FAMILIE FAMILIE

Vater werden: Wie verändert ein Kind einen Mann?

Wie verändert ein Kind einen Mann?
Vater werden: Wie verändert ein Kind einen Mann?

Wenn Männer Väter werden

Dass die meisten Frauen beim Anblick von Babys weich werden, kennt man ja. Diese kleinen Füßchen, die zarte Haut, der unverwechselbare Geruch, die Hilflosigkeit – eine ziemlich unwiderstehliche Kombi. Männer, oft, diejenigen unter ihnen, die nach außen gern den harten Macker markieren, zeigen sich dagegen häufig weniger anfällig für das Kindchenschema. Oder tun die nur so?

Von Merle Wuttke

Ausnahme: Robbie Williams. Der gab schon während der Schwangerschaft von seiner Frau Ayda zu, dass er, seitdem er erfahren hatte, dass er Vater würde, näher am Wasser gebaut sei. Und bei der Geburt von der kleinen Theodora Rose sind dann auch garantiert ein paar Tränchen beim berühmten Papi geflossen. Überhaupt, scheint das Baby den wilden Robbie verändert zu haben – stolz und zärtlich präsentierte er sich auf den ersten Fotos mit Nachwuchs.

Eigentlich auch wurscht, welchen Promi-Vater oder die, die es bald werden, man nimmt: ob Bushido, Kanye West oder aktuell Sido – sie alle scheinen sich aufgrund der neuen Verantwortung zu verändern. Statt Gangsta-Rap gibt es nun Geburtsvorbereitungskurs.

Und beim Rest der Welt? Wie verändert sich der „normale Mann“, wenn er erfährt, dass er Papa wird? Wird aus dem freiheitsliebenden Abenteurer auf einmal ein sorgenvolles Vatertier? Erkundigt sich der Mann, der normalerweise nur Bier, Softdrinks und Hartwürste einkauft, plötzlich auf dem Wochenmarkt nach Bio-Gemüse und Eiern von glücklichen Hühnern? Checkt er statt der besten Flachbildschirme nun lieber, ob laut Stiftung Warentest auch keine Giftstoffe im Kinderkleiderschrank zu finden sind? Ja, und – nein. Oder anders gesagt, kommt auf den Mann an. Und darauf, ob er Vater und somit endgültig erwachsen werden will.

Vater werden - Kinder verändern Männer

Denn genau das bedeutet es, ein Baby zu haben: erwachsen zu sein, Verantwortung zu übernehmen, für andere einzustehen. Manche Männer überfordert das, auch noch mit Ende 30 oder Anfang 40. Das sind diese Typen, die meinen, wenn sie nur so lange wie möglich in WGs wohnen oder Baggy-Jeans tragen, merkt keiner, wie alt sie wirklich sind. Solche Männer freuen sich oft erst überschwänglich übers Kind, flüchten aber auch übermäßig schnell – sobald sich der Baby-Zauber der ersten Wochen verflüchtigt hat und Alltag einkehrt.

Windeln wechseln, nachts dreimal aufstehen, morgens früh raus, keine freien Wochenende – ne, das ist dann doch zu viel des Guten. Viel zu wenig Freiheit. Solche Männer wollen im Prinzip gar nichts an sich verändern, und wer sich auf sie einlässt, muss darauf gefasst sein, bald allein mit dem Baby dazu stehen.

Dann gibt es natürlich noch die anderen. Die, die sich vielleicht nie so richtig vorstellen konnten, Papa zu sein und für die es auf einmal nichts Besseres gibt. Diejenigen, die ein Kind erst zum Mann macht. Weil sie merken, dass ein Mann eben nicht seine Männlichkeit verliert, wenn er der Kinderwagen schiebt oder das Fläschchen gibt. Weil sie merken, dass es mehr Spaß macht, mit den eigenen Kindern zu bolzen, statt mit den Kumpels Fußball zu gucken.

Und weil sie feststellen, dass sie in ihrem Herzen viel mehr und ganz neue Gefühle haben, als die, die sie bislang kannten – und dass sie diese Gefühle gern zeigen dürfen – weil sie, sie erst zu einem kompletten Menschen machen. Reif, erwachsen, glücklich.

Anzeige