Wann und wo darf mein Tier frei laufen?

12.04.12 17:43
Wald
 

Rechtstipps für Hunde- und Katzenhalter

Der Hintergrund:
In der Rubrik "Der Tieranwalt" in der hundkatzemaus-Sendung vom 31.03.2012 haben wir einen Rechtsfall nacherzählt, der genau so vor dem Verwaltungsgericht Leipzig verhandelt wurde: Es ging um einen freilaufenden Familienhund, der am Waldrand von einem Jäger erschossen wurde.

Der Beitrag hat bei vielen Zuschauern eine sehr engagierte Diskussion rund um das Thema "Jagdschutz und Haustiere" ausgelöst. Die zahlreichen Reaktionen und Fragen machen deutlich, dass großes Interesse an diesem Thema besteht.

Sind Jäger überhaupt dazu befugt, auf nicht angeleinte Hunde oder Katzen zu schießen? Warum kommt es immer wieder zu solchen Vorfällen? Und sind frei laufende Haustiere vielleicht auch eine Gefahr für Wildtiere?

Als Ergänzung zur Sendung haben wir deshalb die folgenden Informationen zur Gesetzeslage und darüber, wie Tierhalter Konflikte mit Jägern vermeiden können, zusammengestellt:

Warum kommt es zu Konflikten zwischen Tierhaltern und Jägern?
Grundsätzlich haben beide, Tierhalter und Jäger, das Wohl der Tiere im Sinn. Haustierbesitzer wollen ihren Hunden und Katzen Auslauf verschaffen. Jäger müssen sicherstellen, dass die Wildtiere in ihrem Revier ungestört sind.

Wie viele Hunde und Katzen werden wirklich von Jägern erschossen?
Leider gibt es zu diesem Thema keine offiziellen Zahlen. Lediglich Nordrhein-Westfalen veröffentlicht als einziges Bundesland einmal im Jahr die von den Jägern selbst gemeldeten Abschüsse (2009/2010 waren das rund 12.000 Katzen und knapp 100 Hunde). Wie viele Haustiere deutschlandweit getötet werden und wie hoch die Dunkelziffer ist, kann nur geschätzt werden. Der Deutsche Tierschutzbund geht aktuell von über 200.000 freilaufenden Katzen und Hunden pro Jahr aus.

Dürfen Jäger auf Haustiere schießen?

Jägern ist es erlaubt, auf wildernde Tiere zu schießen. Dieses Recht basiert auf dem sogenannten Jagdschutz. Er umfasst gemäß § 23 des Bundesjagdgesetzes vor allem den Schutz des Wildes vor Wilderern, Wildseuchen, Futternot, aber auch vor wildernden Hunden und Katzen. Bedenken Sie: Wildernde Haustiere können für Rehe, Feldhasen und Co. in der Tat zu einer großen Gefahr werden.

Wann gelten Haustiere als wildernd?
Das ist in den einzelnen Landesjagdgesetzen unterschiedlich geregelt:

Katzen gelten grundsätzlich als wildernd, wenn sie weiter als eine bestimmte Entfernung (je nach Bundesland zwischen 200 und 500 Meter) von der nächsten Wohnansiedlung angetroffen werden - dies kann bei sogenannten Freigängerkatzen schnell der Fall sein.

Bei Hunden gestaltet sich die Sachlage etwas differenzierter: Hier gibt es größere Unterschiede zwischen den Jagdgesetzen der einzelnen Länder. Fast immer gilt ein Hund aber dann als wildernd, wenn er sich außerhalb des Einwirkungsbereichs seines Halters befindet und deutlich erkennbar Wildtieren nachstellt. Allerdings: Das Recht zu schießen gilt in der Regel nicht gegenüber Hirten-, Jagd-, Blinden- und Polizeihunden.

Generell gilt:
Erkundigen Sie sich zum Wohl Ihres eigenen Tieres und auch der Wildtiere bei Ihrem zuständigen Landesministerium oder der örtlichen Jagdbehörde über das jeweils geltende Gesetz zum Jagdschutz und halten Sie sich daran!

Wann gilt eine Anleinpflicht?
Sobald Waldwege verlassen werden, müssen Hunde in jedem Bundesland an der Leine geführt werden.

In einigen Bundesländern müssen Hunde im Wald allerdings immer angeleint sein. Das ist beispielsweise im § 17 des Waldgesetzes des Landes Schleswig-Holstein so festgelegt. In Niedersachen gilt ein solcher Leinenzwang dagegen nicht. Hier müssen Hunde nur während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit vom 1. April bis 15. Juli eines Jahres angeleint sein. Andere Regelungen ergeben sich aus speziellen örtlichen Begebenheiten.

Auch hier gilt:
In der Regel sind Gebiete, in denen Leinenzwang herrscht, durch Schilder gekennzeichnet. Erkundigen Sie sich dennoch bei Ihrer Stadt oder Gemeinde, welche Vorschriften in Ihrem Bundesland und in Ihrem Wald gelten! Sogenannte „Listenhunde“ sind übrigens immer anzuleinen.

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