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Ungesunder Lebensstil verändert das Erbgut: Ernährung der Eltern beeinflusst die Kinder

Ungesunder Lebensstil verändert das Erbgut
Ungesunder Lebensstil verändert das Erbgut "Dicke Eltern, dicke Kinder"? 00:00:47
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„Dicke Eltern, dicke Kinder“: Das scheint zu stimmen

In der Schwangerschaft achten viele Frauen ganz genau darauf, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Denn nicht nur der Frauenarzt weiß: Das Kind isst mit. Allerdings wirkt sich nicht nur die Ernährung in der Schwangerschaft auf die Gesundheit und das Gewicht des Kindes aus. Eine Studie des Instituts für Experimentelle Genetik (IEG) am Helmholtz Zentrum München kommt nun zu dem Schluss: Auch der Lebensstil beim Zeitpunkt der Zeugung spielt eine wesentliche Rolle für die Gesundheit der Nachkommen. So wird die körperliche Konstitution der Eltern bei der Zeugung an die nächste Generation weitergegeben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal 'Nature Genetics'.

Demnach werden Krankheiten, die durch einen ungesunden Lebensstil erworben werden, an die Kinder weitergegeben. Dazu zählen beispielsweise Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes Typ 2. Wenn der werdende Vater raucht, haben die Kinder ein höheres Risiko für Asthma. Wer vor der Zeugung über zehn Jahre rauchte, erhöhte demnach das Asthmarisiko seiner Kinder um 50 Prozent. Schon im Januar 2016 hatten US-Forscher in einer im Magazin 'Science' veröffentlichten Studie an Mäusen nachgewiesen, dass eine fettreiche Ernährung des Vaters den Stoffwechsel der Kinder negativ beeinflussen kann. Auch der aktuellen Studie liegen Tierversuche zugrunde. Beim Menschen seien Studien nicht zuletzt wegen der langen Generationszeiten schwieriger. Bisher untersuchten Wissenschaftler vor allem den Einfluss der väterlichen Seite - schon allein weil Spermien leichter zu gewinnen und untersuchen sind als Eizellen. Die aktuelle Studie mit Mäusen, die an Übergewicht und ernährungsbedingtem Diabetes litten, weist nach: Der mütterliche Einfluss ist noch größer als der väterliche.

Gesunde Lebensweise hat positiven Einfluss auf die Gesundheit

Für die Studie verwendeten die Forscher Mäuse, die aufgrund einer fettreichen Ernährung zugenommen und Typ-2-Diabetes entwickelt hatten. Die Nachkommen wurden mit Hilfe der künstlichen Befruchtung gezeugt und von Leihmüttern ausgetragen, so dass Faktoren wie die Ernährung des Embryos in der Gebärmutter einer stoffwechselgestörten dicken Mutter, aber auch deren Verhalten in der Schwangerschaft und beim Säugen ausgeschlossen waren. "Wir sehen, dass es einen massiven Einfluss in die nächste Generation gibt, der nur über die Keimzellen vermittelt werden kann. Und wir sehen unterschiedliche Effekte, was die mütterliche und die väterliche Seite betrifft", erklärt Studienleiter Hrabe de Angelis.

Die Faustformel "dicke Eltern, dicke Kinder" sei bekannt. Das Argument mancher Dicker, es liege "an den Genen" wurde allerdings oft als Ausrede gewertet oder belächelt. "Jetzt ist klar, dass das auch wirklich über die Keimzellen vermittelt wird", sagt Hrabe de Angelis. "Der Effekt ist zumindest im Tierversuch massiv." Und: "Das könnte eine weitere Ursache für die epidemieartige Zunahme von Diabetes Typ-2 sein." Denn der Anstieg weltweit lasse sich durch die Veränderung der DNA selbst kaum erklären. "Dazu schreitet der Anstieg zu schnell voran."

So erschreckend das Studienergebnis ist: Es ist auch positiv zu werten. Denn so negativ sich ein ungesunder Lebensstil auf die nächste Generation auswirkt, so positiv lässt sich die Gesundheit der Nachkommen durch einen gesunden Lebensstil beeinflussen. Wer sich also Kinder wünscht, sollte vom Zeitpunkt der Planung an auf eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine insgesamt gesunde Lebensweise achten.

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