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Verlustangst: Wie geht man mit einem übersensiblen Partner um?

Trennungsangst: Wie geht man mit einem übersensiblen Partner um?
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg

Bei jedem Streit meldet sich die

Für gewöhnlich beschweren Frauen sich regelmäßig über mangelnde Sensibilität bei Männern. Manch eine von uns hat einen richtigen Klotz an ihrer Seite oder einen, der so tut als sei er ein Klotz. Denn in Wahrheit sind Männer gar nicht unsensibel, sie scheuen sich nur, ihre weichen Seiten zu zeigen, weil sie in Sorge sind, dass wir sie dann unmännlich finden und verlassen. Das sitzt irgenwie tief bei den Herren, dass sie immer noch meinen, das Zeigen von Gefühlen und Empfindsamkeit zehre ihr Testosteron auf.

Was aber, wenn man mit dem Gegenteil zu kämpfen hat? Dergestalt, dass ein Mann auf die kleinste Störung in der Beziehung reagiert wie ein hochsensibler Seismograph? Ich spreche hier von gestandenen Kerlen, die wirklich in jeder Hinsicht ihren Mann stehen. Doch kaum konfrontiert man sie mit einer Mini-Beschwerde, sprechen sie von Trennung. Ich kenne Männer, die wirklich bei jedem noch so kleinen Streit mit Trennung drohen. Jede Auseinandersetzung bedeutet für sie das Ende der Liebe.

Neulich sprach ich mit einer Frau, die mit solch einer männlichen Drama-Queen lebt. Der Mann sei eigentlich ein Segen, sagte die Frau. Lieb und klug und lustig und eben sensibel. Je länger sie mit ihm zusammen ist, desto mehr regt er sich aber über Kritik auf, will sofort seine Koffer packen, wenn es mal nicht läuft.

Ich dachte mir: Nachtigall, ick hör Dir trapsen. Der Typ wird mit zunehmender Dauer der Beziehung unsicherer, was die Liebe angeht? Oha! Meine Diagnose: Er leidet unter massiven Verlustängsten. Das Wachsen der Innigkeit macht ihm Sorge. Er stellt sich vor, wie er sich fühlen wird, wenn plötzlich Schluss ist. Ein Grauen überfällt ihn. Da macht er lieber selber Schluss.

Frauen sind mit diesem Phänomen vertraut, denn gerade Frauen reagieren häufig bei Stress hysterisch und flüchten voreilig aus Beziehungen, weil sie in Wahrheit fürchten, der Mann könnte gehen. "Passive Beziehungsvermeidung" nennt man das.

Ängste zeigen und in Worte packen

Wenn ich hier also nun einen gescheiten Rat in dieser Sache geben darf, richte ich mich gleichermaßen an betroffene Weiblein wie an betroffene Männlein. Die gute Nachricht zuerst: Jeder Mensch, der sensibel ist, darf sich freuen. Das ist eine schöne Eigenschaft, die oft mit Angst einhergeht. Auch Angst ist nichts Schlimmes, Verlustangst erst Recht nicht, sie ist menschlich und richtig sympathisch. Was sind das denn für Leute, die der Gedanke, verlassen zu werden, nicht ängstigt? Das sind kalte Fische.

Aber: Man sollte die Angst von innen nach außen stülpen, sie zeigen, die Angst in Worte packen, nicht gleich die Koffer.

Jenen Frauen, die mit einem übertriebenen Kofferpacker zusammen sind, empfehle ich, das Selbstbewusstseins des Partners zu stärken. Steht er im Türrahmen mit seinem Gepäck, würde ich nicht auf Distanz gehen, ihn auch nicht bedrängen, dass er bleiben möge. Sondern einfach nett sein. Ihm zeigen: "Huhu, hier bin ich, alles ist gut. Ich habe mich nur beklagt, dass Du die Zahnpastatube nicht zugemacht hast. Ansonsten liebe ich Dich heiß und innig. Was essen wir heute Abend? Roularden mit Rotkohl?" Ganz banal: Rückkehr zum Alltag!

Natürlich kann ich mir vorstellen, wie diese ständigen Dramen nerven. Dennoch sollte man dem Partner eine Chance geben, ihm zunächst einen Vorschuss gönnen und geben an Großzügigkeit und Humor. Lasst die Dramatik einfach an Euch abprallen. In 9 von 10 Fällen geht das gut, und irgendwann ist der Drops gelutscht, und die Koffer werden nicht mehr bei jedem Streit gepackt. Hört das nicht auf, muss der Kofferpacker etwas für sich tun. Ein Gang zum Therapeuten wäre dann vielleicht nicht verkehrt. Männer können sich eher schlecht selbst behandeln.

Seid Ihr diejenigen, die Hals über Kopf Schluss machen, wenn Euch ein Pups quer sitzt, wünsche ich Euch einen verständnisvollen Mann, der Euch Zeit lässt, diese Psycho-Marotte zu überwinden. Klappt das nicht, geht in Euch, begegnet Euch liebevoll, lacht liebevoll über Eure Szenen, das hilft. Frauen kennen sich hervorragend aus mit Eigentherapie. Im schlimmsten Fall müsst Ihr Euch natürlich auch professionelle Unterstützung suchen. Meine Erfahrung: Das wird selten nötig sein.

Denn allgemein gilt: Die Liebe verwandelt Dinge und Menschen, sie macht männliche Klötze weich, sie verleiht männlichen und weiblichen Mimosen Vertrauen.

Das ist das große Versprechen der Liebe (zu sich selbst und zum Partner!), für dessen Erfüllung man nur eines können muss: Lieben.

In dem Sinne - Liebe leicht gemacht, Eure Birgit

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