Ungewöhnlicher Sex: Warum brauchen wir den Kick im Bett?

Ungewöhnlicher Sex: Warum brauchen wir den Kick im Bett?
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Woher kommt das Verlangen nach ungewöhnlichem Sex?

Beim Sex vom Zug überrollt. Weil ein Pärchen aus der Ukraine seinem Liebesleben einen neuen Kick verpassen wollte, kam es auf die Idee, den Liebesakt an die Gleise zu verlegen - eine tödliche Idee. Muss der Sex wirklich immer extremer werden? Bei der verstorbenen Frau und dem Mann, der auf der Suche nach dem Kick beide Beine verloren hat, war laut Polizei Alkohol im Spiel. Ist dieser grausame Unfall ein extremer Einzelfall oder muss es auch beim Sex immer höher, schneller, weiter gehen?

Von Dagmar Baumgarten

Seit den 'Shades of Grey'-Büchern ist die Zahl der Sex-Unfälle angeblich rasant gestiegen. Stimmt das? Kann ein Roman wirklich das Sex-Gefühl so durcheinanderwirbeln oder haben die Geschichten von Anastasia und Christian etwas aufgewühlt, was bis jetzt unentdeckt in uns schlummert? Fakt ist, dass der Verkauf von Handschellen und Zutaten für Soft-SM Praktiken kurzzeitig wirklich zugenommen hat.

Aber mittlerweile verstauben die Liebeskugeln in den Schubladen. Nur weil man mal ein Buch quer gelesen hat, ändert man eben doch nicht seine ganzen Vorlieben. Es regt an, etwas auszuprobieren, aber dass man dadurch in eine Spirale von immer neueren und extremen Kick-Erlebnissen gerät, gibt es heute nicht mehr als früher. Oder die Leute sind einfach viel vorsichtiger geworden. Denn wenn man mal nachfragt, ob Polizei, Notärzte und Feuerwehr schon überlegen eine SOKO Sex-Unfälle einzurichten, winken die lächelnd ab.

Es gab in Deutschland durch das Buch nur einen kurzen Anstieg von Rettungs-Einsätzen, weil dort viel über die Lust durch Unterwerfung geschrieben wird, was den Leserinnen wohl kurzfristig eine Lust auf Soft-SM-Praktiken bescherte. Blöderweise fehlen in der Lektüre aber die einfachsten Basics. Zum Beispiel, dass Paare bei Handschellen- Spielchen immer den Schlüssel 1.) in Greifnähe aufbewahren, und 2.) nicht im Schloss durch fehlgeleitete Leidenschaft abbrechen lassen sollte. Sonst kommt es nämlich statt Klick-Kick-Stöhn zu Klick-Kick-"Kacke, Schatz, ich krieg die Mist-Dinger nicht mehr auf und jetzt?"

Früher war alles keuscher? Nein, fairerweise muss man sagen, dass es kuriose Sex-Unfälle schon immer gegeben hat. Es ist unglaublich, was Ärzte schon alles aus menschlichen Geschlechtsteilen herausgezogen haben. Die gesamte Obst und Gemüse-Palette wurde schon missbraucht, diverse Formen von Leergut, aber auch Kleiderbügel sind zwar irgendwie in die Notfall-Patienten rein, aber nicht von alleine wieder heraus gekommen. Früher war das allerdings offiziell kein Sex-Unfall, sondern die Leute sind "ähh, unglücklich gestürzt".

Wird ungewöhnlicher Sex jetzt zu einem Muss?

Warum hat man aber trotzdem das Gefühl, dass es seit 'Shades of Grey' das Minimum ist, sich fesseln, knebeln und wenigstens ein bisschen auf den Popo hauen zu lassen? Weil plötzlich alle drüber reden.

Handschellen-Experimente, die man früher allenfalls der besten Freundin erzählte, haben heute so etwas total Offenes und Verruchtes. Schon fast out ist, wer nicht mal eine Kerze ins Liebesspiel einbezieht. "Ihr habt es ganz normal im Bett getrieben? Nicht mal ein bisschen in der Öffentlichkeit. Puh, wie langweilig" .

Da redet man doch lieber über Penisse im Staubsauger, zu fest gezurrte Hundegeschirre und Serviettenringe, die aus kleinen Nüsschen unfreiwillig Melonen machen. Deshalb hat man auch das Gefühl, dass plötzlich alle vom SM-Virus befallen sind, und bei der Suche nach dem schmerzenden Kick immer kuriosere Ideen entwickeln. Die Realität rückt das Bild der orgiastischen Paare, die nicht nur alle Hemmungen, sondern auch kurzfristig den Verstand verlieren, allerdings wieder gerade. Denn die Situationen, aus denen merkwürdig verhedderte Pärchen gerettet werden müssen, ist gar nicht so eklatant angestiegen, wie viele meinen. Es waren gerade mal siebzig in den vergangenen drei Jahren.

Trotzdem hat die Feuerwehr in Sachen Peinlichkeit noch genug zu tun. Die häufigste peinliche Zwangslage, aus der die Feuerwehr Menschen befreien musste, ist dabei - Achtung, kurze Spannungspause - also, es ist: Eingezwängt in einer Kloschüssel! Und bis jetzt ist nicht bekannt, dass die alle vorher einen wilden Sanitär-Sex-Roman gelesen haben!

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