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Versorgungsausgleich und Zugewinnausgleich nach einer Scheidung

Versorgungsausgleich und Zugewinnausgleich nach einer Scheidung
Bei einer Scheidung geht es auch ums liebe Geld. Dabei kann das ersparte Vermögen, aber auch die Schulden verteilt werden. © Dieter Brockmann

Scheidungen: Wer bekommt was?

In welcher Gemeinschaft leben Sie denn? Bei der Verteilung des Vermögens hängt es davon ab, in welcher Gütergemeinschaft das Ehepaar gelebt hat. Wird bei der Hochzeit nichts extra vereinbart, lebt ein Paar in einer Zugewinngemeinschaft. Alle anderen Güterstände müssen durch einen Ehevertrag bei einem Notar extra vereinbart werden. Es gibt drei Varianten des ehelichen Zusammenlebens.

Die Zugewinngemeinschaft - also der gesetzliche Güterstand, wenn die Eheleute nichts anderes vereinbart haben - funktioniert solange die Ehe besteht. Bei der Zugewinngemeinschaft bleiben die jeweiligen Vermögen aus Zeiten vor der Ehe getrennt. Auch die Schulden jedes Ehegatten bleiben allein seine Schulden, mit dem der andere Ehegatte nichts zu tun hat. Im Falle einer Scheidung wird das während der Ehe angeschaffte Vermögen verteilt.

Bei der Gütertrennung bleiben die jeweiligen Vermögen getrennt. Auch dieser Güterstand muss durch einen Ehevertrag vereinbart werden.

Bei der Gütergemeinschaft gehört alles Vermögen beiden Eheleuten zusammen. Dieser Güterstand besteht aber nur dann, wenn er durch einen Ehevertrag vereinbart wurde. Er kommt sehr selten vor.

Zugewinnausgleich ist gleich Vermögensausgleich

So lange die Ehe existiert - auch noch während der Trennung - besteht zwischen Gütertrennung und der Zugewinngemeinschaft überhaupt kein Unterschied.

Kein Ehegatte haftet für die Schulden des anderen Ehegatten!

Das Vermögen, das ein Ehegatte allein erwirbt, ist und bleibt allein sein Vermögen und wird kein gemeinschaftliches Vermögen.

So wird ein Zugewinnausgleich berechnet:

Einen Vermögensausgleich oder Zugewinnausgleich gibt es nur dann, wenn das Ehepaar in Zugewinngemeinschaft gelebt hat. Dieser Ausgleich besteht darin, dass der Ehegatte, der während der Ehe mehr Vermögen hinzuerworben hat, die Hälfte der Differenz zum Vermögenszuwachs des anderen Ehegatten an diesen auszugleichen hat.

Hört sich kompliziert an, ist es aber gar nicht: Hat also z.B. der Ehemann während der Ehe ein Vermögen von 200.000 Euro neu hinzu erworben, die Ehefrau nur Vermögen von 100.000 Euro, so muss der Ehemann die Hälfte der Differenz, also 50.000 Euro ausgleichen.

Beim Zugewinnausgleich geht es nur um eine Geldsumme. Sind Gegenstände mitberechnet, kann nicht verlangt werden, dass diese als Ausgleich übertragen werden.

Der Zugewinnausgleich muss von einem Ehepartner beantragt werden. Er ist nicht normaler Bestandteil einer Scheidung. Nach drei Jahren verjährt ein Anspruch auf einen Zugewinnausgleich.

Vermögensaufteilung

Versorgungsausgleich und Zugewinnausgleich nach einer Scheidung
Das Vermögen wird auf beide Partner aufgeteilt. © Gina Sanders - Fotolia, Erwin Wodicka

Wenn ein verheiratetes Paar getrennte Wege geht und die Scheidung angestrebt wird, werden auch das Vermögen und die Schulden auf beide Ehepartner aufgeteilt. Ausgesprochen wird die Verteilung im Anschluss an das Scheidungsurteil. Normalerweise wird das Verfahren während der laufenden Scheidung zu Ende gebracht. Manchmal, wenn die Eheleute sich nicht einigen können, kann sich das Verfahren auch bis nach der Scheidung hinziehen.

Die Vermögensverteilung berücksichtigt alles, was seit der Eheschließung angeschafft wurde. Da sind Schulden genauso inbegriffen, wie Erspartes und Sachwerte.

Wichtig ist, was jeder vor der Eheschließung besessen, und somit in die Ehe eingebracht hat. Dieses Vermögen wird aus der Berechnung herausgenommen. Nicht verteilt werden Erbschaften und persönliche Geschenke.

Verteilt werden die Werte, die nach der Eheschließung geschaffen wurden. Der Wert des gemeinsamen Besitzes wird zum Zeitpunkt der Verteilung berechnet.

Anders sieht es aus, wenn ein Paar einen Ehevertrag hat. Dieser wird bei der Aufteilung der Vermögenswerte beachtet. Allerdings gibt es in Deutschland keine Eheverträge, wie man sie aus Hollywood kennt. Deutsche Richter lassen sittenwidrige Eheverträge im Falle einer Scheidung über die Klippe springen. Ist ein Ehepartner massiv benachteiligt, werden diese Verträge unwirksam.

Versorgungsausgleich und Trennungunterhalt

Ein neues Gesetz hat den Versorgungsausgleich wesentlich vereinfacht: Rentenansprüche aus einer geschiedenen Ehe werden gerechter verteilt. Gesetzliche, private und betriebliche Rentenansprüche werden nicht mehr mit Hilfe von Prognosen aufgerechnet, sondern bei der Scheidung wirklich geteilt. Ehepartner, die etwa zu Hause bleiben und Kinder erziehen, konnten bislang nach einer Scheidung ihre Ansprüche erst bei Eintritt ins Rentenalter geltend machen. Wenn die Scheidung schon lange zurückliegt, wurde dies oft gar nicht mehr wahrgenommen.

Allerdings können sich Mann und Frau auch abfinden lassen; bei Ehen, die höchstens zwei Jahre dauerten, fällt der Versorgungsausgleich völlig weg. Paare können damit schneller geschieden werden, die Gerichte werden entlastet.

Beim Trennungsunterhalt geht es um die Zeit zwischen Trennung und rechtskräftiger Scheidung. In dieser Zeit besteht die Möglichkeit Trennungunterhalt zu bekommen. Er dient der Sicherstellung des Lebensunterhaltes des Ehepartners beim Getrenntleben. Das kann ein Zeitraum von mehreren Jahren sein, er hat nichts mit dem Ehegattenunterhalt nach der Scheidung zu tun.

Keinen Anspruch auf Trennungsunterhalt hat ein getrennt lebender Ehepartner, wenn beide kinderlos und berufstätig sind, und über ein ähnliches Einkommen verfügen.

Ebenfalls keinen Anspruch auf Trennungsunterhalt besteht, wenn das Paar lediglich ein paar Wochen zusammengelebt hat.

Scheidung: Tipps zum Weg aus dem Chaos

Versorgungsausgleich und Zugewinnausgleich nach einer Scheidung
Mit einer Scheidung kommen viele Fragen © gpointstudio - Fotolia, Anna Bizon

Nach einer Scheidung stehen die Betroffenen oft vor einem Scherbenhaufen: Unterhalt, Sorgerecht, Vermögensverteilung – all das sind Themen, die Fragen mit sich bringen. Wie viel Anspruch hat Ihr Kind? Wie teuer wird eine Scheidung? Welche rechtlichen Konsequenzen hat eine Trennung? Wir zeigen Ihnen, wie Sie am besten durch das Scheidungs-Chaos kommen.  

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