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US-Studie: Wer in der Jugend wenige Freunde hatte, ist heute besser dran!

Freundesgruppe
Die Beliebtheit im Teenageralter macht später unglücklich. © iStockphoto

Heute beliebt, morgen ein Loser?

Müssen sich Teenager, die besonders beliebt sind, Sorgen um ihre Zukunft machen? Schenkt man der Studie des 'National Institute of Child Health and Human Development' in den USA Glauben, dann besteht tatsächlich Anlass zur Sorge, denn die Soziologen fanden heraus: Wer als Heranwachsender ein Star auf dem Schulhof war, wer auf jede Party eingeladen wurde, da er extrem populär war, hat in späteren Jahren häufig mit Problemen zu kämpfen, mit Ängsten und sogar mit Depressionen. Wie soll das möglich sein?

Viele Freundschaften in der Kindheit - mehr Schein als sein?

Von Christiane Mitatselis

Für die Studie begleiteten die Forscher 169 Jugendliche unterschiedlicher Herkunft vom 15. bis zum 25. Lebensjahr. Das Ergebnis: Die Teenager, die wenige, aber intensive Freundschaften pflegten, waren als junge Erwachsene deutlich glücklicher als diejenigen, die sich früher vor Freunden kaum retten konnten.

Ein Erklärungsansatz der US-Soziologen: Enge Freundschaften beeinflussen das Selbstbild und die Persönlichkeitsentwicklung positiv. Dieser Gedanke beinhaltet auf der anderen Seite, dass die populären Teenager zwar viele Bekannte, aber keine echten Freunde haben, dass ihre Beziehungen also nur oberflächlich sind. Es wäre demnach der Preis der frühen Beliebtheit, später unglücklich zu werden. Denn laut der Studie kommt es so gut wie nie vor, dass die Teenager-Stars enge Freundschaften pflegen.

Große Beliebtheit adé?

Sollte man das glauben? Es könnte etwas dran sein an dieser These. Und zwar aus folgenden Gründen: Große Popularität fördert zwar sicher auch ein positives Selbstbild. Doch was passiert, wenn die Schule vorbei ist, man im Berufsleben steht – und plötzlich andere Dinge gefragt sind als Coolness und originelle Sprüche? Wenn man nicht mehr eine Party nach der anderen feiert, sondern sich zum Beispiel durch Dinge wie Fleiß und Beharrlichkeit auszeichnen muss?

In einem neuen Lebensabschnitt können sich viele Dinge verschieben. Wer es nicht gewohnt ist, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und zu kämpfen, weil ihm früher immer alles zugeflogen ist, der tut sich schwerer als jemand, für den das Leben nicht immer nur ein Spiel war. Außerdem ist es Letzterer gewohnt, mit Freunden über Probleme zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Wer keine Freunde hat, muss Schwierigkeiten dagegen allein durchstehen.

Es ist aber sicher nicht alles vorbei. Die Studie erforschte die jungen Menschen bis zu einem Alter von 25 Jahren, in dem das Erwachsenenleben erst richtig beginnt. Es bleibt viel Zeit, an sich zu arbeiten, sich echte Freunde zu suchen – und die Probleme zu überwinden.

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