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Vaterliebe: Jungen brauchen liebevolle Väter!

Kindererziehung: Jungen brauchen liebevolle Väter
Kindererziehung: Jungen brauchen liebevolle Väter © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Jungen brauchen Vaterliebe

Sie brechen häufiger als Mädchen die Schule ab, neigen zu Gewalttaten, konsumieren öfter Drogen und exzessiv Alkohol: Jungen gelten als die Sorgenkinder unserer Zeit. Heute als Junge geboren zu werden, bedeutet auf dem Abstellgleis zu stehen – familiär und gesellschaftlich. Der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer fordert deshalb die Männer auf, sich mehr um ihre Söhne zu kümmern. Hat er Recht?

Von Merle Wuttke

Vor ein paar Jahrzehnten waren sie noch die kleinen Prinzen, die umsorgt und verhätschelt und ihren weiblichen Geschwistern vorgezogen wurden – heute dagegen wünschen sich Paare lieber ein Töchterchen als einen Sohn, und Schwangere werden schon mal bedauernd angeschaut, wenn sie einen Jungen erwarten. Denn ein Sohn bedeutet Arbeit. Jungs sind laut, anstrengend, fordernd – basteln und stundenlang mit dem Kuschelpferd im Zimmer spielen ist nicht so ihre Sache. Sie brauchen Platz, sie brauchen Auslauf, sie brauchen Grenzen, aber vor allem brauchen sie Halt, Unterstützung und Liebe, damit sie sich nicht in all ihrer Kraft und Energie verlieren. Und genau daran hapert es - in unserer Gesellschaft und in den Familien.

Computerspiele statt Gespräche

Denn: Sitzt der Sohn vor dem Computer oder daddelt auf dem Smartphone ist er ruhig. Stört nicht, will nichts, ist erst einmal beschäftigt. Und genau da liegt das Problem. Auch wenn sie es vielleicht nicht so offen zeigen wie Mädchen – auch Jungs brauchen echte emotionale Ansprache, wollen mit den Eltern reden, möchten sich mitteilen oder einfach mal in den Arm genommen werden. Und weil sie es nicht immer schaffen zu zeigen, wenn sie Hilfe brauchen oder sich einfach nicht trauen zu fragen, sind die Eltern in der Pflicht, regelmäßig den Kontakt zu ihnen suchen - besonders die Väter. Denn die kümmerten sich viel zu wenig um ihre Söhne, so der Kriminologe Christian Pfeiffer. Doch sind gerade die Väter in der Pflicht ihren Kindern ein Vorbild zu sein, sie müssen ihnen ein modernes Männerbild vermitteln, sie für die aktuelle Zeit wappnen, in der sich Männer mit eben so gut oder besser ausgebildeten Frauen in Ausbildung, Studium und Job messen müssen. Doch statt für ihre Jungs da zu sein, spricht Pfeiffer von Vätern, die zu „Zwei Drittel emotionale Krüppel sind, gepanzerte Männer, die ihre Jungen nicht in den Arm nehmen oder loben können“. Vielleicht liegt es daran, dass die Männer von heute selbst orientierungslos sind, was die eigene Männlichkeit angeht, vielleicht sind sie auch einfach nur zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder haben einfach immer noch nicht verstanden, über ihre Gefühle, über die Art wie sie leben wollen, nachzudenken und zu sprechen. Auf jeden Fall ist es an der Zeit, dass sie diese Dinge lernen. Wenn nicht um ihrer selbst willen, dann wegen ihrer Söhne. Die können schließlich nichts dafür, dass sie als Jungs zur Welt gekommen sind.

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