Vergewaltiger freigesprochen: Opfer hat sich nicht genug gewehrt

Symbolbild, Vergewlatigung, Täter freigesprochen, Essen, Marl
© dpa, Julian Stratenschulte

Juristisch korrekt - menschlich verwerflich?

Wann ist eine Vergewaltigung eine Vergewaltigung? Vor dem Essener Landgericht wurde der 31-jährige Roy Z. von dem Vorwurf freigesprochen – unter anderem, weil sein damals 15-jähriges Opfer sich nicht genug gewehrt hat. Das Urteil ist laut Experten juristisch korrekt. Die Empörung in der Öffentlichkeit ist nach einem Bericht der ‚Hertener Allgemeine‘ groß.

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Der umstrittene Fall: Im Juli 2009 soll Roy Z. die damlas 15-jährige Nadine in seiner Wohnung in Marl vergewaltigt haben. Nach eigenen Angaben hatte er an dem Abend "zu viel getrunken und gekifft". Neben ihm und dem Mädchen waren noch seine Lebensgefährtin und eine Prostituierte in der Wohnung. Die beiden schickte Roy Z. nach Ansicht der Anklage später am Abend in den Keller. Danach soll es zu der Vergewaltigung gekommen sein. Nadine ließ sie nach eigenen Angaben über sich ergehen. Nur einmal habe sie "Nein, ich will das nicht" gesagt.

Nach Ansicht des Gericht zu wenig. "Wenn man unseren Rechtsstaat ernst nimmt, hätte das Gericht nicht anders urteilen können", sagt ihr Anwalt Dirk Brockpähler zu ‚Spiegel Online‘. Es habe keine geschlossenen Türen gegeben, eine Flucht wäre also theoretisch möglich gewesen. Zudem hätten die Hilfeschreie seiner Mandantin in dem Mehrfamilienhaus gehört werden können. Das Mädchen sei also nicht "schutzlos ausgeliefert" gewesen.