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Verhütet - und trotzdem schwanger

Eine Frau blickt ungläubig auf den Schwangerschaftstest.
Eine Frau ist trotz Verhütungsstäbchen schwanger geworden. © JOSH_HODGE

Unzuverlässiges Verhütungsstäbchen

Dafür muss er zahlen! Findet eine dreifache Mutter, die ungewollt schwanger wurde.  Vor dem Kölner Landgericht will sie sich zur Zeit Unterhalt und Schadensersatz erstreiten. Zahlen soll aber nicht der Vater ihres Jüngsten – sondern ihr Gynäkologe. Denn die Frau hatte sehr umsichtig verhütet. Dachte sie zumindest bis zu dem Moment, als sie erfuhr, dass sie ein drittes Kind erwartet.

Von Ursula Willimsky

Die Frau stand laut Presseberichten vor ein paar Jahren vor der Frage, ob sie sich sterilisieren lassen sollte. Denn sie hatte ja schon zwei Kinder und „wollte einfach Ruhe und etwas Sicheres“. Statt der Sterilisation entschied sie sich für ein Verhütungsstäbchen. Und die gelten derzeit als eines der sichersten Verhütungsmittel überhaupt. Von hundert Frauen mit Stäbchen werden nur 0 bis 0,08 Prozent schwanger.

Nicht jede verträgt das Hormon-Stäbchen

Das Stäbchen aus silikonfreiem Kunststoff wird in die Innenseite des Oberarmes implantiert und gibt dort etwa drei Jahre lang Hormone ab. Vorteile laut pro familia: Das Stäbchen enthält keine Östrogene, ist also auch für Frauen geeignet, die dieses Hormon nicht vertragen oder wegen gesundheitlicher Risiken nicht einnehmen dürfen. Und man muss lange keinerlei Gedanken mehr  an die Verhütung verschwenden.

Aber das Wunderstäbchen hat auch Nachteile: Es gilt als eines der teuersten Verhütungsmittel, kostet mit Einsetzen zwischen 300 und 350 Euro. Für das Entfernen muss man noch einmal mit etwa 50 Euro rechnen. Und überraschend viele Frauen vertragen es nicht. Pro familia weist darauf hin, dass „ein relativ hoher Prozentsatz der Frauen sich das Stäbchen wegen Nebenwirkungen wieder ziehen lässt (in einigen internationalen Studien bis zu 20 - 30 Prozent aller Anwenderinnen).“

Aber man kann auch schwanger werden, wenn man ein anderes, sehr sicheres Verhütungsmittel verwendet: Die Pille. Rund 55 Prozent aller Frauen vertrauen auf sie. Werden sie trotzdem schwanger, unterstellt man ihnen ja gerne erst einmal, dass sie bei der Einnahme geschlunzt haben. Dabei gibt es noch andere Faktoren, die die kleinen Hormonpräparate außer Gefecht setzen können: Medikamente zum Beispiel. Antibiotika, Mittel gegen Epilepsie, aber auch manche Kopfwehtabletten – und sogar einige Abführmittel können zu einer unerwünschten Schwangerschaft führen. Ganz selten, aber es kann vorkommen.

Schmerzensgeld für die Schwangerschaft

Der Kölnerin, die ihren Gynäkologen verklagte, war es zu umständlich, täglich die Pille zu schlucken. Sie entschied sich für das Stäbchen. Dass ihre ganz persönlichen „Risiken und Nebenwirkungen“ inzwischen zweieinhalb Jahre und quietschfidel sind, will sie nicht einfach so akzeptieren: 10.000 Euro Schmerzensgeld verlangt sie für Schwangerschaft und Geburt, zudem will sie, dass der Frauenarzt für ihren Sohn regulären Unterhalt zahlen muss. Noch tagt das Gericht.

Aber in einem ganz ähnlichen Fall wurde einer Mutter recht gegeben. Auch sie hatte sich ein Verhütungsmittel implantieren lassen, und war ungewollt schwanger geworden. Die gelernte Erzieherin aus Baden-Württemberg musste daraufhin sogar ein Job in der Schweiz wieder absagen – mit Neugeborenem konnte sie die neue Stelle nicht antreten. Das Gericht entschied damals, dass „die gegenwärtige berufliche und wirtschaftliche Planung einer jungen Frau durchkreuzt wird und die zukünftige Planung noch nicht endgültig absehbar ist“ und der Arzt deshalb Unterhalt zahlen muss. Etwa 500 Euro, bis der Junge erwachsen ist. Ob die Kölner Richter genauso entscheiden – erfährt man am 4. März.

Kontrolle ist besser

In beiden Fällen war von dem Implantat keine Spur mehr im Körper zu finden, als die Schwangerschaft festgestellt wurde. Da es auch aus anderen Ländern vereinzelte, ganz ähnliche Berichte gibt, rät die australische Gesellschaft der Allgemeinärzte allen Frauen, ein paar Tage nach Einsetzen des Präparates zu überprüfen, ob das Implantat korrekt sitzt – es muss sich unter der Haut ertasten lassen.

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