Vergewaltigung: Jörg Kachelmann über "Opferrolle der Frau"

Vergewaltigung: Jörg Kachelmann über "Opferrolle der Frau"
© dpa, Marijan Murat

Vergewaltigung als weibliche Allzweckwaffe?

Von dem Vorwurf, eine frühere Freundin vergewaltigt zu haben, wurde Jörg Kachelmann vor über einem Jahr freigesprochen. Dieser Tage wird er ein Buch über den Prozess herausbringen. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ übten seine Frau Miriam und er schon jetzt harsche Kritik an der der Justiz, aber auch an der „Opferrolle“, die laut Spiegel ihrer Ansicht nach zu einer der schärfsten Waffen heutiger Frauen geworden sei.

Von Ursel Willimsky

Falschbeschuldigungen seien zu einem "Massenphänomen" geworden, mit denen man sich "sehr einfach an Chefs und Lebenspartner" rächen könne, wie es Ehefrau Miriam laut Spiegel formulierte. Zugleich stellte der Wetterexperte aber auch klar, dass er wirklich wolle, dass jeder Vergewaltiger hinter Gitter komme. "Die größte Gefahr für die echten Opfer sind in Wahrheit die vielen Falschanzeigen durch die kriminellen Rächerinnen aller Art, denn die untergraben die Glaubwürdigkeit der wirklichen Opfer", sagte Miriam Kachelmann. Es gebe eine "Opferindustrie, die in dieser kranken Form endlich weg muss."

Falschaussagen zu enttarnen und die Wahrheit herauszuarbeiten, zu klären, ob ein Vorwurf zutrifft oder nicht einen Prozess mit einem Freispruch oder einer Verurteilung enden zu lassen, aber auch einem Opfer Gerechtigkeit widerfahren lassen und Täter zu bestrafen - dies sind einige der schwierigen Aufgaben, denen sich Richterinnen und Richter täglich stellen müssen.

Im Jahr 2010 wurden laut Bundeskriminalamt 7.724 Fälle von Vergewaltigung oder Sexueller Nötigung angezeigt. Die Aufklärungsquote lag bei über 80 Prozent. Im selben Jahr kam es zu 1.597 Verurteilungen, wobei zwischen den beiden Zahlen kein direkter Zusammenhang besteht - das Jahr der Tat, beziehungsweise der Anzeige, ist nicht unbedingt das Jahr, in dem das Gerichtsurteil fiel.

Vergewaltigungs-Prozess: Das sagen Experten

Rudolf Egg von der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden umschreibt die generelle Problematik bei Vergewaltigungs-Prozessen so: "Wenn es zum Beispiel einen Freispruch mangels Beweisen gibt, weiß niemand außer den beiden, wie es tatsächlich war. Und für Frauen, die wissen, wie es tatsächlich war, ist so mancher Prozess wohl keine Ermutigung, selbst Anzeige zu erstatten." Wobei nach Erkenntnis des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen die Anzeigebereitschaft zugenommen hat und die Vergewaltigungszahlen de facto gesunken seien. Nach Meinung des Direktors des KFN liegt das vor allem an der geänderten Gesetzeslage, die sexuelle Gewalt durch den Ehemann unter Strafe stellt (meist kommt es im engeren sozialen Umfeld zu sexuellen Übergriffen).

Noch vor 20 Jahren habe, so Professor Dr. Christian Pfeiffer, ein Ehemann nahezu kein Anzeigerisiko gehabt. In einer bundesweiten Studie, die demnächst veröffentlicht wird, befragte sein Institut über 11 000 Menschen. Nach den ersten Auswertungen sehen die Wissenschaftler, dass es zu einem deutlichen Rückgang der Vergewaltigungen gekommen ist, vor 20 Jahren - bezogen auf die letzten 5 Jahre vor der Befragung - lag das Risiko zwischen 3 und 3,5 Prozent, heute bei 2 bis 2,5 Prozent. Knapp ein Fünftel der Opfer erstattet Anzeige.

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