Vertauschte Babys in Frankreich: Jetzt sprechen erstmals Mutter und Tochter

Erst zehn Jahre später kommt die Wahrheit ans Licht

Die Geschichte von Manon geht allen, die sie gehört haben, nicht mehr aus dem Kopf: Kurz nach ihrer Geburt wurde sie im Krankenhaus vertauscht, mit einem anderen Baby verwechselt, und keiner hat es gemerkt. Zehn Jahre lang glaubte sie, dass die Frau, mit der sie lebte, ihre Mutter sei. Erst durch einen Gentest erfuhr sie, dass sie eigentlich zu einer anderen Familie gehört. Nun sprach sie erstmals, gemeinsam mit ihrer Mutter, über den Moment, als sie die Wahrheit erfuhr.

Vertauschte Babys in Frankreich: Jetzt sprechen erstmals Mutter und Tochter
Sophie Serrano und die kleine Manon nach ihrer Geburt

Manon Serrano und ihre Mutter Sophie fühlen sich wie Mutter und Tochter, denn sie verbindet eine tiefe Liebe. Doch biologisch haben sie nichts miteinander zu tun. Die Geschichte beginnt als Sophie mit 18 Jahren ein kleines Mädchen auf die Welt brachte, was unter Gelbsucht litt. Das Baby wurde sofort auf die Intensivstation gebracht und als man der frischgebackenen Mutter das Kind nach einigen Tagen wieder ins Zimmer brachte, wunderte sich Sophie lediglich über den plötzlich vermehrten Haarwuchs ihrer vermeintlichen Tochter.

Man versicherte der jungen Mutter, das sei normal, und schickte Sophie und Manon nach Hause. Doch je älter Manon wurde, desto deutlicher wurden die Unterschiede zwischen Mutter und Tochter. Ihre dunklere Hautfarbe wird sichtbar und als Manon zehn Jahre alt ist, besteht der Vater auf einen Vaterschaftstest. Das Ergebnis erschütterte die kleine Familie. "Der Test zeigte nicht nur, dass er nicht ihr Vater ist, sondern er zeigte auch, dass ich nicht ihre Mutter bin", erinnert sich Sophie.

Ein Gerichtsurteil soll Frieden bringen.

"1.000 Fragen sind mir durch den Kopf geschossen", sagt die heute 20-jährige Manon. "Ich wollte natürlich wissen wer ich bin." Es beginnt eine Zeit der Unsicherheit. Sophies Ehemann trennt sich von ihr, doch Manon und Sophie wollen nicht voneinander weg. "Sie ist mein Leben und dieses schreckliche Ereignis hat mich ihr nur näher gebracht", erzählt Manon. Die Polizei findet die andere Familie, die ebenfalls so lange mit dem "falschen" Kind gelebt hat. Gemeinsam verklagen die Familien die Klinik auf 1.5 Millionen Euro Schadensersatz. Das Urteil soll erst im Februar 2015 fallen.

Durch dir Verurteilung der Klinik erhoffen sich alle Beteiligten den Frieden, den sie bislang nicht fanden, denn in einer Sache sind sie sich alle einig: "Das was uns passiert ist, ist einfach schrecklich - es ist jetzt an der Zeit, dass es zu einer Verurteilung kommt und jemand dafür gerade steht." Es sind Sophies Worte, die von einer tiefer Unruhe und Verwundbarkeit sprechen, doch gleichzeitig von Stärke zeugen; Stärke, das Erlebte hinter sich lassen zu können.

Doch egal welches Urteil fällt, es ändert nichts daran, dass Sophie und Manon sich wie Mutter und Tochter fühlen und sich nie voneinander trennen wollen.

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