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Ungewöhnliche Vornamen: Standesämter akzeptieren immer mehr

Eltern durften ihr Kind Sheriff nennen

In Deutschland haben Standesämter immer noch das letzte Wort bei der Namensvergabe der Eltern. Kann in den Augen der Beamten ein ausgefallener Name zur Belastung werden, darf das Amt ein Veto einlegen. Dann müssen sich die Eltern etwas Neues einfallen lassen. Und dabei beweisen sie außerordentlich viel Kreativität.

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Standesämter akzeptieren immer mehr neue Vornamen
Frei nach dem Motto: Man schreibt es, wie man es spricht: "Schaklyn" wurde in Nürnberg vom Standesamt abgenickt. © dpa, Oliver Berg

Ein Vorname wie "Pumuckl" oder "Pepsi-Carola" kann für ein Kind zur Qual werden - doch Deutschland ist offener geworden und bei Standesämtern werden ungewöhnliche Namenswünsche von Eltern immer seltener abgelehnt. In Essen etwa wollten Eltern im Jahre 2007 ihren Sohn "Anakin Skywalker" nennen. Das Amt lehnte das ab, bis dato die letzte Ablehnung des zuständigen Standesamtes dort. Dafür erlaubt die Stadt im Ruhrgebiet aktuell den Mädchennamen "Milka" sowie auch "Imperial-Purity" und "Sunshine". In Kiel erlaubte man allerdings den Namen "Gucci" für ein Mädchen erst kürzlich nicht. In Münster lehnt das Standesamt eher selten die Namenswünsche der Eltern ab: "Städtenamen zum Beispiel gehen nicht", sagt Amtsmitarbeiterin Sarah Pröbsting. Bei der Kombination "Marie-Johanna", die schnell gesprochen nach "Marihuana" klinge, weise man Eltern nur darauf hin, dass der Name Probleme machen könne. Nicht akzeptiert werden von den Ämtern übrigens auch Namen wie: "November", "Pfefferminze" oder "La Toya". Der Name "Dior" dagegen ist - anders als "Gucci" in Kiel - erlaubt, sofern es enge Bindungen zum senegalesischen Kulturkreis gibt, denn da kommt der Name her. Ein Berliner Standesamt erlaubte auch "Chanel" als Mädchenname.

Dem Wunsch der Eltern, ihrem Sohn den Vornamen "Maier" zu geben, wurde entsprochen. Nachdem Mutter und Vater nachweisen konnten, dass "Maier" durchaus ein üblicher männlicher Vorname sei, wenn auch in den Niederlanden. Auch zwei Jungs aus Hamburg müssen mit der Namenswahl ihrer Eltern auskommen: So wurde "Courage" und "Sheriff" in die Geburtsurkunde eingetragen. Bezirksamts-Sprecherin Lena Voß sagt, dass die multikulturelle Gesellschaft die Namensgebung geändert habe.

In Wiesbaden wird ein Mädchen "Cinderella-Melodie" gerufen. Das Standesamt hat den Namen durchgehen lassen, schließlich seien es zwei gültige Vornamen. "Und einen Bindestrich kann man immer machen", sagt Mitarbeiterin Daniela Funk. "Auch wenn ich denke: oh je."

Die Franken haben eine "Schaklyn"

Gerhard Bangert vom Bundesverband der deutschen Standesbeamten und Standesbeamtinnen im osthessischen Bad Salzschlirf erklärt, dass die Rechtsprechung der Amtsgerichte großzügiger geworden sei - nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 2008. Danach seien die Verwaltungsvorschriften angepasst worden. "Aber 'Satan' würde man immer noch ablehnen", sagt Bangert. Nur noch zwei Einschränkungen gebe es: Der Name dürfe dem Kindeswohl nicht schaden und er müsse dem Wesen nach ein Vorname sein. Streitigkeiten seien inzwischen selten. Und zwar, weil die Standesämter beraten, sagt Andrea Hart, Leiterin des Frankfurter Standesamts. Zum Beispiel habe man den Eltern, die ihre Tochter "Seniorina" nennen wollten, davon abgeraten. Das heißt "Fräulein" - zu wenig Name im Wort, fand das Standesamt. Aber "Osama" oder "Adolf" abzulehnen, sei nicht möglich, sagt Hart. Das Standesamt in Hannover gab auch bei "Despot" seine Erlaubnis.

Auch in Nürnberg gibt es fast nichts, was es nicht gibt. "Wir haben keine schwarzen Listen", sagt Dagmar Heckel vom dortigen Standesamt. Für Verwunderung hatte die fränkische Version von Jacqueline bei den Beamten gesorgt. Doch "Schaklyn" war offiziell genehmigt worden. Im Südwesten schöpfen Eltern ebenfalls aus dem Vollen: "Bluebell", "Nussi" und "Cosmo" sind nur drei Beispiele für Namen, die Standesbeamte in Baden-Württemberg erlaubten. Ungewöhnlich für die Stadt München waren Namenswünsche wie "Crazy Horse", "Peppels" oder "Regen". Die wurden allerdings auch abgelehnt.

In Sachsens Landeshauptstadt Dresden häufen sich indes Bindestrich-Namen wie "Rosa-Charlott" oder "Melodie-Mia" für Mädchen und "Noah-Jakob" oder "Dee-Jay" für Jungen. Der Leiter des Standesamtes, Frank Neubert, sagt: "Was in manchen Ohren fremd und exotisch klingt, kann in anderen Gegenden ein gebräuchlicher Vorname sein." Dazu zählt er "Moka" und "Jazz" für Mädchen sowie "Orlando" und "Filou" für Jungs.

Im Streitfall können sich Eltern an die Namenberatungsstelle in Leipzig wenden. Deren Internet-Seite listet Gerichtsurteile vergangener Jahre auf: So ging 1992 der Name "Lafayette" durch - für einen Jungen, der noch einen weiteren männlichen Vornamen benötigte. Ebenso mussten die kleine "Prestige" und die kleine "Bo" sich noch mit einem zweiten, eindeutig weiblichen Namen als Mädchen identifizieren. Bei "Fanta" hingegen war für alle klar - das muss ein Mädchen sein - natürlich!