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Übergewicht: So heftig werden dicke Menschen diskriminiert

Nadine (21) hat täglich mit Diskriminierung zu kämpfen

Wer dick ist, der ist verfressen, faul und hat keine Selbstdisziplin – solche und ähnliche Urteile fällen die meisten Menschen über Übergewichtige. Menschen wie die 21-jährige Nadine müssen sich täglich Diskriminierungen und Beleidigungen stellen. RTL-Reporterin Wiebke Hinz hat den Test gemacht und die Menschen, die lästern und gaffen, einfach mal zur Rede gestellt.

Übergewicht: So heftig werden dicke Menschen diskriminiert
Nadine leidet wegen ihres Übergewichts unter Diskriminierung.

Etliche Frauen und Mädchen werden auf Grund ihres Gewichtes gemobbt und diskriminiert. Das kennt auch Nadine: Sie ist 21 und trägt Kleidergröße 54. Schon ihr ganzes Leben war sie kräftiger als andere Mädchen. Sie erzählt, dass sie sich regelmäßig abscheuliche Kommentare anhören muss: "Die wissen gar nicht, wie weh das tut. So Sachen wie: fette Sau, du Tonne, du Wal – das ist so verletzend." Das Thema geht Nadine sichtlich nah. Sie will, dass die Menschen verstehen, welche Wirkungen hemmungslose Beleidigungen haben.

Auch RTL-Reporterin Wiebke Hinz wollte wissen, wie es sich anfühlt als übergewichtige Frau in der Gesellschaft. Verkleidet in Kleidergröße 50 macht sie sich auf in die Öffentlichkeit und ist über die Reaktionen der Menschen schockiert: verstohlene Blicke, unverschämtes Getuschel. Als Wiebke mit Nadine Eis essen geht, fallen die Reaktionen der Menschen um sie herum im Eiscafé besonders auf. Das ist der Grund, erzählt Nadine, warum sie sich sonst nie traut, auch nur ein Eis in der Öffentlichkeit zu essen.

Übergewicht: Keine Frage der Selbstdisziplin

Nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch im Job haben "Dicke" oft mit Diskriminierung zu kämpfen. Statistiken zeigen, dass Menschen mit Übergewicht seltener die Jobs kriegen, für die sich bewerben, und öfters gekündigt werden. Auch erhalten sie durchschnittlich weniger Geld für denselben Job als dünne Menschen.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Teilen von Afrika, ist Übergewicht ein Statussymbol, das für Wohlstand steht. Bei uns ist es genau das Gegenteil: Dicke sind faul und haben keine Selbstdisziplin. Professor Achim Peters ist Adipositas-Spezialist und sagt: Das stimmt nicht. "Das Dicksein hat nicht die Ursache Willenlosigkeit, sondern der Energiebedarf des Gehirns spielt hier die entscheidende Rolle", erklärt Professor Peters.

Er hat herausgefunden, dass Stress bei übergewichtigen Menschen dem Gehirn den Befehl vermittelt, mehr zu essen. Und Stress wiederum erfahren dicke Menschen mehr als genug – durch Diskriminierung, Einkommensungleichheit und vieles mehr. So also sind Übergewichtige häufig in einem Teufelskreis gefangen, der nichts mit Selbstdisziplin zu tun hat.

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