Überfälle in Köln: Können wir Frauen uns noch sicher fühlen?

Frau guckt ängstlich, hinter ihr steht ein vermummter Fremder
Angst vor Belästigung - Viele Frauen wurden in Köln angegriffen

Der Vorfall in Köln ist schockierend und unglaublich

Am Kölner Hauptbahnhof sind im Getümmel der Silvester-Nacht Frauen überfallen worden. Nicht nur eine oder zwei, bis Montag erhielt die Kölner Polizei mehr als 30 Anzeigen. Und es dürften mehr werden, da Anzeigen von Frauen, die nicht in Köln wohnen, erst nach und nach eingehen. Bald steht mit Karneval das nächste Großereignis an. Können Frauen überhaupt noch etwas tun, um sich sicher zu fühlen?

Von Christiane Mitatselis

Die Berichte der überfallenen Frauen in den Kölner Zeitungen sind so schockierend wie unglaublich. Sie wurden im Getümmel um Dom und Bahnhof von johlenden jungen Männern eingekreist, begrabscht und beraubt. Die Polizei war damit beschäftigt, die Treppe vor dem Dom abzusperren, um eine Massenpanik zu verhindern und konnte nicht ausreichend eingreifen.

Bisher wurden die Männer in Köln nur in kleinen Gruppen von zwei bis drei Männern durch Trick-Diebstähle auffällig, im Bahnhof oder auch auf den Kölner Ringen. Dass sie im großen Verbund auftreten - wie offenbar in der Silvesternacht geschehen – ist neu. Die Kölner Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt und versucht die Täter durch Überwachungskameras und Handy-Videos und -Fotos zu identifizieren.

Bald steht Karneval an – und nicht nur in Köln wird wieder in großen Menschenmengen gefeiert werden. Kann man sich da sicher fühlen – vor allem als Frau? Ein Sprecher der Kölner Polizei verweist darauf, dass sie ihr Aufgebot an Beamten und Zivilfahndern zu Karneval wie üblich verstärken wird. Das Gleiche ist von der Bundespolizei zu hören, die für Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen zuständig ist. Bei großen Events sei stets eine erhöhte Zahl von Beamten im Einsatz, sagte auch hier ein Sprecher.

Lieber Taxi statt Bahnfahren

Aber ist das Personal überhaupt verfügbar? Es ist bekannt, dass besonders die Bundespolizei unter personellen Engpässen leidet. Hunderschafts-Einheiten sind in Süddeutschland engagiert, dort, wo die meisten Flüchtlinge ankommen. An Bahnhöfen müssen die Beamten zudem etliche Extra-Aufgaben erledigen – zum Beispiel registrieren sie dort gestrandete Flüchtlinge. So können sie, wie der 'Kölner Stadt-Anzeiger' schon im November berichtete, Straftaten im Kölner Hauptbahnhof aufgrund von Personalmangel nur noch verwalten, aber nicht bekämpfen.

Kann man sich also als Frauen sicher fühlen und unbeschwert in den Karneval stürzen? Meine Antwort lautet: Nein. Nicht in Großstädten an neuralgischen Punkten wie dem Kölner Hauptbahnhof; und schon gar nicht in großen, unübersichtlichen Menschenmengen. Und es ist egal, ob man allein oder in Begleitung unterwegs ist. Einige der in Köln überfallenen Frauen hatten den Berichten zufolge ihren Freund dabei. Und wer weiß, ob die Übergriffe der Kölner Silvesternacht nicht zu Wiederholungstaten führen werden?

Wer sich sicher fühlen will, sollte Menschenaufläufe vermeiden, vor allem in den Zentren großer Städte. Nachts nicht mit der Bahn, sondern nur mit dem Taxi fahren. Und am besten in größeren Gruppen ausgehen und dabei aufeinander achten. Zudem kann man nur hoffen, dass die Politiker die personellen Engpässe der Polizei als Problem erkennen. Und Geld bereitstellen, um sie schnellstmöglich zu beheben.

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