Tweets vom Sterbebett: Kate Granger twittert gegen die Angst

31-Jährige twittert gegen die Angst
Kate (31) ist unheilbar an Krebs erkrankt. Auf Twitter lässt sie die Welt an ihrer Krankheit teilhaben.

Bewegende Tweets einer Todkranken

Kate ist 31 und unheilbar an Krebs erkrankt. Von ihrem Sterbebett aus twittert sie und lässt so die Welt an ihren Ängsten, ihrer Trauer und ihren Gefühlen teilhaben. Damit will Kate dazu beitragen, das Schweigen über den Tod zu brechen - ihn zu etwas werden zu lassen, das zum Alltag dazugehört.

Im August 2011 stellen Ärzte bei der damals 29-jährigen Kate Granger eine aggressive Krebsart fest, die sich in ihrem Bauchraum und Becken ausbreitet und bereits die Leber und Knochen befallen hat. Die Prognose für diese Tumorart ist schlecht. Ein Jahr geben die Ärzte Kate, nicht mehr als fünf. Zunächst unterzieht sich die junge Frau noch einer agressiven Chemotherapie, doch als ihr Haare, Augenbrauen und Wimpern ausfallen und ihr Gesicht immer mehr aufschwemmt, beschließt Kate, die Chemotherapie abzubrechen.

Die damals 29-jährige Medizinerin will die restliche Zeit, die ihr bleibt, bewusst und intensiv genießen, statt sich mit den Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu quälen. Und weil sie dem Krebs, der sich in ihrem Körper ausbreitet, der Angst und der Trauer etwas entgegensetzen will, beschließt Kate, von ihrem Sterbebett zu twittern, um die Welt an ihrer Krankheit teilhaben zu lassen.

Mit dem Tod soll offener umgegangen werden

Begonnen hatte alles mit einem Tagebuch, das Kate angefangen hatte zu schreiben, um ihre Angst, ihre Trauer und all die anderen Gefühle in Worte zu fassen. Freunde drängten sie dazu, diese zu veröffentlichen. "Innerhalb von wenigen Wochen verkaufte ich Hunderte Bücher und nahm viele Tausende Pfund für wohltätige Zwecke ein. Das gab mir einen solchen Schub", erinnert sich Kate. Seitdem teilt sie ihre Gedanken. In ihren Büchern, ihrem Blog - und ihren Tweets.

Und das ist nicht nur traurig und bedrückend, sondern auch lustig und ziemlich unsentimental. Denn Kate findet, dass man über den Tod nicht nur reden sollte, sondern auch lachen. Mit umwerfender Offenheit schreibt Kate ihre Erfahrungen auf, lässt die Leute teilhaben an dem, was uns alle betrifft - dem Sterben und dem Tod. Und dass das bei den Menschen einen Nerv trifft, beweist die stetig steigende Zahl ihrer Twitter-Follower. Viele senden ihr gute Wünsche, geben ihr Kraft und muntern sie auf: "Zu schreiben und Tweets zu senden, hilft mir, die Dinge rational zu betrachten und mich zu beruhigen", sagte sie dem US-Magazin 'The Atlantic'.

Aber warum twittert jemand so etwas? Was bringt einen Menschen dazu, das Persönlichste und Intimste mit der ganzen Welt zu teilen? Bei Kate ist es unter anderem der Wunsch, dass offener mit dem Tod umgegangen wird. "Um das zu erreichen, muss man sich darauf einlassen, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Und die sozialen Medien sind etwas, das unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahren verändert hat." sagte sie der Tageszeitung 'The Times'. Denn eines im Leben sei sicher, schreibt Kate: "Wir alle werden sterben. Wir müssen offen darüber reden."

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