Valentinstag: Warum wir den Tag der Liebe doch brauchen

Valentinstag: Warum wir den Tag der Liebe doch brauchen
Birgit Ehrenberg erklärt, warum der Valentinstag doch eine gute Sache ist - und nicht nur Konsumzwang.

Aufmerksamkeit zum Valentinstag schenken

Heute muss ich ein Geständnis ablegen. Seit vielen Jahren predige ich, dass ich den Valentinstag überflüssig finde. Ich habe sogar dringend davon abgeraten, sich etwas zu schenken. Weil das eine doofe Vorgabe von Geschäftemachern ist, die uns weismachen wollen, dass wir Pralinen und andere Geschenke kaufen sollen, damit der von uns geliebte Mensch weiß: Ich werde geliebt. Yippie. Dabei geht es nur um Kohle.

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Ich bin nun noch einmal in mich gegangen und zu folgender Erkenntnis gelangt: Alle Menschen träumen von der einen großen Liebe. Die wenigsten finden sie. Vielleicht suchen viele an falschen Orten, zur falschen Zeit den falschen Menschen und das falsche Gefühl. Erkennen die Liebe nicht, wenn sie ihnen begegnet, weil die Liebe die verschiedensten Gesichter hat. Jedes für sich großartig und schillernd, keines mit dem anderen vergleichbar. Die erste Liebe findet allerdings fast jeder. In seiner Jugend. Die erste Liebe kommt laut daher, brennt sich ins Herz, ist die leidenschaftlichste Liebesform. Meistens wirft man in der Phase mit Geschenken nur so um sich.

Es folgt die Liebe unter wirklich Erwachsenen mit den ganzen Kompromissen, die man in der Unbedingtheit seiner Jugend verachtet hat. Das ist am Schwierigsten, diese Art der Liebe zu verstehen, denn sie ist nicht Ausdruck eines gewaltigen "weil", sondern eher ein leises "dennoch". Ich liebe Dich trotz Deiner Schwächen. Auf diese Weise funktioniert auch die christliche Liebe, die Nächstenliebe, sie ist das ewige Vorbild für das Prinzip, das eine Ehe oder eine lange Beziehung bestimmt, und deren Wert erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Beständigkeit der Gefühle. Krisenfestigkeit, Kompromisse.

Deshalb ist diese Langzeit-Liebe besonders abhängig von Zeichen, von Taten, von ihrer Widerspiegelung im Alltag. Sie kriegt neue Energie, wenn man sich auch laut werden lässt. Indem man sie zum Beispiel in einem Geschenk ausdrückt.

Valentinstag: Geschenk ist nicht gleich Geschenk

Das sind Momente des Innehaltens, wo die Liebenden einander spüren, sich hören, statt an einander vorbeizurauschen. Jede Liebe braucht diese Aufmerksamkeit. Und wenn es in der Liebe ruhiger wird, wird es eben meistens auch mit den Geschenken ruhig. Das geht vor allem die Männer an. Frauen sind, was Geschenke angeht, rührig. Männer kriegen oft etwas geschenkt. Aber wir Frauen zu selten.

Deshalb brauchen wir den Valentinstag doch. Der Valentinstag ist ein magischer Moment im Alltag, wo Männer und Frauen auf der ganzen Welt innehalten. Sie wenden sich ihrem Partner zu, nehmen ihn wahr, bedenken, was er ihnen gibt. Und marschieren los und kaufen etwas. Das ist nicht nur doofer Konsumzwang. Das hat auch was Schönes. Ich gebe es zu.

Zu verdanken haben wir diesen Tag des Gedenkens der Liebe, dem heiligen Valentin, einem Mann, der im dritten Jahrhundert nach Christus für die Liebe anderer sein Leben riskierte und schließlich verlor. In seiner Funktion als Bischof traute er heimlich Soldaten und ihre Mädchen, denen Kaiser Claudius II. auf Grund ihrer Armut seinen Segen verwehrte. Das ist doch alles unglaublich romantisch. Oder? Wie konnte ich je gegen den Valentinstag sein?

Seht zu, dass Eure Kerle diesen Text lesen und Euch etwas Hübsches schenken!

Eure Birgit