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Überflüssige Operationen: Diese Eingriffe sind unnötig

Manche Operationen sind überflüssig. Wir zeigen Ihnen, welche dazugehören.
Manche Eingriffe müssen nicht unbedingt sein. Denn einige Operationen sind überflüssig. © dpa, Oliver Berg

Manchmal muss eine Operation sein, doch oft sind sie überflüssig

In vielen Fällen kommen wir um eine Operation nicht herum. Doch ob Bandscheibenschaden, Schilddrüse oder Gallenblase: Manchmal ist ein operativer Eingriff tatsächlich überflüssig und durch gewisse Alternativen ebenfalls behandelbar. Grundsätzlich gilt immer: Suchen Sie das ausführliche Gespräch mit Ihrem Arzt und holen Sie sich vor einer geplanten Operation möglichst noch eine Diagnose von einem zweiten Mediziner. Im Folgenden nun einige Beispiele, bei denen eine Operation nicht zwangsläufig von Nöten sein muss. (Natürlich kommt es in medizinischen Fragen immer auf den Einzelfall an, eine Pauschalempfehlung ist bei einem Krankheitsbild unmöglich).

Mandeln

Schon ein echter Klassiker unter den Operationen. Früher hieß es bekanntlich immer, wer keine Mandeln mehr hat, kann keine Halsschmerzen mehr bekommen. Doch das stimmt so nicht. Die Mandeln jedenfalls sind wichtiger Bestandteil der körpereigenen Immunabwehr. Sie sollten also nur dann operativ entfernt werden, wenn chronischen Entzündungen (über mehrere Jahre, öfter als drei Mal pro Jahr) vorliegen. Entzünden können sich die Mandeln in jedem Lebensalter und zu jeder Jahreszeit - bei Kindern durch Viren, bei Erwachsenen eher bakteriell bedingt. Akute Mandelentzündungen lassen sich gut medikamentös behandeln und heilen in der Regel folgenlos ab.

Schilddrüse

Auch hier wurde früher bei bestimmten Beschwerdebildern oft vorschnell zu einer Operation geraten. Bei einer leicht vergrößerten Schilddrüse, kleineren oder mehrfach vorhandenen heißen Knoten sowie Schilddrüsen-Überfunktion muss man heute aber meist nicht mehr unter's Messer. Alternativ wird heute nicht selten die Radiojod-Therapie angewendet. Der Patient nimmt dabei eine Kapsel ein, die radioaktives Jod enthält. Dieses Jod lagert sich hauptsächlich in der Schilddrüse ab und setzt eine Strahlung frei, die 0,5 bis zwei Millimeter weit reicht und das überschüssige und übermäßig hormonproduzierende Gewebe zerstört. Das gesunde Gewebe wird geschont. Die Schilddrüse kann sich dadurch um etwa die Hälfte verkleinern. Schmerzen hat man dabei nicht.

Bandscheiben

Eine Vielzahl an Menschen die sich in Deutschland mit Rückenproblemen herum plagen, sehen in einer Operation häufig die letzte Chance auf Heilung. Insbesondere die Bandscheibe gerät da in den Fokus. Über 140.000 Menschen in Deutschland lassen sich pro Jahr an den Bandscheiben operieren. Doch bei jedem Dritten treten die Schmerzen trotz OP wieder auf.

Durch Ruhe, Entlastung, Krankengymnastik und Medikamente werden viele Beschwerden nach einigen Wochen besser. Wichtig ist vor allem, langfristig die eigenen Fehlbelastungen zu vermeiden.

Es zwickt am Blinddarm

Überflüssige Operationen: Diese Eingriffe sind unnötig

Blinddarm

Bei akuten Fällen von Blinddarmoperationen ist eine Blinddarmoperation natürlich notwendig. Doch nicht jede Entzündung muss durch eine Operation behoben werden.

Laut Statistischem Bundesamt landen jedoch pro Jahr 130.000 Fälle auf dem OP-Tisch. Eine Alternative ist es, den Patient unter Beobachtung zu halten, sofern sich die Schmerzen nicht verringern. Viele Entzündungen klingen wieder ab. Oft helfen dabei Antibiotika, die aber nur noch sehr wenige Kliniken einsetzen. Zur Entscheidung, ob eine OP wirklich nötig ist, braucht der Chirurg viel Erfahrung. Vertrauen Sie deshalb den Rat eines erfahrenen Arztes.

Gallenblase

Gallensteine in der Gallenblase können ganz empfindliche Schmerzen verursachen. Diese entstehen, wenn sich der Gallensaft in der Gallenblase staut. Dann werden mitunter heftige Koliken ausgelöst. Allerdings muss deshalb nicht immer gleich die Gallenblase operativ entfernt werden. Oft gehen Steine von selbst ab, gegen leichtere Koliken helfen krampflösende Mittel.

Solange die Steine keine Schmerzen hervorrufen, braucht man nichts dagegen zu tun. Wenn es jedoch richtig schmerzhaft wird, ist wohl tatsächlich eine OP notwendig.

Gebärmutter

Von so genannten Myomen – gutartigen Geschwülsten an oder in der Gebärmutter ist mittlerweile jede fünfte Frau über 30 betroffen. Operativ entfernen sollte man das Geschwülst aber insbesondere dann, wenn es Beschwerden verursacht oder schnell wächst. Viel zu häufig wird bei Operationen gleich die ganze Gebärmutter entnommen.

Prostatakrebs

Zumindest bei älteren Herren darf man eine OP durchaus in Frage stellen. Der Tumor bei Prostatakrebs wächst oft recht langsam und es stehen alternative Verfahren zur Verfügung stehen wie Hormontherapien oder Bestrahlungen.

Kreuzband

Wurde bei Fußballern früher ernsthafte Kreuzbandbeschwerden festgestellt, landeten Sie bereits kurze Zeit später unter dem Messer. Doch auch hier gilt: Gerade bei älteren Menschen über 60 muss das Knie nicht mehr operiert werden, wenn der Patient keinen Sport mehr betreiben möchte und sich das Knie nicht so wackelig anfühlt. Auch durch Muskeltraining lässt sich das Knie stabil halten.

Hautkrebs-Vorstufen

Bei Hautkrebs denken viele sofort an Schwarzen Hautkrebs. Häufiger ist die Vorstufe, so genannte Keratosen - oft die Folge von zu viel Sonneneinstrahlung in der Jugend. Damit sich daraus später kein übler Krebs entwickelt, wurden Keratosen bisher operativ entfernt. Jetzt ist die Entfernung allein durch ein Arznei-Gel möglich, das über acht bis zwölf Wochen zweimal täglich aufgetragen wird. Nach zwei bis drei Monaten ist der sogenannte helle Hautkrebs dann bei drei von vier Patienten verschwunden. Fragen Sie mal Ihren Hautarzt.

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