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Unterhalt: Was kann man tun, wenn der Vater nicht zahlt?

Unterhalt: Was kann man tun, wenn der Vater nicht zahlt?
Unterhalt: Was kann man tun, wenn der Vater nicht zahlt?

Unterhalt: "Staat braucht kräftige Zähne"

Armutsrisiko: Alleinerziehende Mutter. Laut einer DGB-Studie ist ihr Anteil an den Hartz IV-Empfänger fünfmal so hoch als bei Vater-Mutter-Kind(er)-Familien. Ein Grund mögen die schlechten Jobaussichten sein. Ein Grund sind aber auch Väter, die sich ihrer Unterhaltspflicht entziehen. Schätzungen gehen davon aus, dass hierzulande rund 500.000 geschiedene Väter nichts oder nur wenig zum Unterhalt ihrer Kinder beitragen. Wie kann man sie zur Kasse bitten? Oder sogar motivieren, in Zukunft freiwillig zu zahlen? Mit dieser Frage setzt sich eine Experten-Konferenz (Teilnehmer aus 50 Nationen) derzeit in Heidelberg auseinander. Der Veranstalter, das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) will mit der Konferenz einerseits ein besseres internationales Netzwerk schaffen, damit auch Väter, die im Ausland leben, besser belangt werden können. Andererseits hoffen die Experten aber auch auf neue Idee, wie sie hierzulande zahlungsträge Männer dazu bringen können, für ihre Kinder einen Dauerauftrag einzurichten. Dort setzt man unter anderem auf Parkkrallen – oder auf den Verlust des Angelscheins. Mit Erfolg.

Von Ursula Willimsky

Auch einige Kommunen in Deutschland greifen inzwischen auf recht konkrete Maßnahmen zurück, um die Zahlungsmoral zu heben. Hannover und Dresden setzten zum Beispiel knallgelbe Wegfahrsperren ein, die erst wieder entriegelt werden, wenn der Vater gezahlt hat. Will er sich mit dem Auto vorher aus dem Staub machen, ist der Reifen nach ein paar Metern platt.

Dr. Thomas Meysen von DiJuF hat durch seine langjährige Arbeit aber noch andere, sehr probate Mittel kennengelernt. „Sehr gut“, so weiß er, „funktioniert es oft schon, auf die Väter individuell einzugehen. Vielleicht hat er ja selbst tatsächlich sehr wenig Geld“. In den USA hat es sich, so Meysen, bewährt, das unterhaltspflichtige Väter bei der Jobvermittlung bevorzugt behandelt werden - sie verdienen wieder Geld und können ihren Pflichten nachkommen. Im einfachsten Fall.

Oft jedoch herrscht nach einer Trennung starke Verbitterung, auf beiden Seiten. „Da kann es helfen, auch der Situation des Vaters mit Wertschätzung gegenüberzutreten.“ Vielleicht zahle er keinen Unterhalt, weil er das Kind zu wenig sehen dürfe… bei Differenzen wegen des Umgangsrechts rät der Experte dazu, sich an einer Beratungsstelle (Jugendamt, Awo, Diakonie, Caritas, o.ä.) zu wenden: „Je besser es mit dem Umgang klappt, desto höher ist die Zahlungsmoral“. Eine Mediation könne auch in Fällen helfen, wo der Vater sich ausgebeutet vorkäme („Ich hab doch schon das Haus abbezahlt und die Möbel“) – oder vielleicht sogar tatsächlich an seine finanziellen Grenzen stoße. Für manche Frau mag der Weg zu einem Mediator allerdings schwer sein: Sie muss allein jeden Morgen die Vollkornschnitten schmieren, den Sohn zum Fußballtraining fahren und die Tochter zum Flötenunterricht. Sie muss mit sehr wenig Geld einen Haushalt managen, vielleicht zur Arbeit gehen, pünktlich vor dem Hort stehen, mit den Kindern spielen … und sich jetzt auch noch um eine friedliche finanzielle Lösung kümmern. Aber es könnte, so Meysen, ein Weg sein.

Säumige Väter: Kein Unterhalt? Kein Angelschein

Aber leider gibt es auch die Fraktion derer, die sich aktiv und mit viel Energie ihrer Zahlungsverpflichtungen entziehen, und da „braucht der Staat kräftige Zähne.“ Manche Länder setzen auf recht kreative Maßnahmen: Wer in Georgia nicht angelt, ist kein rechter Mann. Aber wer in Georgia nicht für seine Kinder aufkommt – dem wird der Angelschein weggenommen. Ähnliches gelte für Kanada: Kein Unterhalt – kein Jagdschein. Illinois: Kein Unterhalt – kein Führerschein. „Dort sagt man sich: Wer Unterhalt für sein Auto zahlen kann, kann das auch für seine Kinder tun“, so Meysen. Und oft genüge bereits die Androhung der Sanktion, um den Mann zum Umdenken zu bewegen.

Als sehr erfolgversprechend sieht der Heidelberger Experte das Australische Modell an: Dort werden die Männer bei ihrem Ehrgeiz gepackt. Wenn Mutter und Kind(er) von Sozialhilfe leben müssen und der Vater sich entscheidet, Unterhalt zu zahlen, wird nicht der gesamte Unterhalt auf die Sozialhilfe angerechnet. „Das motiviert viele: Wenn ich zahle, geht es meinem Kind besser als anderen, es hat mehr.“

In Deutschland haben Scheidungskinder oft recht wenig. Zahlt der Vater nicht, muss Vater Staat einspringen. Die Mutter kann den sogenannten Unterhaltsvorschuss beantragen: Bis 6 Jahre 133 Euro, bis 12 Jahre 180 Euro. Damit müssen dann Klamotten, der Schulausflug und das Geschenk für den Kindergeburtstag am Freitag bezahlt werden. Und das Essen, und der Sportverein, und, und, und… Nach spätestens 72 Monaten läuft der Vorschuss aus, es bleibt nur der Weg in die Sozialzahlungen.

Vorher allerdings, so das Bundesministerium für Justiz, versuchen die Behörden natürlich, den Vater zum Zahlen zu motivieren. Durch Schreiben vom Jugendamt, Aufforderungen, etc. Erst „nach einer sehr langen Phase“, so die Sprecherin des Ministeriums, landen „die ganz harten Fälle“ sogar vor Gericht. Falls beweisen werden kann, dass sie zahlungsfähig wären, droht ihnen eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Was wenige wissen: Überdurchschnittlich oft (im Vergleich zu anderen Vergehen, die ebenfalls mit „bis zu 3 Jahren Haft“ geahndet werden können) entscheiden sich die Richter für die Option „Haft auf Bewährung“. Freiheitsstrafen machen einen Anteil von fast 74 Prozent aller Verurteilungen aus – und werden zu mehr als 97 Prozent zur Bewährung ausgesetzt. Damit der Verurteilte die Chance hat, ab jetzt zu arbeiten und den Unterhalt zu zahlen. Allein im Jahr 2011 traf dieses Urteil 2076 Männer (und 30 Frauen). Oft, so die Erfahrung aus dem Justizministerium, genüge aber bereits die Aussicht auf ein Verfahren oder eine Verurteilung, um den Mann doch noch zum Zahlen zu bewegen.

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