Trotz sexueller Belästigung am Arbeitsplatz: 'Busengrabscher' darf nicht entlassen werden

Sexuelle Belästigung: Einmal ist keinmal?

Sexuelle Belästigung geht gar nicht! So sah es auch der Arbeitgeber einer Frau, die von einem Arbeitskollegen an die Brust gefasst wurde. Das Unternehmen kündigte das Arbeitsverhältnis zu dem Mann. Doch das nur bis zu dem Zeitpunkt, als das Bundesarbeitsgericht ins Spiel kam. Dieses gab dem Mann nämlich seinen Job zurück!

Im Juli 2012 traf ein KFZ-Mechaniker während der Arbeit auf die Putzfrau seiner Firma. Er machte ihr Komplimente und griff ihr dann plötzlich an ihre Brust. Die Reinigungskraft wehrte sich, bis der Automechaniker schließlich von ihr abließ. Den Vorfall meldete die Putzfrau ihrem Arbeitgeber, woraufhin der Mann fristlos gekündigt wurde. Doch er legte Beschwerde ein und bekam vom Bundesarbeitsgericht Recht zugesprochen.

Unmöglich! Doch wie kommt es zu diesem Urteil? "Es handelt sich um einen Einzelfall, ein Augenblicksversagen, in dem sich der Herr nicht beherrscht hat", erklärt Waldemar Reinfelder, der Pressesprecher des Bundesarbeitsgerichtes. Bedeutet das also ab jetzt: Wer einmal grabscht, kommt ungestraft davon? Nicht nur für viele Frauen ist das unfassbar!

Opferschutzanwältin Ute Lehmann-Wild rät Frauen, so früh wie möglich gegen sexuelle Angriffe vorzugehen. "Das ist das A und O in so einer Situation, in der man das Gefühl hat, hier könnte es zu einer sexuellen Belästigung kommen, auch wenn es noch gar nicht stattgefunden hat. Man sollte frühzeitig sagen, dass man das nicht möchte und kein Interesse hat. Man sollte dem Täter auf jeden Fall sagen, dass hier Schluss ist."

Im aktuellen Fall des Automechanikers hat das geholfen. Er hat sich bei der Putzfrau entschuldigt und ihr sogar Schmerzensgeld gezahlt. Doch reicht das tatsächlich aus, um ihm seinen Job zurückzugeben? "Hier in diesem Fall ist der Senat und das Arbeitsgericht zu dem Ergebnis gekommen, dass aufgrund der Umstände des Einzelfalls nicht damit zu rechnen ist, dass dieser Arbeitnehmer so etwas nochmal machen wird. Deswegen hat der Senat gesagt, dass es ausreicht, eine Abmahnung auszusprechen", erklärt Pressesprecher Waldemar Reinfelder.

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