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Unterwürfigkeit: Darum sollten Frauen sich nicht "dumm stellen"

Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg

Mit schweigender Unterwürfigkeit ins Glück?

Ich setze mich wirklich gern und gewissenhaft mit dem auseinander, was andere Liebes-Experten zu sagen haben. Gerade die Beschäftigung mit den Ideen meiner Kollegen beflügelt mich. Man kommt im Nachdenken über die Liebe gemeinsam einfach viel weiter, das gilt auch, wenn Kollegen gelegentlich ziemlichen Unsinn verzapfen. Der Unsinn ist immer irgendwie produktiv, denn ein Körnchen Erkenntnis ist in der Regel vorhanden. Und es lässt sich dann trefflich darüber streiten, wer Recht hat, daraus erwächst wiederum die eine oder andere zündende neue Idee.

Bisweilen mischen sich Laien in das Gespräch über die Liebe ein, und das ist ebenfalls eine große Bereicherung, denn der Nicht-Experte hat oft richtig tolle Einfälle, was die Liebestheorie und ihre Umsetzung in die Praxis angeht. Wenn es sich bei den Laien um Promis handelt, muss ich meistens zwei Augen zudrücken. Promis machen sich eben gern wichtig, reden oft um den heißen Brei herum, außerdem sagen sie selten die Wahrheit über ihr Liebesleben, wobei das wirklich spannend wäre. Die Promi-Äußerungen über Liebe versickern in der Regel schnell, stören aber auch nicht weiter. Manchmal sagt ein Promi etwas echt Weises, das sind wahre Perlen, die ich sehr schätze.

Selten - aber noch zu häufig - erreichen mich von der Promi-Seite her Wortmeldungen, die sind derart peinlich, dass sie in mir und in den Medien für Tumulte sorgen. Zum Beispiel jenes Statement von Gwyneth Paltrow, die neulich in einem Interview munter behauptete, dass man die Harmonie in einer Beziehung wesentlich fördern könne, indem man sein geistiges Licht als Frau unter den Scheffel stellt, sich klein macht und "dumm-mädchenhaft" gibt - und aus dieser Befindlichkeit heraus seinem Partner regelmäßig gewisse Praktiken gewährt. Das sorgt dann für eine friedliche Beziehung. Das Motto ist: Mit schweigender Unterwürfigkeit ins Glück.

Wer Köpfchen hat, liebt besser

Nun muss ich dieses Gerede erst einmal analysieren, da reiht sich ja eine unqualifizierte Aussage an die nächste. Wieso setzt Frau Paltrow Mädchenhaftigkeit mit debiler Unterordnung gleich? Das ist doch kein Gegensatzpaar! Moderne Mädchen verfügen über viel Verstand.

Und: Ein weibliches Wesen hat durchaus diverse Facetten, die eine mag die mütterliche sein, die befähigt, auf reife Art und Weise zu lieben, die andere mag die mädchenhafte sein, die naive Art und Weise, aus ihr speist sich wohl eine eher verspielte Art zu lieben, eine gewisse Koketterie.

Wieso die mädchenhafte Liebe jedoch im „Klein-Doofi-Modus“ tickt, wie Frau Paltrow es darstellt, das entzieht sich meiner Vorstellung. Da fallen mir nur die schlimmsten frauenfeindlichen Interpretationen ein. Etwa, dass man dumm sein muss, um erotische Finesse zu haben, dieses Gerücht ist nicht auszurotten.

Ich dachte aber, es kursiert unter Männern, unter dummen Männern. In Wahrheit ist nämlich auch die körperliche Liebe eine Kunst, und wer Köpfchen hat, ist darin um Längen besser als der geistlose Mensch, das bezieht sich auf beide Geschlechter.

Nun, es sieht ganz so aus, als sei die Liebestheorie von Frau Paltrow mit der daraus folgenden Anweisung für das Liebesleben genau die leere Blase, die die Welt eben nicht braucht.

Ich habe auf jeden Fall meine Pflicht als Liebesexpertin erfüllt, ich habe mich mich mit dem Geschwätz von Frau Paltrow auseinandergesetzt. Ich kann und darf ihr den Rang einer Liebesexpertin mit Entschiedenheit absprechen, sie nervt. Auch als kundiger Laie taugt sie nichts. Als Promi, der seinen Senf zur Liebe gibt, ist sie ebenfalls eine totale Niete.

Vielleicht sollte die Dame einfach ihre Rübe vor die Kamera halten und schweigen. Schweigend ins Glück, das ist schließlich das von ihr postulierte Ideal.

Liebe Grüße, Eure Birgit

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