FAMILIE FAMILIE

"Vergewaltigung macht selten schwanger": US-Politiker erhitzt die Gemüter

"Vergewaltigung macht selten schwanger": US-Politiker erhitzt die Gemüter
© dpa, House of Representatives

US-Abgeordneter will Abtreibungen verbieten

Das manch amerikanischer Politiker so ganz anders tickt, als der normale Mensch, kennt man ja schon. Aber dass sich ein Kerl, der sich zu einer Senatswahl aufstellt, in einem Interview öffentlich behauptet, es sei "selten, dass eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger" würde und ihr dann noch das Recht auf eine Abtreibung verweigern will, ist schon mehr als ein dickes Ding. Hat der einen Knall?!

Von Merle Wuttke

Der Mann ist alt (Jahrgang 47), Republikaner und kommt aus Missouri. Drei Gründe, die einen ihm gegenüber milde stimmen könnten, weil er damit schon genug gestraft ist. Aber was sich Todd Akin da geleistet hat, ist leider mehr als ein dummer Ausrutscher. Weshalb sogar die Spitze seiner Partei um Mitt Romney, der ja gern US-Präsident werden möchte, aufgeschreckt ist und den alten Mann gern aus dem Weg haben möchte.

Akin hatte behauptet, dass der weibliche Körper nach einer Vergewaltigung einen "Mechanismus" besäße, der eine mögliche Schwangerschaft unmöglich mache und palaverte von einer "legitimen Vergewaltigung". Was aber daran legitim, also rechtens, sein soll, eine Frau unter Androhung von Lebensgefahr zum Sex zu zwingen, ließ er dabei offen. Später behauptete er - na klar - er habe sich versprochen. Erinnert irgendwie an die Sorte Täter, die behauptet, die Frau hätte es ja nicht anders gewollt...

Männer wie Akin sollten die Klappe halten

Warum gibt es das heute eigentlich noch? Männer, die meinen, sie hätten ein Recht über den Körper von Frauen zu bestimmen? Die meinen, sich ein Bild davon machen zu können, was eine Vergewaltigung und im schlimmsten Fall eine daraus resultierende Schwangerschaft in einer Frau auslöst. Was Typen wie Todd Akin da treiben ist für Frauen, die ein solches Drama durchleben mussten, nur ein weitere Form von männlichem Missbrauch, Demütigung und Ignoranz.

Und dennoch schämen sich, auch etablierte männliche Politiker nicht, immer wieder mit ihren kruden Meinungen an die Öffentlichkeit zu treten. Erst im Mai diesen Jahres hatte der türkische Premier Erdogan behauptet, ein Schwangerschaftsabbruch, aus welchen Gründen auch immer, sei Mord - dabei hat sein Land bislang ein recht liberales Abtreibungsrecht. Und in vielen afrikanischen Ländern, in denen Vergewaltigung als taktisches Kriegsmittel eingesetzt wird, um die Bevölkerung moralisch und gesellschaftlich zu brechen, werden die missbrauchten Frauen, die oft diese Kinder austragen müssen, weil sie gar keine andere Möglichkeit haben, stark stigmatisiert und geächtet, also mindestens dreifach bestraft.

Vielleicht sollte man einen westlichen Politiker wie Akin, der ungestraft solchen Schwachsinn faselt, einfach mal in eine Klinik für schwer Traumatisierte stecken - wie in das kongolesische Panzi-Krankenhaus, in dem Mädchen und Frauen zwischen 8 und 88 Jahren behandelt werden - weil ein paar idiotische Männer meinten, sie könnten mit deren Körpern machen, was sie wollen.

Anzeige