Verlobungsring mit GPS-Tracking: Vertrauensbruch für die Beziehung?

Verlobungsring mit GPS
Dieser Verlobungsring hat es in sich. © action press, Gemporia/Exclusivepix Media

Verlobungsring mit verstecktem Blue-Tooth-Chip

In Zukunft sollte man ganz genau zuhören, wenn der Partner seine Liebe beschwört, einen Ring aus der Tasche holt und den Satz "Schatz, ich möchte immer mit dir zusammen sein“ fallen lässt: Ein Juwelier hat nämlich einen 'Treue-Ring' mit GPS-Funktion entwickelt. So weiß 'Schatzi' immer, wo sich 'Mausi' gerade befindet...

Von Merle Wuttke

Der britische Juwelier Steve Bennet findet seine Idee richtig klasse: Ein diamantener Verlobungsring mit verstecktem Blue-Tooth-Chip. Entwickelt hat er diesen Prototypen natürlich nur, um bei Verlust oder Diebstahl dem Besitzer die Möglichkeit zu bieten, schnell wieder sein kostbares Stück zurück zu bekommen. Das mit dieser GPS-Funktion auch die Trägerin des Rings ständig auf dem Radar ihres Partners erscheint, sei quasi nur ein Nebeneffekt.

Nachdem wir also nun unsere Hunde per Chip orten, den Kindern Barbiepuppen schenken, die deren Gespräche belauschen und überwachen, beziehungsweise Achtjährige mit dem Handy zur 500 Meter entfernten Schule schicken, um zu kontrollieren, ob sie dort auch ankommen, vermessen wir jetzt auch unsere Beziehungen. Wie war das noch? Ach ja, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Von wegen! Vertrauen ist die Basis einer jeder Partnerschaft – und zu einem gesunden, stabilen Vertrauen gehört eben NICHT alles von und über den Anderen wissen zu wollen. Sondern darauf zu 'vertrauen', dass er oder sie, sich an gemeinsame Werte, Vereinbarungen, Regeln hält.

Ob und wie vertrauenswürdig jemand ist, kann man laut Psychologen übrigens recht gut im aufmerksamen Umgang miteinander erkennen. Ist der Partner auch bei Kleinigkeiten verlässlich? Wie spricht er über ehemaligen Beziehungen? Wie reagiert er bei Konflikten, zeigt er im Streit ein ganz anderes Gesicht?

GPS-Tracking vs. Vertrauen

Niemand sollte von Anfang an 'blind' vertrauen, sondern sich den Anderen und dessen Reaktionen schon genau anschauen, aber man muss auch nicht bei dem kleinsten Verdacht anfangen heimlich E-Mails zu lesen oder SMS zu checken, nur weil der Partner mal einen Tag lang oft am Telefon hängt.

Zwischen Vertrauen und Misstrauen liegt ein schmaler Grat und eine Beziehung ist schnell vergiftet, wenn man beginnt, zu sehr in die Privatsphäre des anderen einzudringen oder ihn unrechtmäßiger Dinge zu bezichtigen. Wer das merkt, sollte, bevor er einen Vertrauensbruch begeht und dem Partner nachspioniert, sich selbst erst einmal emotional aus der Distanz betrachten: Warum glaube ich, dass mein Partner mich belügt? Welche konkreten Beweise habe ich dafür? Warum fühle ich mich in dieser Beziehung so unsicher? Und das Gespräch mit dem Partner suchen.

Psychologisch gesehen ist es für die Liebe übrigens wesentlich besser, wenn beide Partner das Gefühl haben innerhalb der Beziehung 'frei' zu sein.

Der US-Psychologe John Gottman, einer der renommiertesten Paarforscher unserer Zeit, fand zum Beispiel heraus, dass der Grund für Untreue in Beziehungen oft darin liegt, dass Paare vergessen, den Partner positiv zu sehen, sondern immer nur den Mangel betonen, den sie für sich in der Beziehung sehen. Also etwa sagen: "Nie bringt er mir etwas Schönes mit oder sagt mir, dass er mich liebt“ – statt zu bemerken, dass der andere dafür super pünktlich aus dem Büro geht, um sich um die Kinder zu kümmern, damit man selbst seine Karriere verfolgen kann.

Echtes Vertrauen dem Partner gegenüber ist jedenfalls ein größeres Geschenk als jeder Achtkaräter.

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