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Treue, Bindung und Verbindlichkeit: So wird 2016 zum Jahr der Liebe

Birgit Ehrenberg
Liebesphilosophin Birgit Ehrenberg hilft in Sachen Liebe.

"Wir sollten uns trauen, zuzugeben, dass wir einander brauchen"

Wenn es um Silvester-Vorsätze geht, dann ist einer der wichtigsten Punkte auf der Agenda: Die Liebe! Menschen, die in einer guten Beziehung sind, nehmen sich vor, ihre Liebe zu hegen und zu pflegen, damit sie gedeihe und bleibe. Singles, die gern einen Partner möchten, bitten den Schöpfer oder das Universum inständig darum, dass die Liebe in ihr Leben kommen möge.

Die einen verlassen sich eher auf sich selbst, die anderen schicken Stoßgebete gen Himmel. Und ich werde gerade zum Jahreswechsel oft gefragt: „Birgit, was kann ich tun, damit ich Glück in der Liebe habe?“ Das ist eine der ältesten Fragen der Menschheit, die immer wieder gestellt wird, weil es keine ultimative Antwort auf sie gibt. So wie sich die ganze Welt verändert, unterliegt auch die Liebe dem Wandel der Zeit. Denken wir allein an das brisante Thema Seitensprung. Fremdgehen, das war eigentlich im Verlauf der Geschichte stets ein Grund, auf die Barrikaden zu gehen. Wer betrogen wurde, stellte die ganze Beziehung in Frage, war zutiefst verletzt und wund in seiner Seele.

Eifersucht ist ein Gefühl, aus dem viele Romane und Theaterstücke gestrickt sind. Heute wird das Fremdgehen in manchen Kreisen als salonfähig und „normal“ angesehen. Vor Eifersucht rasende literarische Helden wie Othello von Shakespeare gelten vielen als Lachnummer. Ich weiß nicht, wie viele Fremdgeh-Portale es mittlerweile im Internet gibt, sie wachsen jedenfalls wie Pilze aus dem Boden. Manche sagen, ein Seitensprung belebe die feste Partnerschaft, andere behaupten überdies, ein Seitensprung habe nichts mit der Liebe zum langjährigen Partner zu tun.

Wenn jemand von mir wissen will, was er im Jahr 2016 für seine Beziehung tun kann, dann rate ich entschieden zur Treue. Ich halte nichts davon, die Liebe aus all ihren über Jahrhunderte gewachsenen Koordinaten zu befreien. Es gibt alte Zöpfe, ja, etwa, was die antiquierte Rolle der Frau in Beziehungen angeht. Diese Zöpfe mussten ab. Aber sonst?

Treue ist unwiderstehlich für die Liebe

Die meisten Geschichten gab es und gibt es. Wie die: Man liebt den einen Menschen aufrichtig und begegnet einem weiteren Menschen, den man auch liebt. Schon Goethe hat 1776 darüber ein Stück geschrieben, es heißt „Stella“. Zwei Menschen lieben, das ist eine echte Herausforderung, dafür gibt es auch einen modernen Namen – ‚Polyamory‘. Man kann sich auf das Abenteuer einer Liebe zu dritt einlassen (so geschehen in „Stella“), aber man muss wissen, dass man riskiert, am Ende allein aus der Sache hervorzugehen.

Ansonsten ist meines Erachtens die Zweierbeziehung und die Treue ein wesentlicher Maßstab für das Glück in der Liebe, verbunden mit Tugenden wie Verzicht auf schnelle Triebbefriedigung. Denn schließlich lauert regelmäßig irgendwo eine Versuchung, der zu widerstehen ist, das zu können und zu wollen, das hat auch etwas mit Treue sich selbst gegenüber zu tun.

Auch für Singles ist das Thema der Treue relevant – und zwar genau in dieser Hinsicht der Treue zu sich selbst. Ich kenne viele Singles, die sich auf der Suche nach der Liebe extrem verheddern, sie verlieren sich, sie geben all ihre Sehnsüchte und Ansprüche auf für ein bisschen Zuwendung von einer Person, für die diese Singles gar kein Auge hätten, wären sie nicht Singles – und das unfreiwillig.

Bedürftigkeit ist das Stichwort. Eine Befindlichkeit, die in Verruf geraten ist, weil jeder cool sein will, was ich persönlich sehr langweilig finde. Wer 13 Jahre allein lebt, der darf mal außer sich sein und die Contenance verlieren, der darf die Liebe vermissen und ist trotzdem ein starker Mensch, gerade weil er seine Schwäche zeigt!

Das ist eine Form von Treue sich selbst gegenüber, die sich am Ende auszahlt, weil Menschen, die bei sich sind, die gleichermaßen bei ihren zarten und kraftvollen Seiten sind, auf ihre Mitmenschen am Ende des Tages unwiderstehlich wirken. Und Treue zu sich selbst und zum Gegenüber ist auch in der Partnerschaft der Hit. Die Treue ist unwiderstehlich für die Liebe, hält sie frisch. Die (wahre) Liebe fühlt sich wohl im Treue-Bad.

Ich rufe also für die Liebe das Jahr 2016 zum Jahr der Treue aus, zum Jahr der Bindung, zum Jahr der Verbindlichkeit. Wir leben in jeder Hinsicht in sehr bewegten Zeiten, und wir sollten uns trauen, zuzugeben, dass wir einander brauchen!

Ein schönes Liebesjahr 2016 wünscht Euch Eure Birgit!

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