Ungewollt schwanger: Wie leicht fällt eine Abtreibung wirklich?

Ungewollt schwanger: Abtreibung als leichte Lösung?

Glaubt man Emily Letts, ist ein Schwangerschaftsabbruch kein schwerer Weg. Die 25-Jährige aus New Jersey hat ein Video von ihrer Abtreibung ins Netz gestellt und sorgt vor allem mit ihren Kommentaren während des Eingriffs für Aufregung. Sie fühle sich gut, sagt sie im Video. Doch wie leicht kann so ein Schwangerschaftsabbruch wirklich fallen - und steckt man eine Abtreibung einfach so weg?

Ungewollt schwanger: Wie leicht fällt ein Schwangerschaftsabbruch wirklich?
Ungewollt schwanger: Emily Letts zeigte ihre Abtreibung öffentlich in einem Video

Die deutsche Rapperin Kitty Kat hat mit 17 Jahren abgetrieben. Ihre massiven Schuldgefühle nach dem Abbruch hat sie in einem Lied verarbeitet. Die Gedanken an den Abbruch bleiben noch lange Zeit später, erzählt Kitty Kat. Gründe für eine Abtreibung kann es für jede Frau geben - doch dass Emily Letts auf ihrem Video so strahlend in die Kamera lächelt, findet sie befremdlich. Eine Abtreibung sei eben "nicht cool" und ein Video darüber ebenso wenig, sagt sie. Wenn man einen Schwangerschaftsabbruch öffentlich macht, sollte man die ganze Geschichte dahinter teilen, auch wie man sich vor und nach dem Abbruch fühlt, so die Rapperin.

Im Netz wird Elly für ihre Tat beschimpft, ihre Aktion entfacht heiße Diskussionen. Doch was halten deutsche Frauen davon? Besucher einer Leipziger Diskothek bestätigen: Oft wird gar nicht an Verhütung gedacht und stattdessen eine Abtreibung leichtfertig in Kauf genommen. Abtreiben als Verhütung: der Gedanke schockiert. Fakt ist jedoch, dass viele junge Menschen sich bei einem One-Night-Stand einfach keine Gedanken um die Verhütung machen. Dass das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft besteht, ist ihnen zwar bewusst, doch die Abtreibung wird als leichter Ausweg aus einer Schwangerschaft gesehen. Erhebungen bestätigen diesen Trend: 14 Prozent aller Schwangerschaften werden offiziell abgebrochen, Fachleute gehen sogar von einer doppelt so hohen Dunkelziffer aus.

Ungewollt schwanger: Abtreiben oder nicht?

Mit der Entscheidung, ihren eigenen Schwangerschaftsabbruch zu veröffentlichen, bricht Emily Letts ein Tabu. Sie arbeitet selbst in einer Klinik und berät dort Frauen, die eine Abtreibung in Erwägung ziehen. "Viele Frauen denken, wenn ich ein bisschen mehr Menschlichkeit besitze, muss ich mich nach dem Eingriff schuldig fühlen. Ich lehne diesen Gedanken ab, ich denke wie auch immer man sich fühlt, es ist vollkommen in Ordnung. Egal ob du traurig bist, du dich fühlst als ob du dein Baby getötet hättest oder dass du einfach nur weiter an dich glaubst."

Kitty Kat hat ihren Schwangerschaftstest von damals aufgehoben, er wird sie immer an die Abtreibung erinnern: "Die Mädchen da draußen sollen wissen, dass es keine leichte Entscheidung ist, so etwas zu machen", sagt sie. Jede Frau hat ihre ganz persönlichen Gründe, abzutreiben - und die sollte jeder akzeptieren. Diskussionswürdig ist jedoch, ob man den intimen Vorgang wirklich öffentlich machen möchte.

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