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Trotzphase bei Kindern führt zu einer steilen Karriere

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Ein Kind in der Trotzphase
Hallo Trotzphase! Laut neuster Studie blicken Kinder, die trotzig sind, einer steilen Karriere entgegen. © Copyright © TONO BALAGUER. All rights reserved, TONO BALAGUER

Ist der Trotz der beste Freund des Kindes?

Spätestens mit zwei Jahren setzt bei Kleinkindern die Trotzphase ein. Bei einigen ist sie stark, bei anderen eher schwach ausgeprägt. Eine Studie der 'American Psychological Association' ergab, dass trotzige Kinder später erfolgreicher im Leben sein werden. Es komme aber auf den Grad des Trotzes an: Je härter die Kämpfe in der Trotzphase zwischen Eltern und Kindern sind, desto erfolgreicher waren sie in Schule und Beruf. Unsere Autorin ist erst am Anfang dieses "Kampfes" und schreibt über ihre Erfahrungen.

Seit einigen Wochen haben wir Besuch von einem Troll. Freunde nennen ihn Trotz. Der ist tagsüber total unauffällig, nur abends poltert er durch die Wohnung. Begleitet mit einem lauten "Wuäääh". Ich hatte ja immer nur davon gehört, dass es ihn gibt. Seit einigen Wochen nun haust er hier mit. Und mein vierjähriger Sohn ist sein bester Freund. Wäre es nach mir gegangen, hätte er gar nicht mehr kommen müssen. Vier - da ist bei manch anderen Zeitgenossen der fiese Trotz doch schon längst wieder verschwunden. Hier nicht. Und so begleiten mich Diskussionen über einen Pudding zum Abendessen, in welchem Bett geschlafen wird und warum man nicht den ganzen Tag Fernseh schauen kann. Und was dann folgt, ist echt filmreif: Ein trauriges, trotzendes, tobendes Kind, das sich in sein Bett wirft und sauer ist.

Oder, anderes Drama: Der Sohn soll duschen, er will aber nicht. Darum wird gefleht, geheult, geschimpft, gemotzt, verzweifelt geschluchzt und sich auf den Boden geworfen. Ich muss zugeben, da ist sein Repertoire schon recht groß, allerdings für meinen Geschmack unverhältnismäßig.

Wenn ich nun aber der Studie der American Psychological Association (APA) aus Washington (USA) Glauben schenken mag, sollte ich mir bei diesen Trotzanfällen eher die Hände reiben, als sie über dem Kopf zusammenschlagen. Denn demnach wird mein Sohn in Schule und Beruf wahnsinnig erfolgreich. Die Wissenschaftler haben knapp 750 Teilnehmer über 40 Jahre lang begleitet und festgestellt, dass Kinder, die öfter die Regeln brechen und stur gegenüber ihren Eltern sind, als Erwachsene mehr Geld verdienen.

Genau begründen können die Wissenschaftler diesen Zusammenhang nicht. Es könnte am Auftreten und der Einstellung dieser Kinder liegen, dass sie später erfolgreicher sind. Denn nur wer Widerworte gibt, wird beachtet.

Ich wage zu bezweifeln, dass diese Erkenntnis uns Eltern wirklich weiterhilft, wenn sich das Kind an der Supermarktkasse auf den Boden wirft oder daheim wettert, weil es statt Schokobrot nun Wurstbrot essen soll. Aktuell hilft nur eine Aussicht: Es wird besser. Spätestens nach der Pubertät ist der Spuk vorbei.

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