Typisch weiblich: Unbezahlte Arbeit

Hausfrauen haben einen Vollzeitjob - ohne Bezahlung.
Haushalt, Gartenarbeit und Kindererziehung - durchschnittlich 45,5 Wochenstunden investieren Hausfrauen dafür. © picture-alliance / united-archiv, 91070

Vollzeitarbeit bei Null Gehalt

Wer kümmert sich um die Wohnung, den Garten, die Kinder? Natürlich die Frauen! Zusammen mit Ehrenamt und (Neben-)Job kommen sie damit auf 45,5 Wochenstunden - größtenteils ohne Gegenwert in Form von Gehalt. Unbezahlte Arbeit ist immer noch weiblich!

Von Jutta Rogge-Strang

Spätestens, wenn Kinder da sind, werden die Frauen trotz guter Ausbildung und Bestnoten wieder zurück an den Herd geschickt. Damit hat sich seit mehr als 100 Jahren nichts an der Rollenverteilung geändert: Aus irgendwelchen Gründen haben Frauen eine Kompetenz in Sachen Kinder-, Alten- und Behindertenpflege, Kochen, Putzen, Bügeln und Waschen. Frauen erledigen zwei Drittel ihrer gesamten Arbeit unbezahlt, Männer weniger als die Hälfte, so eine aktuelle Studie des Statistischen Bundesamtes. Liegt es vielleicht daran, dass die Männer schlicht keine Lust haben, wahnsinnig viel Arbeit ohne Entgelt und entsprechende Würdigung zu leisten?

Natürlich halten die Frauen ihren Männern den Rücken frei, so dass diese sich voll und ganz auf die Erwerbstätigkeit konzentrieren können und somit den Wohlstand der Familie sichern. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass gerade die Frauen für diese zahlreichen umfassenden Arbeiten besser geeignet sind als Männer? Von Frauen wird quasi erwartet, dass sie evolutionstechnisch die gesamte Organisation des Haushaltes perfekt beherrschen. Es wurde ihnen in die Wiege gelegt, ein überdurchschnittliches Talent beim Kochen und Putzen zu zeigen. Dass es sich dabei um 'Learning by Doing' handelt, wird geflissentlich ignoriert.

Aber wer sich nicht wehrt, muss büßen, und dass schon seit Jahrhunderten. Während die Männer sich im Ruhme ihres beruflichen Erfolges sonnen, bügeln ihre Gattinnen zuhause die weiße Weste. Auch für das gute Abschneiden des Nachwuchses sind die Frauen maßgeblich verantwortlich. Da kommen zu den guten Genen noch die Schularbeiten, die Nachhilfe, der Taxidienst zum Sport und nicht zuletzt die Erhaltung der Gesundheit dazu. Wie eine gute Fee wirken die Mütter im Hintergrund, immer ein mildes Lächeln auf den Lippen.

Und wenn dann noch etwas Zeit übrig ist, wird gerne noch ehrenamtlich gearbeitet, um den Unterdrückten und Bedürftigen zu helfen. Oder mit einem Teilzeitjob das Haushaltseinkommen aufgefüllt. Mit einer Arbeitsleistung von 45,5 Stunden ohne Tarifbindung, Überstundenbezahlung, ohne Wochenenden und Urlaub wird könnte eine Hausfrau aber richtig gut verdienen - wenn sie für ihre umfassende Arbeitsleistung bezahlt würde. Ist nun vielleicht die Politik gefragt, um das Image der Hausfrauen etwas aufzupeppen? Aber wer könnte diese Arbeitsleistung je angemessen entlohnen?

Provisionen für gute Hausarbeit

In New York kassieren einige reiche Hausfrauen von ihren mächtigen Banker-Ehemännern immerhin Provisionen: Ein Bonus-System für erfolgreiche Kindererziehung (messbar an guten Noten) und eine kluge Haushaltsführung bringt den Damen teilweise bis zu 10.000 Dollar Jahresprovision ein. Diese 'Glam Sahms' (Abkürzung für 'Glamorous-stay-at-home' - also schicke Zuhause-Hocker) haben den möglichst großen sozialen und schulischen Erfolg zu ihrem prestigeträchtigen Hauptprojekt gemacht. Dafür gibt es dann auch ein finanzielles Zuckerstückchen.

Besser als nichts, möchte man meinen. Da ihre Ehemänner aber Millionen verdienen, muss auch diese Provision als billiges Abspeisen betrachtet werden, so Anthropologin Wednesday Martin. Wie man es auch dreht und wendet: Wir Frauen zahlen drauf bei unserer Hausarbeit, die wir aus Liebe zu unserer Familie leisten. Und daran wird sich, so meine Prognose, auch in den nächsten 100 Jahren nichts ändern. Liebe ist immer eine starke Motivation.

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