LIEBE LIEBE

Trennungsschmerz wegen WhatsApp: Den Ex virtuell verfolgen

Ständig sein Profilbild checken, macht den Schmerz noch schlimmer

Meine Freundin Bea sieht ihn nicht mehr. Meine Freundin Marie auch nicht. Endlich. Beide haben sich von ihrem Freund getrennt, sauberer Schnitt. Der tut erst richtig weh, dann heilt er rasch.

Birgit Ehrenberg
Birgit Ehrenberg rät von WhatsApp-Stalking ab

Dieser Schnitt ist allerdings schon Wochen her, die Wunde müsste sich längst geschlossen haben und nur noch ein wenig ziehen manchmal. Aber: Meine Freundinnen haben ihre Ex-Männer eben doch zwischendurch gesehen - auf WhatsApp, sie haben an der Wunde herumgepult, bis der Schmerz kaum noch zu ertragen war.

Auf ihren Handys haben sie sich seufzend und verliebt und sehnsüchtig die Profilbilder der Herren angeschaut. Und kontrolliert, ob und wann der Mann ihrer Träume, der sich als Albtraum entpuppt hat, weshalb sie sich getrennt haben, online ist. Menschen sind eben unvernünftig, vor allem in der Liebe. Der Kopf sagt "Nein!", das Herz sagt "Ja!". Das verstehe ich. So war es immer, so wird es bleiben. Irgendwann ist man durch mit dem Thema. Das ist eine alte Geschichte, die zu fast jeder Liebesgeschichte dazu gehört.

WhatsApp allerdings ist relativ neu und gefährlich! Früher konnte man versuchen, den ehemaligen Partner zufällig zu treffen, indem man zum Beispiel ein Restaurant besuchte, das er schätzt. Im schlimmsten Fall sah man den Typen dann in diesem Lokal sitzen, eine schicke Frau an seiner Seite, die er anschmachtet. Das ist eine Schocktherapie. Viele Frauen sind nach dieser Szene für alle Zeiten ernüchtert und kommen nicht mehr auf die Idee, den Mann zufällig treffen zu wollen.

Wer sich weiter quält, kommt nie zur Ruhe

WhatsApp bietet nun die Möglichkeit, den Mann virtuell quasi zu verfolgen. "Petze WhatsApp" nennt eine Kollegin von mir diese Methode. WhatsApp verrät uns viel. Wer sich nicht im Griff hat, kann immer wieder gucken, was der Mann macht. Erst verweilt man noch harmlos bei seinem Foto. Hat er ein neues, geht das Gedankenkarussell los: Warum hat er ein neues Foto eingestellt? Es zeigt einen Baum. Hat er unter diesem Baum mit einer anderen Frau Sex gehabt? Oder ist er aufs Land gezogen? Wegen einer Frau, die eine Baumschule betreibt? Warum gerade ein Baum? Warum nicht sein Gesicht? Er ist doch wirklich hübsch, kann sich sehen lassen. Zeigt er sein Gesicht nicht mehr, weil er zugenommen hat und nun unter seinen dicken Backen und einem Doppelkinn leidet?

Die Qual geht weiter. Obwohl man weiß, dass er eigentlich an seinem Arbeitsplatz sein müsste, ist er ständig online. Das kennt man nicht. Es hieß immer, man möge ihm am Tag nicht schreiben, das nerve. Sollte eine Rivalin von derartiger Bedeutung für ihn sein, dass sie ihm schreiben darf, wann sie will? Und weiter geht der Stress: Am Abend ist er auch ständig online. Bis tief in die Nacht hinein. Man kommt nicht zur Ruhe, kann selbst erst einschlafen, wenn er von der Bildfläche verschwunden ist.

Diese Beschäftigung mit dem Ex hält keine Sau lange aus. Das macht einen fertig. Deshalb entschließen sich kluge Frauen früher oder später auch, „richtig“ Schluss zu machen, das Messer anzusetzen und zu schneiden. Wie Bea und Maike. Sie haben sich amtlich getrennt. Sie haben die Kontakte ihrer Ex-Liebsten gelöscht. Die gibt es nicht mehr. Kein Foto, kein altes, kein neues, kein Baum. Nix.

Was es gibt, ist: Die Aussicht auf Abschied und Heilung des Liebeskummers. Und die Aussicht auf eine neuen "Kontakt", einen männlichen. Im Leben und auf WhatsApp.

In dem Sinne ist Löschen Liebe leicht gemacht! Eure Birgit

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