscher haben beachtliche Mengen des Potenz-Pillen-Wirkstoffs Sildenafil im Abwasser gefunden. Schon machen Spekulationen über abenteuerlustige Fische, unmännliche Frösche und Dauererregung die Runde.

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Ein Forscherteam des Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt in den Niederlanden nahm Viagra-Rückstände in den Abwässern von Amsterdam, Eindhoven und Utrecht unter die Lupe. Das pikante Ergebnis: Die Arznei-Mengen im Wasser übertrafen um rund 60 Prozent den Wert, der laut ausgestellten Rezepten dort hätte sein dürfen. Für die potenzsteigernden, kleinen, blauen Pillen gibt es offensichtlich einen florierenden Schwarzmarkt.

Ganz überraschend sind solche Neuigkeiten jedoch nicht. Seit Mitte der 80er beschäftigen sich Wissenschaftler mit Medikamentenrückständen in der Umwelt. Von rund 2.600 in Deutschland erhältlichen Wirkstoffen konnten etwa 190 im Wasserkreislauf nachgewiesen werden, so Forscher des Instituts für Sozial-Ökologische Forschung in Frankfurt am Main. Die Spuren dieser Stoffe sind bisher jedoch gering.

"Stimmungskiller" für Frösche

Trotzdem ist nicht ganz klar, welche Wirkung auch geringe Mengen von Arzneimitteln in Gewässern haben können. Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei konnten bereits nachweisen, dass schon geringe Mengen der Antibabypille im Wasser wie ein wahrer „Stimmungs-Killer“ auf das Flirtverhalten männlicher Fröschen wirkten. Ihr Quaken veränderte sich, die Weibchen wandten sich ab und die Population schrumpfte.

Eine 2013 vorgestellte Studie schwedischer Forscher wiederum zeigte, dass schon kleine Mengen eines Beruhigungsmittels im Wasser ausreichten, um aus Barschen regelrecht asoziale Rabauken zu machen. Bleibt also abzuwarten, was ein Potenzmittel in der morgendlichen Tasse Tee mit uns anstellt.