Unfruchtbarkeit: Wie gehen Frauen damit um?

Unfruchtbarkeit
Wir haben interessante Statements von den Frauen aus unserem Forum.

Paare brauchen emotionale Unterstützung

Fast jedes sechste Paar ist deutschlandweit betroffen, aber offen darüber reden tun die wenigsten: Unfruchtbarkeit ist immer noch ein kleines Tabu. Ein Grund für das große Schweigen ist, dass viele Paare keine Lust haben, sich zu erklären, weil ihr Leidensdruck sowieso schon groß genug ist. Besser täte man ihnen, wenn man einfach mal versucht, ihre Situation wirklich zu verstehen.

Von Merle Wuttke

Eine Freundin von mir hat es jahrelang probiert, bis sie sich gemeinsam mit ihrem Mann entschieden hat, die Kinderlosigkeit zu akzeptieren. Eine andere Freundin hat nach dem ersten Kind kein zweites mehr bekommen können. Eine Bekannte hat sich sogar einer Eizellspende unterzogen, um endlich das ersehnte Wunschkind zu kriegen.

Sie alle litten wahnsinnig unter ihrer Unfruchtbarkeit, und auch, wenn sie sich heute damit arrangiert haben – das Gefühl, dass das Leben sie um ein Stück Glück betrogen hat, das bleibt. Und auch das Gefühl, dass niemand wirklich jemals verstanden hat oder verstehen möchte, wie es ihnen geht.

Denn sobald jemand offen zugibt, keine Kinder bekommen zu können, reagieren die Mitmenschen häufig mit gut gemeinten, aber oft am Ziel vorbei schießenden Ratschlägen ("Habt ihr schon mal über ein Pflegekind nachgedacht?"), mit dümmlichen Sprüchen ("Aber das Üben macht Spaß, oder?!") oder schlichtweg mit Gedankenlosigkeit ("Also, glaube mir, schwanger sein ist echt kein Spaziergang").

Gerade für Paare, die in einem Alter sind, in dem alle im Freundeskreis eine Familie gründen, wird das Leben so zum Spießrutenlauf, weil sie wissen, dass ständig die Frage in der Luft hängt: Wollen die keine Kinder oder kriegen die das nicht hin?

Statt Spekulationen und Getuschel brauchen diese Paare aber ganz andere Dinge: Emotionale Unterstützung, Verständnis, manchmal einfach nur jemanden, der zuhört, wenn es wieder einmal nicht geklappt hat. Und: Die betroffenen Frauen und Männer möchten selbst entscheiden, wann und mit wem sie über ihren unerfüllten Kinderwunsch sprechen.

Das sagen betroffene Frauen

Wir haben deshalb ein paar Aussagen aus unseren Foren gesammelt, um herauszufinden, was sich die Betroffenen von ihrem Umfeld wünschen und wie es ihnen tief drinnen geht. Damit wir das nächste Mal besser reagieren können.

"Manchmal denke ich mir: Wie naiv war ich, als ich dachte, das klappt dann schon spätestens nach ein paar Monaten." Jane147

"Wir haben versucht, das Thema zu verdrängen, weil mein Schatz Geburtstag hatte, aber es hat nicht richtig funktioniert und zu allem Übel saß am Tisch im Restaurant neben uns auch noch eine Schwangere." Kleines Senfkorn

"In meinen Augen ist es wichtig, dass beide Partner an einem Strang ziehen und gemeinsam den Weg (welchen auch immer) gehen." Sunnya

"Ich wollte zunächst niemanden sagen, dass wir 'basteln'. Mein Mann war da entspannter. Inzwischen wissen es meine Eltern, Schwester, ein paar Freunde, die Schwiegereltern und die Schwester meines Mannes. Wir gehen jetzt offen mit dem Thema um. Wenn jemand fragt und die Situation passt, gibt es eine ehrliche Antwort. Auch das nimmt mir ironischerweise ein ganzes Stück Stress." Wespennest

"Meine Mutter nervt immer damit, was wir für Untersuchungen bereits haben machen lassen." Lilly-Sophie

"Heute Morgen war alles okay, ich hatte super Laune und Lust was zu unternehmen. Waren dann mit den Hunden spazieren, schön in der Sonne. Und jetzt könnte ich nur heulen. Mich nervt alles und weiß nicht mal warum. Ich versteh und mag mich im Moment selber nicht." Schnecky25

"Neulich habe ich über ein Gespräch mit meiner Schwägerin nachgedacht, die inzwischen auch Bescheid weiß. Sie fragte mich, ob wir denn schon wissen würden an was, bzw. an wem es läge, dass es bei uns nicht klappt. Ich weiß, dass sie das nicht böse gemeint hat, habe mich auch nicht angegriffen gefühlt, aber irgendwie klingt die Frage schon komisch, oder?" Wespennest

"Gestern hat meine beste Freundin mir erzählt, dass sie schwanger ist. Ich musste mich bremsen, um nicht los zu heulen. Ich bin sooo eifersüchtig, ich erkenne mich selbst nicht mehr!" Pandicorn

"Die meisten meiner Freunde haben auch schon kleine Krümel und gerade in der Weihnachtszeit ging es mir manchmal echt schlecht, weil ich es mir auch so wünsche. Man sagt immer, wir sollen uns für andere freuen, und das tue ich auch, weil ich weiß wie schwer es ist, und ich jedem dieses Wunder gönne. Aber das es mir deshalb schlecht geht, das kann ich nicht abstellen." Kleines Senfkorn

"Ich fühle mich derzeit nicht in der Lage mich mit einem befreundeten Paar zu treffen, die im Juni ihr Kind bekommen. Sie hatte es mir gesagt, kurz nachdem ich erfahren hatte, dass ich nicht schwanger bin und seitdem habe ich bei ihr etwas wie eine Blockade." Lilly-Sophie

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