Vatikan zur 'Kultur der Frau': Schönheits-OPs sind die "Burka aus Fleisch"

Vatikan zur 'Kultur der Frau': Schönheits-OPs sind die "Burka aus Fleisch"
Schönheits-OPs richten sich gegen die weibliche Identität, so der päpstliche Kulturrat © carol_anne - Fotolia

Der Vatikan hat Frauen für sich entdeckt

Der Vatikan verurteilt Schönheits-OPs als "Burka aus Fleisch": Die Operationen würden Gesichter "amputieren". Komisch ist jedoch, dass in einer neuen Vatikan-Kampagne eine offenbar mehrfach operierte Schauspielerin für Frauenrechte wirbt. Will sich Papst Franziskus jetzt für die Frauen einsetzen?

Von Jutta Rogge-Strang

In diesem Jahr will sich der Vatikan auf die Frauen konzentrieren. Besser nicht, möchte man ausrufen! Die alten Herren dort hatten noch nie ein wirklich glückliches Händchen für Frauenthemen. Das ist auch bei der neuen Vatikan-Kampagne #lifeofwomen nicht anders. Im Vorfeld der Kampagne hat der päpstliche Kulturrat Schönheits-Operationen als "Burka aus Fleisch" bezeichnet: Schönheits-OPs "amputieren" die Gesichter von Frauen. Abstrus ist aber, dass in einem Werbefilm für die aktuelle '#lifeofwomen'-Kampagne des Vatikan die attraktive italienische Schauspielerin Nancy Brilli auftritt, der man ihre zahlreichen Schönheits-OPs geradezu ansieht.

Für die Kampagne #lifeofwomen sollen nun Frauen kurze Videos posten, die zu einem Film zusammengeschnitten werden. Die Italienerin Nancy Brilli fordert in einem Video dazu auf: "Wer bist du? Was tust du? Was denkst du über dich als Frau?" Schon in der Vergangenheit ist Nancy Brilli für das Recht von Frauen auf Schönheits-OPs eingetreten. Ein Recht, dass Nancy selbst offenbar ausgiebig genutzt hat - im Vatikan-Jargon trägt sie nun also eine Fleisch-Burka.

Nachdem es massive Kritik besonders an der englischen Video-Fassung gab, wurde dieses zurückgezogen. Was bleibt nun zu erwarten? Wie steht der Vatikan zu Frauen und ihren Rechten und Problemen? Niemand zweifelt daran, dass Papst Franziskus das Thema Frauen ernst nimmt: "Frauen können Fragen stellen, auf die wir Männer nicht kommen." Aber in der Vergangenheit hat sich der Papst mit seinen Äußerungen auch schon mehrmals in die Nesseln gesetzt.

Der Papst bewies kein Feingefühl für Frauenthemen

Papst Franziskus, stattliche 78 Jahre alt und Argentinier, hatte zum Beispiel Theologinnen als "Erdbeeren auf dem Kuchen" bezeichnet. Oder auf die Frage, wann denn eine Frau im Vatikan ein Büro leiten dürfe, scherzhaft geantwortet, viele Priester stünden doch bereits unter der Fuchtel ihrer Haushälterin. Das klingt nicht so, als würden Frauen richtig ernst genommen: Ein feines Gespür für Frauen und Frauenthemen sieht anders aus.

Aber was kann man von einer Organisationsstruktur erwarten, in der ausschließlich Männer das Sagen haben? Zwar sind vier Fünftel aller Ordensleute Frauen, zu melden haben sie allerdings wenig. Etwa 19 Prozent (rund 700) Frauen arbeiten im Vatikan, meist als Kunsthistorikerinnen, Archivarinnen oder Referentinnen. Eine Priesterinnenweihe wird es unter Papst Franziskus aber wohl nicht geben.

Für den Papst spielen gesellschaftspolitische Probleme, und dazu gehört die Stellung der Frau, eine eher untergeordnete Rolle. Franziskus ist gegen Abtreibung und Kondome, selbst wenn diese vor einer HIV-Infektion schützen könnten. Diese Einstellung trifft hauptsächlich die Frauen, die die daraus entstehenden Probleme mal wieder allein ausbaden müssen.

Die katholische Kirche ist Jahrtausende alt, da werden tiefgreifende Veränderungen nicht von heute auf morgen stattfinden. Vielen Kardinälen ist aber auch nicht daran gelegen: Sie haben es sich in ihrer exponierten Position gemütlich gemacht, fühlen sich wohl im Zölibat, haben sich arrangiert. Wer sollte sich da für die Frauen einsetzen? Und warum?

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