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Vergewaltigung: Was können Opfer tun?

Vergewaltigung
Vergewaltigung: Oft schweigen die Opfer aus Scham.

Gegen die Vergewaltigung wehren

Die Tat: Zweifache Vergewaltigung, schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung. Schauspieler Sebastian M., bekannt durch Rollen in "Die Camper", "Die Manns" oder "IT-Crowd" steht im Verdacht, der Täter zu sein. Am Freitag wurde er in Wiesbaden direkt nach einer Theateraufführung festgenommen. DNS-Spuren deuten darauf hin, dass er zwei Frauen sexuell missbraucht haben könnte.

Von Ursula Willimsky

Bei den Opfern soll es sich um Mutter und Tochter handeln. Zwei Opfer, die ein Mann erniedrigen und demütigen wollte. Die der Macht eines anderen ausgeliefert waren. Die nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verletzt wurden. Zwei von vielen Opfern. Rund 15 000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung werden Jahr für Jahr in Deutschland angezeigt - wie hoch die Dunkelziffer ist, darüber gibt es nur Schätzungen. Wobei das Bild vom fremden Mann, der eine Frau überfällt, eher die Ausnahme sei. Sigrid Bürner vom Notruf für Frauen in Kiel: "Etwa zwei Drittel aller sexuellen Übergriffe finden im näheren sozialen Umfeld der Frau statt." Eine Vergewaltigung bleibe eine Vergewaltigung, auch wenn das Opfer den Täter sehr gut kenne.

"Nein" bedeutet "Nein"

Veit Schiemann von der Opferschutz-Organisation "Weißen Ring" sagt ganz deutlich: "Machen Sie sich frei von Schuld! Die Verantwortung für die Tat liegt ganz allein beim Vergewaltiger - egal, was der Tat voranging." Ein "Nein" bedeute "Nein". 

Die Opferschutzorganisation rät dazu, sich als Opfer nicht unter Druck setzen zu lassen - niemand könne einem vorschreiben, wie man sich zu fühlen habe und wie man mit der Tat umgehe. Dazu gehöre auch, dass manche Frauen sich dazu entscheiden, die Tat erst spät oder gar nicht anzuzeigen. Auch wenn dies die Chancen, den Täter zu fassen, schmälere. Doch - so Schiemann - für manche Opfer sei es sehr schwer, sich bei der Polizei und später bei der Verhandlung wieder mit der Tat zu konfrontieren. "Manche Frauen wollen dem Täter nicht noch einmal begegnen müssen. Oder es spielt die große Angst eine Rolle, sich den Fragen des Täter-Anwalts stellen zu müssen."

Beweise sichern

Vergewaltigung
Viele Opfer zeigen Täter aus Selbstschutz nicht an. © BlueSkyImages - Fotolia

Andererseits kann nur durch eine Anzeige der Täter gefasst werden - und vielleicht Folgetaten verhindert werden. Eine betroffene Frau  sollte, so die Polizei, einige Punkte beachten – auch wenn die psychische Belastung gerade kurz nach der Tat sehr groß ist.

Die Polizei rät:

- Vernichten Sie keine Beweismittel; bewahren Sie zum Beispiel Bekleidung, Wäsche, Bettlaken oder andere Gegenstände auf, mit denen der Täter in Berührung gekommen ist oder Ihrer Meinung nach sein könnte!

- Wenn möglich, waschen Sie sich nicht, bevor Sie ärztlich untersucht worden sind!

- Gehen Sie möglichst schnell zur ärztlichen Untersuchung!

- Reinigen Sie nicht Ihre Kleidung, die Sie zur Tatzeit getragen haben und werfen Sie auch zerrissene Kleidungsstücke und Unterwäsche nicht fort. Es könnten wichtige Spurenträger sein!

- Verändern Sie den Tatort nicht!

- Versuchen Sie, den Tathergang in Form eines Gedächtnisprotokolls schriftlich festzuhalten. Das kann für die späteren Vernehmungen und das Verfahren sehr wichtig werden!

Jede Frau hat das Recht auf einen Anwalt

Und: Man sollte in dieser schweren Situation nicht allein bleiben. Die beste Freundin, eine Vertraute, aber auch die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation oder eine Anwältin können dem Opfer von Anfang an zur Seite stehen und es stärken. Jede vergewaltigte Frau hat das Recht auf einen Opferanwalt - die Kosten trägt immer der Staat. Mit seiner Hilfe, so Schiemann, kann das Opfer auch als Nebenklägerin auftreten. Verzichtet die Frau auf diese Möglichkeit, ist sie im Prozess "nur" Zeugin - und darf zum Beispiel der Verhandlung nicht beiwohnen, wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Und nur als Nebenklägerin darf das Opfer unsachliche Fragen ablehnen oder Stellungnahmen abgeben.

Wie kann ich mich schützen?

Nein gegen sexuelle Gewalt
Frauen können neues Selbstbewusstsein durch Selbstverteidigungskurse bekommen. © fotogestoeber - Fotolia

Vor einer Vergewaltigung, vor sexualisierter Gewalt, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Doch man könne sich als Frau zumindest auf mögliche Gefahrensituationen einstellen, so der Experte vom Weißen Ring. Nicht nur seine Organisation rät zu Selbstverteidigungskursen. Außerdem gibt er den Tipp, sich mental auf Gefahrensituationen vorzubereiten - wenn man zum Beispiel weiß, dass man um drei diese eine Straße allein entlang laufen muss: "Überlegen Sie sich vorher, wo Sie im Fall der Fälle hinlaufen würden. Dass Sie immer ins Licht laufen. Wo Sie klingeln. Und: Dass Sie laut um Hilfe rufen werden."

Selbstbewusstes Auftreten könne potenzielle Täter eventuell abschrecken. "Siezen Sie einen Angreifer", so Schiemann, "das baut eine Mauer zwischen ihm und Ihnen auf und sorgt für geistigen Abstand."

Waffen zur Selbstverteidigung sehen die Experten der Opferorganisation dagegen mit gemischten Gefühlen: Groß sei die Gefahr, dass ein Angreifer einem die Waffe entwinde - und gegen das Opfer richte. "Außerdem", so der Experte, "bringt ein Gas-Fläschchen in den Tiefen einer Damenhandtasche wenig. Im Notfall ist es nicht griffbereit. Wer Reizgas, einen Schlüssel oder ähnliches zu seiner Verteidigung gebrauchen will, sollte es griffbereit haben: In der Hand, die in der Jackentasche steckt, zum Beispiel." Weitere Tipps für Opfer gibt der Weiße Ring in dem Flyer "Vergewaltigung – was tun?"

 

Nicht nur diese Organisation steht betroffenen Frauen hilfreich zur Seite. Nach einem sexualisierten Übergriff kann man u.a. Hilfe finden bei Notruf-Einrichtungen, hier findet sich auch eine Suchmaschine für Hilfseinrichtungen vor Ort, bei Frauenhäusern, den Opferschutzbeauftragten der Polizei und bei jeder Polizeidienststelle, besonders den Fachdienststellen der Kriminalpolizei.

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