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Vaginaler Orgasmus: Laut Sex-Studie nur eine Erfindung!

Ist der vaginale Orgasmus eine Erfindung?
Ist der vaginale Orgasmus eine Erfindung? Italienische 'Sexologen' räumen mit Orgasmus-Mythen auf.

Das Märchen vom vaginalen Orgasmus

Klitoral, vaginal - völlig egal. Endlich hatte mal jemand die Idee, dem Kind einen Namen zu geben, der fast alle befriedigen dürfte: Der Höhepunkt soll fortan schlicht und einfach "weiblicher Orgasmus" heißen. So fordert es ein italienisches Autorenpaar in der Fachzeitschrift 'Clinical Anatomy'. Und räumt auch gleich noch mit ein paar Mythen auf: Der vaginale Orgasmus sei pure Erfindung - anatomisch gar nicht möglich. Und nach dem G-Punkt könne man auch lange suchen … Wer bisher also mit sich haderte und glaubte, dass sie in Sachen Sex einen Makel hat: entspannen, bitte!

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Von Ursula Willimsky

Bei rein penetrativem Sex kommen nämlich weltweit die wenigsten Frauen zum Höhepunkt. Da braucht es mehr. Laut Forscherpaar vor allem mehr anregende Beschäftigung mit der Klitoris und ihrer Nachbarregionen. Aber dann könne jede Frau kommen, so versprechen es die Sexologen (ihre selbstgewählte Eigenbezeichnung).

Auf den ersten Blick klingt das alles sehr schön: Die beiden stellen klar, dass bisher viele, viele Frauen fälschlicherweise glaubten, dass "mit ihnen etwas nicht stimmt". Sie trugen das Etikett der "sexuellen Störung", obwohl sie eigentlich überhaupt keine Probleme haben. Wo es keinen vaginalen Orgasmus gibt, muss sich auch niemand Sorgen machen, dass es da noch eine Dimension der Erfüllung geben könnte, die man unbedingt entdecken muss.

Spaß am Sex ist mehr als nur die Beschäftigung mit Schwellkörpern

Auf den zweiten Blick gibt es aber etwas, was uns an der Studie stört: Die Autoren blenden aus, dass es Frauen gibt, die zu keinem Orgasmus kommen. Durch ihre markige 'Wenn's-mit-der-Klitoris-richtig-gemacht-wird-klappt's-bei-jeder'-These stellen sie eigentlich schon wieder ein neues Postulat auf. Sie ersetzen einfach nur die Vagina durch die Klitoris. Und andererseits: Ist es wirklich so, dass nur die Stimulation von Klitoris und Co. funktioniert? Immerhin gibt es ja Frauen, die einen vaginalen Orgasmus erlebt haben. Und es gibt auch Frauen, die auf ganz andere Art zum Höhepunkt kommen: Durch Streicheln anderer erogener Zonen zum Beispiel. Oder einfach nur durch die Kraft ihrer Phantasien.

Die italienischen Experten stützen ihre Erkenntnisse auf anatomische Betrachtungen. Ihre Studie reduziert die Facetten der weiblichen Sexualität auf eine fast schon mechanisch anmutende Variante. Natürlich stimmt es, dass weibliche Klitoris und männlicher Penis im Grunde recht ähnlich funktionieren. Sie sind ja auch aus derselben Gewebeart. Aber: Spaß am Sex ist doch mehr als nur die Beschäftigung mit irgendwelchen Schwellkörpern im Genitalbereich! Da spielen noch ganz andere Dinge eine Rolle: Hormone, Vorlieben, Sehnsucht nach Romantik, Kuschelbedürfnis, das ganze Programm eben.

Einige Forscher - und vermutlich auch einige Frauen - sind ohnehin davon überzeugt, dass der weibliche Orgasmus vor allem in Gehirn stattfindet. Empfunden werden kann er dann in verschiedenen Körperregionen. Und auf ganz verschiedene Weisen. So gesehen ist eigentlich egal, ob diese Körperregionen jetzt klitoral, vaginal oder zerebral. Wir nennen das ganze Spiel ab jetzt einfach weibliche Lust.