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Unterschätzte Gefahr: Erfrierung und Unterkühlung

So gefährlich ist extreme Kälte für unseren Körper
Erfrierungen: Füße in engen Schuhe sind besonders gefährdet © dpa, Z1022 Patrick Pleul

Füße in engen Schuhe sind besonders gefährdet

Wenn Sie glauben, Kälte könne erst bei Minusgraden gefährlich werden, irren Sie sich: Auch wenn das Thermometer noch im Plus-Bereich ist, können Nässe und Wind am Körper Frost erzeugen. Besonders gefährdet sind Füße in engen Schuhen.

Wenn Wasser verdunstet, kühlt sich die Umgebung ab. Dieser Effekt bedroht besonders Nasen, Ohren, Hände und Füße. Wenn die Füße in engen, dünnen Schuhen stecken ist die Durchblutung, die auch Wärme in die Extremitäten befördert, bereits behindert. Das sorgt dafür, dass der Fuß weniger spürt. Der Schmerz, der vor Erfrierungen warnen soll, wird weniger empfunden. Durch dünne Schuhe und Nylonstrümpfe dringt die Kälte außerdem viel schneller und stärker durch.

Was passiert bei Erfrierungen? Ist der Körper so großer Kälte ausgesetzt, dass die körpereigene Wärmeerzeugung nicht mehr ausreicht, konzentriert er die Wärme auf die lebenswichtigen Bereiche. Der Blutfluss in Armen und Beinen und auch zur Hautoberfläche des Gesichts wird gedrosselt. Bevor es zu Erfrierungen kommt, beginnen die betroffenen Stellen zu schmerzen.

Im Unterschied zu einer Erfrierung, die einen einzelnen Körperteil betreffen kann, wirkt sich die Unterkühlung auf den gesamten Körper aus. Dabei sinkt die Körpertemperatur erheblich ab. Der Körper versucht durch Muskelzittern die Wärmeproduktion zu erhöhen. Bei einer schweren Unterkühlung besteht Lebensgefahr. Eine Körpertemperatur von rund 33 Grad führt bereits zu Bewusstseinsstörungen. Ab 30 Grad verlangsamen sich Puls und Atmung, es droht Bewusstlosigkeit. Temperaturen ab 27 Grad können tödlich enden. Es besteht die Gefahr von Atem- und Kreislaufstillstand. Deshalb muss eine Unterkühlung immer vor einer Erfrierung behandelt werden: den Betroffenen mit Decken wärmen und unbedingt den Notarzt rufen.

So lange es wehtut, ist noch alles in Ordnung

So lange es wehtut, ist noch alles in Ordnung. Hört der Schmerz allerdings auf und die Haut wird blass und gefühllos, wird es ernst: Sie haben eine Erfrierung 1. Grades.

Da diese leichteste Form der Erfrierung nur die Oberhaut betrifft, hinterlässt sie keine bleibenden Schäden. Zurück im Warmen, rötet sich die Haut und beginnt zu jucken.

Dringt die Kälte aber tiefer ein, kommt es zu Erfrierungen 2. Grades. Auch noch einige Zeit nachdem der Körper wieder aufgetaut ist, können sich an den betroffenen Stellen Blasen bilden. Sie sind mit klarer Flüssigkeit oder auch mit Blut gefüllt. Stechen Sie sie nicht auf. Meist heilen diese Blasen von selbst ab, ohne Narben zu hinterlassen.

Richtig schlimm wird es, wenn Sie eine Erfrierung 3.Grades haben: Die betroffenen Gebiete werden erst gefühllos, dann verfärben sie sich blau-schwarz. Erst Tage oder sogar Wochen nach der Erfrierung lässt sich beurteilen, ob Zehen, Finger, Ohren oder Nase amputiert werden müssen. Oft ist das nicht zu vermeiden.

Vorbeugen gegen Erfrierungen können Sie auf dreierlei Weise: Kleidung, nur kurze Aufenthalte in der Kälte und Heißgetränke sind die Mittel der Wahl. Neben bequemem Schuhwerk, das die Durchblutung nicht behindert, sollten Sie auch auf eine Kopfbedeckung achten. Die meiste Wärme geht über den Kopf verloren. Die Ohren sollten bedeckt sein. Ein Schal kann bei Bedarf auch die Nase schützen.

Was tun, wenn Sie Erfrierungen haben? Grundregel: Gehen Sie behutsam vor. Entfernen Sie vorsichtig nasse Kleidung. Finger und Zehen, Nase und Ohren nicht grob rubbeln. Sie sind jetzt sehr empfindlich und könnten noch schwerer verletzt werden. Das Auftauen sollte langsam – zunächst mit kühlem Wasser, dann nur lauwarm erfolgen. Der ganze Körper sollte in Decken gehüllt werden. Färben sich Körperteile blauschwarz, müssen Sie dringend einen Arzt aufsuchen.

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