Vater-Sein 2014: Zwischen Familie und Beruf gespalten

Vater-Sein 2014: Zwischen Familie und Beruf gespalten

Balance zwischen Kind und Familie lässt Väter verzweifeln

Arme Väter: Noch nie fühlten sie sich so überfordert wie heute. Der Grund: ihre eigenen Ansprüche! Die quälende Frage „Kind oder Karriere?“, die doch die Frauen so oft beschäftigt, beantworten Männer nämlich brutal mit: „Beides!“ Der moderne Papa setzt sich hohe Ziele: Er will ein perfekter, liebevoller Vater sein und gleichzeitig ein guter Ernährer der Familie! Kann es sein, dass sich die Väter dabei paradoxerweise selbst im Weg stehen? In einer Studie der Zeitschrift „Eltern“ geben die Väter unfreiwillig entlarvende Antworten.

Vom Dagmar Baumgarten

Fangen wir doch mal ganz am Anfang an: bei der Geburt. Da ist es bei den jungen Vätern mittlerweile fast selbstverständlich, dass die Männer im Kreißsaal dabei sind. Das Klischee, dass sie dabei beim ersten Blutstropfen bleich auf die Fliesen klatschen und dem Ärzteteam mehr Stress machen, als die gebärende Mutter, ist wohl auch vom Tisch. Denn

die große Mehrheit der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragten Väter, nämlich 71 % sagt: „das war für mich ein sehr schönes Erlebnis!“

Wenn das Baby dann zu Hause ist, kann man die erste Zeit wohl so zusammenfassen: Weniger Sex, mehr Streit! Hört sich eigentlich Horror an, ist es für die Männer aber wohl gar nicht. Denn für sie ist das überwiegende Grundgefühl: „Mein Leben ist glücklicher und erfüllter geworden!“. Das kreuzten die Männer nämlich genauso häufig an, wie die Antwort „Meine Partnerin und ich haben weniger Sex miteinander als früher“ (58 % bzw 57 %).

Kinder machen Männer happy. Kein Wunder, dass sie mehr Zeit mit ihnen verbringen wollen. Fast die Hälfte sagt allerdings, dass sie bei dem Versuch scheitern, eine gute Balance zwischen Kind und Karriere zu schaffen. Was immer mehr Politikern in hohen Ämtern zumindest als Lippenbekenntnis gelingt, nämlich mehr Zeit für die Familie zu haben, scheint dem einfachen Wähler nicht vergönnt. Denn zum naheliegenden Schritt, nämlich einer Teilzeitstelle können sich die wenigsten durchringen. 90 Prozent der Väter halten an ihrer Vollzeitstelle fest.

Bedeutet Elternzeit das Aus für die Karriere?

Woran liegt es? Etwa an den bösen kinderfeindlichen Chefs? Nein, denn beim Nachfragen geben die Männer zu, dass es die theoretische Möglichkeit von Teilzeitmodellen in ihrem Betrieb durchaus gibt. Sie nutzen sie aber nicht. Obwohl sie gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden.

Der Hauptgrund dürfte vor allem das immer noch tief sitzende, alte Rollenverständnis sein, dass der Vater auch der Versorger der Familie ist. Apropos alte Rollenverständnisse - das spiegelt sich auch beim Thema Hausarbeit wieder. Denn auch wenn die Mütter arbeiten gehen, sind sie bei der Hausarbeit zum größten Teil immer noch alleine. Gerade mal 38 % der Männer gaben an, dass sie sich maßgeblich an der anfallenden Hausarbeit beteiligen.

Noch eins zeigt die Studie: Es sind eben doch nicht alle Männer gleich. Die Männer aus dem Osten packen nicht nur wesentlich häufiger im Haushalt mit an, als die Männer aus dem Westen. Sie nehmen auch fast doppelt so häufig die Elternzeit in Anspruch wie die West-Väter.

Was also ist das Fazit der Väterstudie 2014?

Dass die armen Männer extrem zerrissen sind. Einerseits ist ihnen die Zeit mit ihrem Nachwuchs viel wichtiger als früher. Dadurch nagt das schlechte Gewissen aber auch viel kräftiger an ihnen, wenn die Überstunden wieder mal das „ich erzähle Dir eine Gute Nacht- Geschichte“- Ritual zerschlagen.

Trotzdem wollen die Väter im Beruf aber auch nicht kürzer treten. Aus Angst, dass sie dann ihrer Karriere schaden. Und damit dann irgendwie auch wieder schlechte Väter sind, weil sie ihrem anspruchsvollen Sprössling eventuell zu wenig bieten können.

Dabei können wir den Vätern Mut machen. Nicht nur weil mittlerweile auch Minister mehr Zeit für die Familie nehmen, bedeutet heutzutage Teilzeit nicht unbedingt Talfahrt für die Karriere. Und die Männer, die die Elternzeit genommen haben, bestätigen mit großer Mehrheit, dass es ein absoluter Gewinn für ihre Lebensqualität war. Eine wichtige Zeit mit ihrem Kind, die sie nie mehr missen möchten. Und dass es gleichzeitig eine hohe Akzeptanz von Kollegen und auch Chefs gibt.

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