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Verhaltenstherapie: Wie läuft diese Art der Psychotherapie ab?

So verläuft eine Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie steht das individuelle Verhalten eines Menschen im Fokus. Dabei geht es konkret um wiederkehrende Konflikte und Probleme im Alltag, also auch in der Interaktion mit anderen Menschen. Diese sollen in der Therapie durchlebt werden und der Patient und der Psychotherapeut sollen Lösungen für die Zukunft erarbeiten, damit der Patient lernt, das alte und erlernte Verhalten abzulegen und so Konflikte zu vermeiden. Die Verhaltenstherapie geht also davon aus, dass das Verhalten eines Menschen erlernt ist – und deshalb auch wieder mit etwas Übung verlernt werden kann. Aber wie funktioniert das?

Verhaltenstherapie: Wie läuft diese Art der Psychotherapie ab?
© alexsokolov - Fotolia

Ein einfaches Beispiel ist die Reaktion auf die Kritik vom Chef, die man nicht als Kritik an der eigenen Arbeit, sondern als Kritik an sich selbst versteht. Das führt oft zu unnötigen Streitigkeiten, zu Rechtfertigungen und zu dem Vorwurf, der Chef möge einen nicht. In der Verhaltenstherapie lernt man, sich in solchen Situationen angemessen zu verhalten und angebracht zu reagieren. Zusammen mit dem Therapeuten geht man der Frage nach, warum man die Kritik persönlich nimmt? Vielleicht weil der Boss einen unterbewusst an den eigenen Vater erinnert, der einen ständig kritisiert hat?

Das muss der Patient in der Verhaltenstherapie erkennen und lernen, zwischen dem Gefühl von damals und von heute zu unterscheiden. Denn nur, wenn er erkennt, dass die Gefühle, die der Chef in ihm auslöst, nichts mit hier und jetzt, sondern mit frühkindlichen Erfahrungen zu tun haben, kann er lernen, künftig Distanz zu schaffen und angemessen zu reagieren. Also Kritik als Kritik zu sehen und nicht als persönliche Beleidigung. Das kann funktionieren, indem der Therapeut dem Patienten erklärt, dass er jedes Mal, wenn er Kritik bekommt, seinen kleinen Finger drücken soll – zur Ablenkung. Und die negativen Gefühle einfach nur Gefühle sein lassen soll, die sich mit etwas Übung aushalten lassen. Oder aber er soll jedes Lob vom Chef in ein Tagebuch eintragen und sich die schönen Erlebnisse im Job immer wieder durchlesen – um seine Gedanken in positive Bahnen zu lenken.

Eine Verhaltenstherapie soll Verhalten ändern

Ähnlich ergeht es Patienten mit Zwangsstörungen. Egal, ob zwanghaftes Händewaschen oder – wie heutzutage nicht unüblich – digitale Eifersucht auf den Partner in sozialen Netzwerken wie Facebook und damit verbundene ständige Kontrolle des Profils: Auch hier soll erkannt werden, woraus dieses nicht erwünschte Verhalten kommt. Und es soll gleichzeitig verlernt werden. Dazu rät der Psychotherapeut zum Beispiel, jedes Mal, wenn das Gefühl, man müsse sich wieder die Hände waschen, aufkommt, an einen schönen Tag am Strand zu denken. Also diese störenden Zwangsgedanken umzuleiten und sie in etwas Positives zu verwandeln.

Eine andere Methode wäre, laut „Stopp“ zu sagen, wenn der Wunsch, das Profil des Partners zu kontrollieren, wieder aufkeimt. So soll dem Patienten mit der Zeit bewusst werden, dass sein altes Verhalten nicht nötig ist und dass nichts Schlimmes passiert, wenn es ablegt. Er soll einfach lernen, die unerwünschten Gefühle durch Tricks umzulenken und positiv zu verwandeln. Verstehen und Nachvollziehen des eigenen Handelns, kombiniert mit einer Veränderung des erlernten Verhaltens steht also in einer Verhaltenstherapie im Mittelpunkt.

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