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Urtikaria: Wenn der Körper allergisch auf Schweiß reagiert

Juckender Ausschlag: Wenn der Körper allergisch auf Schweiß reagiert
Links ist Julie zu sehen, als sie noch gesund war. Rechts leidet sie stark unter dem juckenden Ausschlag, © (c) JULIE REID

"Ich war so schön und nun sehe ich aus wie ein Monster"

Julies Körper ist übersät von roten Flecken - eine allergische Reaktion. Aber es ist nicht etwa auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder gar Pollen zurückzuführen. Ihr Körper ist tatsächlich gegen seinen eigenen Schweiß allergisch. Was dann passiert schränkt ihr Leben sehr stark ein: Sie leidet unter starkem, juckendem Ausschlag.

Julie Reid ist 28 Jahre jung, war immer eine sehr sportlich aktive junge Frau. Sie war Gymnastik- und Tanzlehrerin. Sport und Schwitzen gehörten zu ihrem Alltag. Bis bei ihr eine Krankheit auftritt, die sich 'cholinergischer Urtikaria' schimpft. Dabei handelt es sich um eine Art Nesselsucht. Diese Krankheit ist auch als 'Schwitz-Urtikaria' oder 'Wärmereflexurtikaria' bekannt. Dabei reagiert die Haut allergisch auf Stress und Hitze. Sie tritt vor allem bei jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren aus. Laut einer Studie der Freien Universität Berlin leidet mehr als jeder Zehnte 15- bis 35-jährige daran. Erhöht sich die Körpertemperatur, bilden sich Rötungen, wie Julie auf ihrem Blog verrät: "Es juckt wie verrückt, ich kratze mir meine Haut blutig". Die Symptome können dabei sechs Wochen oder auch Jahre bleiben.

Dadurch, dass sie keinen Sport und damit keinen Beruf mehr ausüben kann, nahm sie bereits über 50 Kilo zu, was sie nur noch unzufriedener und depressiver stimmt: "Ich war so schön und nun sehe ich aus wie ein Monster". Oft sei es so schlimm, dass sie nur im Bett bleiben und weinen möchte.

"Du merkst gar nicht, wie viel dein Körper schwitzt, bis du allergisch dagegen bist"

Juckender Ausschlag: Wenn der Körper allergisch auf Schweiß reagiert
Julies Haut ist von starkem Ausschlag betroffen © (c) JULIE REID

Auf ihrem Blog versucht sie anderen Menschen ihr Leiden verständlich zu machen und Spenden für ihre medizinische Behandlung zu sammeln. Sie schreibt unter anderem: "Und du denkst, ach halb so wild, aber du merkst gar nicht, wie viel dein Körper schwitzt, bis du allergisch dagegen bist." Zu ihrer misslichen Lage kommt, dass die junge Frau aus Florida in den USA nicht krankenversichert ist. Das bedeutet eine zusätzliche finanzielle Belastung für sie.

Julie beantragte Invalidenleistung bei der Sozialversicherung, doch auch die wurden ihr verwehrt. "Der Richter beurteilte, dass 'dies nicht meinen Alltag betrifft'", gibt sie auf ihrem Blog preis. Außerdem schreibt sie, es betreffe nicht nur ihren Alltag, es zerstöre ihn regelrecht.

Eine Verbesserung ihrer Verfassung kann beispielsweise durch die Behandlung der Symptome geschehen. Antihistamine (Allergie-Medikamente) verhindert, dass sich Quaddel bilden und lindert die Beschwerden. Die Zufuhr von Antihistaminen könnte Julie sogar ermöglichen, dass sie wieder Sport treiben kann.

In Deutschland können sich Betroffene unter www.urtikaria.net umfassend informieren. Auch die Berliner Charité ist darauf spezialisiert.

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