Ursula von der Leyen: Starke Frau, starke Ministerin?

Ursula von der Leyen: Starke Frau, starke Ministerin?
© dpa, Maurizio Gambarini

Können Sie denn alles, Frau von der Leyen?

Ursula von der Leyen ist die erste Frau an der Spitze der Bundeswehr. Kaum zur Verteidigungsministerin berufen, wird sie überall als „Mutter der Kompanie“ tituliert. Die CDU-Politikerin übernimmt ein schwieriges Amt mit Tücken. Es ist aber auch eine Karrierechance für die Frau, die eines Tages Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel werden könnte.

Von Christiane Mitatselis

In ersten Interviews, die Ursula von der Leyen (55) nach ihrer Ernennung zur Verteidigungs-Ministerin gab, räumte sie ein, sie habe „Mordsrespekt“ vor der neuen Aufgabe. Sie wisse aber auch, wie sie die noch unbekannte Sache angehen müsse. Denn schließlich ist es bereits ihr drittes Ministerium nach dem Familienressort und dem Ministerium für Arbeit und Soziales.

Das heißt: Von der Leyen wird sich, wie sie es gewohnt ist, von kompetenten Mitarbeitern beraten lassen und sich dann ihre eigenen Urteile bilden. Die CDU-Politikerin hat schon eine Vision: Sie will die Bundeswehr familienfreundlicher und als Arbeitgeber attraktiver machen.

Hört sich gut an, aber natürlich weiß von der Leyen, dass sie sich auf schwieriges Terrain begibt. Ihre beiden Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg und Thomas de Maizière hatten als Oberbefehlshaber des Heeres jeweils keine glückliche Hand. Gorch-Fock-Affäre oder Drohnen-Desaster sind nur zwei Stichworte. Und man erinnert sich noch gut an die unglückliche Figur, die einst Rudolf Scharping („Bin Baden“) als Verteidigungsminister abgab.

Hier ein Tipp: Von der Leyen wird es besser machen. ‚Scheitern‘ ist ein Begriff, der in der Karriere der Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht nicht auftaucht. Die nur 1,60-cm-große, zierliche Frau mit dem telegenen Lächeln ist Ärztin, dem Anschein nach glücklich verheiratet mit dem Mediziner Heiko von der Leyen, der wie Angela Merkels Gatte Joachim Sauer keine Interviews gibt. Sie hat sieben Kinder (zwei Söhne, fünf Töchter), stieg im Alter von 32 Jahren in die Politik ein und gelangte über die niedersächsische Landespolitik in Merkels Kabinett.

Dort sorgte sie bald für Aufruhr. Als Familienministerin führte sie 2007 das Elterngeld ein, außerdem machte sie sich für den Ausbau der Krippenplätze stark. Konservative in der eigenen Partei und der CSU warfen ihr vor, sie entferne sich vom traditionellen Familienbild – oder anders ausgedrückt: Sie erschien manch einem alten Herrn als zu modern. Von der Leyen ist zudem eine überzeugte Anhängerin der Frauenquote, auch damit machte sie sich in der Union Feinde.

Von der Leyen als Nachfolgerin von Merkel?

Dass die Politikerin sich in ihrem neuen Ministerium ebenfalls für die Familien engagieren will, liegt auf der Hand. Sie weiß, wie schwer es berufstätige Eltern haben. Ohne Tagesmutter, Haushaltshilfe und die Unterstützung ihres Mannes hätte sie ihre Karriere nicht machen können, sagte sie einmal. Andererseits wundere sie sich, erklärte sie an anderer Stelle, dass immer nur Frauen - und nie die Männer - gefragt würden, wie sie Arbeit und Kinder und einen Hut bekämen.

Als Verteidigungs-Ministerin wird von der Leyen sich erstmals auf internationalem Boden bewegen. Aber auch das sollte für sie kein Problem sein. Sie wurde in Brüssel geboren, hat in London studiert und in den USA gearbeitet; sie spricht also Französisch und Englisch perfekt.

Überhaupt scheint es nichts zu geben, das Ursula von der Leyen nicht kann. Es verwundert nicht, dass viele Beobachter in ihr die natürliche Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Merkel sehen.

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