Trinkwasserqualität: Medikamente aus der Leitung

Öko-Test hat die Qualität von Trinkwasser untersucht.
Noch weiß man wenig über die Folgen von Medikamenten in Trinkwasser. © dpa, C3724 Felix Heyder

Trinkwasserqualität auf dem Prüfstand

Öko-Test hat Trinkwasserproben in 69 Städten unter die Lupe genommen. Erschreckende Erkenntnis: Spuren des medizinischen Kontrastmittels Gadolinium konnten in zahlreichen Proben gefunden werden. Außerdem befinden sich Spuren verschiedenster Medikamente darin. Noch weiß man wenig über die Folgen des Medizin-Cocktails aus der Leitung.

Diese Situation kennen viele: Bei drohenden Kopfschmerzen geht der Griff schnell zu Ibuprofen, Paracetamol und Co. Einmal eingenommen entfalten die Mittelchen schnell ihre Wirkung - was allerdings danach passiert, darüber machen sich die wenigsten Gedanken.

Eine neue Untersuchung von Öko-Test macht hellhörig - denn viele der Medikamente aus unserer Hausapotheke finden sich im Trinkwasser wieder. Bereits 2011 fand eine Studie im Auftrag des Bundesumweltamtes 23 Wirkstoffe in deutschen Trinkwässern, in Oberflächengewässern wurden sogar 131 Wirkstoffe gefunden. Wie gelangen die dort hin?

Mit dem Gang zur Toilette gelangen die Stoffe ins Abwasser und schließlich in die Kläranlagen. Dort, so sollte man meinen, werden diese dann abgebaut oder zurückgehalten. Da viele der Medikamente jedoch auch aggressive Magensäure und Verdauungsenzyme überleben, überleben sie nicht selten auch die Kläranlagen. Von dort aus geht es in die Flüsse und übers Grundwasser in ufernahe Brunnen - der Ort, von dem wir unser Trinkwasser beziehen.

Die Wirkung ist weitgehend unbekannt

Im Falle des untersuchten Metalls Gadolinium, das in der Medizin als Kontrastmittel eingesetzt wird, fanden sich erhöhte bis leicht erhöhte Werte in 18 der 69 genommenen Proben von Öko-Test. Die auffälligen Befunde gab es zumeist bei Städten entlang von Rhein und Ruhr, wo ein Teil des Trinkwasser aus Uferfiltraten, also Wasser aus ufernahen Brunnen, besteht.

Beruhigend scheint auf den ersten Blick zu sein, dass die Menge der Wirkstoffe im Trinkwasser deutlich unter der Konzentration bleibt, die es für einen therapeutischen Gebrauch bedarf. Oft handelt es sich nur um Spuren der Medikamente. Entwarnung kann trotzdem nicht gegeben werden.

Denn welche Wirkung eine Kombination der verschiedenen Wirkstoffe - unter denen auch Antibiotika sind - oder eine langfristige Aufnahme auf uns Menschen hat, ist bisher leider nur wenig untersucht. Bei vielen Stoffen vermutet man jedoch ein erhebliches Umweltgefährdungspotential. Das bedeutet, dass die "teilweise in großen Mengen angewendeten Antibiotika die Ausbildung von Resistenzen fördern, die auf den Menschen zurückwirken können", so Öko-Test.

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