Verhütung: Millionen Frauen ohne Zugang zu Pille, Kondomen & Co.

Verhütung: Für Millionen Frauen weltweit nicht möglich
Verhütung © Fotolia

233 Millionen Frauen in der Welt kommen nicht an Verhütung heran

Im Jahr 2015 werden 233 Millionen Frauen weltweit keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln haben, obwohl sie das möchten. Zwar verwenden immer mehr Frauen weltweit die Pille & Co, aber nicht alle Frauen kommen an diese Verhütungsmittel heran. Besonders in der ärmsten Region Afrikas wird das Fehlen von Verhütungsmitteln dramatische Konsequenzen haben. Aber auch in Deutschland haben arme Frauen kein Geld für die Pille.

Von Jutta Rogge-Strang

Die Infos über die afrikanische Sahelzone, den Tschad, Mali und Mauretanien lesen sich wie eine Beschreibung aus dem Mittelalter: Analphabetentum, Kindersklaven und Kindersoldaten, willkürliche Misshandlung und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen, Hungersnöte, Seuchen, Dürren und Überschwemmungen: Die Menschen in der ärmsten Region der Welt haben nichts zu lachen. Da erscheint das Fehlen von moderner und sicherer Verhütung eines der weniger wichtigen Probleme zu sein. Allerdings hat eine Verschlechterung der Verhütung gerade in dieser Region dramatische Konsequenzen: Forscher schätzen, dass sich bis zum Jahr 2050 die Bevölkerung dort verdreifachen wird. Und das in einer Region, die ihre Bewohner schon jetzt nicht mehr ernähren kann.

233 Millionen Frauen in der Welt können sich moderne Verhütung entweder nicht leisten oder kommen schlicht nicht an die Pille heran: Wieviel sind eigentlich 233 Millionen Frauen? Nimmt man die Gesamtbevölkerung von Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien zusammen, kommt man auf ungefähr 247 Millionen Menschen, Männlein und Weiblein zusammengerechnet. Wären also diese Länder nur von Frauen bevölkert, kommt man ungefähr auf diese Zahl. Das sind also ganz schön viele Frauen. Und diese vielen Frauen bekommen Kinder, die sich nicht haben wollen und die sie nicht ernähren können. Da braucht es nicht viel Fantasie, um sich die Katastrophe vorzustellen.

Zuschüsse für Verhütung für Hartz IV-Empfänger?

Da haben wir in Deutschland ja Glück gehabt: Kondome sind fast überall zu haben – wenn Mann sie denn benutzen möchte. Denn wir alle wissen: Kondome sind bei Männern nicht gerade die beliebteste Verhütungsmethode. Aber auch Pille oder Spirale sind zu bekommen – wenn frau sie bezahlen kann.

Seit der Einführung von Hartz IV bekommen nur noch Frauen unter 20 die Pille kostenlos. Alle anderen müssen sie selbst bezahlen: Das sind 10 bis 15 Euro pro Monat für die Pille, eine Spirale kostet zwischen 150 und 350 Euro und wirkt fünf Jahre. Das sind also 2,50 bis 6 Euro pro Monat, zahlbar in einem Betrag. Zu teuer für Frauen, die Hartz IV bekommen, meinen Expertinnen von Pro Familia, Caritas und Diakonischem Werk.

Der Hartz IV-Regelsatz sieht pauschal ca. 15 Euro für Gesundheitspflege vor: Dazu gehören Medikamente, Zuzahlung in Apotheken und eben auch Verhütungsmittel. Zu wenig für eine sichere Verhütung, da sind sich viele einig. Zwar zahlt der Staat die 400 Euro für eine Abtreibung, aber das kann man ja wohl kaum als regelmäßige Verhütung bezeichnen.

Einige Bundesländer geben bereits kostenlose Verhütungsmittel aus: In Berlin werden die Kosten für Schülerinnen und Studentinnen, Hartz IV-Bezieherinnen und alle anderen, die ein geringes Einkommen haben, übernommen. Nordrhein-Westfalens Familienministerin Ute Schäfer hat offenbar ebenfalls Nachricht von diesem Thema erhalten und wagte 2013 einen bundesweiten Vorstoß bei ihren Ministerkollegen: Sie will erreichen, dass Frauen mit geringem Einkommen die Pille oder Spirale kostenlos bekommen, denn nur so ließen sich Abtreibungen vermeiden. Zustimmung kommt aus allen Bundesländern – mit einer Ausnahme, Bayern. Letztlich entscheiden wird darüber der Bund: Denn der ist für die Sozialgesetzgebung zuständig.

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