LIEBE LIEBE

Verlobung: Echtes Eheversprechen oder Ende offen?

Sido löst Verlobung mit Doreen
Sido löst Verlobung mit Doreen © dpa, Schuh;Florian

Kann man eine Verlobung noch lösen?

Aah! Allein das Wort klingt schon so herrlich romantisch-altmodisch: Verlobung. Es klingt nach einem schönen Schwarzweiß-Film an einem verregneten Sonntag-Nachmittag: "Gestatten Herr Generaldirektor, dass ich Ihm meine Verlobte vorstelle?"

Von Ursula Willimsky

Es klingt nach Hollywood-Komödien, wo sich die gesamte ehemalige Cheerleader-Clique kichernd um die eine drängelt, die endlich, endlich den Ring bekommen hat. Mit ganz vielen Karat natürlich.

Tja, und heutzutage klingt das winzige Wörtchen auch ein bisschen nach knallhartem Rap. Denn Sido - Sänger mit todschicker Buchhalter-Brille, den die Älteren von uns noch als den Typ mit der verchromten Totenkopfmaske kennen - hat sich nicht nur vor einiger Zeitung (Foto) auch wieder aufgelöst. Angeblich kurz vor der Hochzeit. Achja, und eine neue Freundin hat er auch schon wieder: "die Hammerbraut" Charlotte Engelhardt.

Jetzt wird Sido das wahrscheinlich nicht gerne hören, aber wir finden es schon erstaunlich, dass ein von der Boulevard-Presse gerne als Rüpel-Rapper bezeichneter Mann wie er gleich so viele Klischees bedient. Zuerst: Die klassische Verlobung, das Eheversprechen. Noch dazu ganz kitschig am Valentins-Tag. Und dann eine Trennung im verflixten siebten Jahr. (Überhaupt: Was soll das? Wir haben schließlich auch unsere Klischees! Und eine derart lange Beziehung in dieser Branche - schon erstaunlich). Womit wir Herrn Sido und seine Verlobte und seine neue Freundin gedanklich verlassen und ganz allgemein fragen: Macht denn so eine Verlobung heutzutage überhaupt noch Sinn? Verlobt man sich noch ernsthaft? Oder ist das nur ein Vorwand für eine Superparty? Ohne tiefere Bedeutung? Und warum macht man es dann überhaupt?

Sido ließ sich viel Zeit mit der Verlobung

Hmm. Schwierig. Zumindest laut "Wikipedia" gibt es die Verlobung immer noch. Und: Sie hat sogar rechtliche Bedeutung. Zwar nicht so ausgeprägt, dass man auf die Erfüllung des Eheversprechens klagen könnte, wenn denn einer der potenziellen Partner kalte Füße bekommt und die Verlobung löst. Aber man kann zumindest Ersatz fordern für Ausgaben, die unsinnig geworden sind, weil es doch keine Hochzeit gibt. Also zum Beispiel das Geld für das Brautkleid zurückverlangen. Dinge wie das "Kranzgeld" gibt es aber nicht mehr. Das musste früher gezahlt werden, wenn die Ehe vor der Ehe vollzogen wurde und danach keine Ehe zustande kam.

Wer jetzt noch nie eine Anzeige in der Zeitung aufgeben konnte mit zwei verschränkten Ringen und der Überschrift "Wir haben uns verlobt!" sollte aber nicht traurig sein: Anscheinend genügt bereits der erklärte Wille, später zu heiraten, um einen in den Status "verlobt" zu hebeln. Ein "Willst Du mich heiraten?" samt dahingehauchtem "Ja" genügt. Ob es alle mitbekommen - oder nur die zwei: Ganz pragmatisch gesehen gelten sie als verlobt. Und ganz traditionell gesehen sollten sie dann innerhalb eines Jahres auch tatsächlich heiraten.

Was heutzutage nicht mehr alle tun. Manche lassen sich deutlich mehr Zeit, manchen heiraten dann doch nicht, so wie Sido. Der Bild-Zeitung sagte er: "Jetzt mal ehrlich. Charlotte hat damit nichts zu tun. Ich habe die Hochzeit mit Doreen in den vergangenen Jahren immer wieder verschoben. Weil ich mir einfach nicht sicher war."

Und da kommen wir schon wieder ins Grübeln. Ist das das jetzt ein Zeichen von Reife, sich mit der Hochzeit so lange Zeit zu lassen, weil man Zweifel hat? Ist die Verlobungszeit sowas wie die "Ehe auf Probe"? Man signalisiert ganz klar, dass man mehr ist als nur ein Pärchen, und kann schon mal testen, wie es sich anfühlt, sich für immer an den anderen zu binden. Hat aber immerhin noch ein Hintertürchen offen…

Immerhin können sich die Gefühle für den Partner ändern und man kann sich nie sicher sein, ob man seine Entscheidung, zu heiraten nicht doch nochmal überdenkt. Und ist es dann nicht einfacher - und konsequenter - eine Verlobung zu lösen? Statt zu heiraten und sich dann nach zwei Jahren wieder scheiden zu lassen, mit vielen Tränen und schmutziger Wäsche? Oder ist eine - offizielle - Verlobung ein so starkes Versprechen, dass man es nur geben sollte, wenn man sich über seine Gefühle hundertprozentig sicher ist? Und das deshalb auf jeden Fall in einer Hochzeit enden sollte?

Wir sind gespannt auf Eure Meinung!

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