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Trennung ohne Schuldgefühle: Geht das?

Eine Trennung ohne Schuldgefühle - wie geht das?
Trennung ohne Schuldgefühle: Das müssen Sie beachten

Eine Trennung ohne Schuldgefühle - wie ist das möglich?

Manche Dinge sind einfacher gesagt, als getan. "Er war ein absoluter Idiot! Sei froh, dass du ihn los bist!", als wäre man nicht von alleine darauf gekommen, sonst hätte man ja kaum Schluss gemacht. Eine erfolgreiche Trennung will gelernt sein, auch emotional. Schneller plagt man sich mit

Schuldgefühlen, als man die Nummer des Ex aus dem Handy gelöscht hat.

Von Sara Dörnemann

Obacht! Keiner redet hier vom Prototypen des fiesen, miesen Ex-Freundes. Keiner sorgt sich um einen Fremde-Betten-Hengst, der Ihr Blut nur in Wallungen bringt, wenn Sie sehen, dass er Ihren Schmuck im Internet versetzt hat. Wir reden hier von einer viel gefährlicheren Sorte Mann.

Ähnlich wie der süße Welpe zu Weihnachten, der aber Neujahr schon auf einer Autobahn-Raststätte endet, hat sich dieser Typ in Ihr Gewissen eingenistet. Dort hockt er nun mit seinem Dackelblick und plötzlich sind sie da: Die Schuldgefühle. Ob begründet oder unbegründet - lästig sind sie immer.

Trennung ohne Schuldgefühle: Wir kommen ins Grübeln

In solchen Momenten rücken alle Trennungsgründe in weite Ferne. Wir erinnern uns nur vage an die Langeweile, Enge und das Unglück, was uns in der Partnerschaft befallen hatte. All das haben wir dem Mann ehemaliger Träume an den Kopf geworfen, aber war das wirklich fair? War das nicht ein wenig zu hart? Sind wir nicht alle mal langweilig? Und wer sagt schon, dass man in einer Beziehung unbedingt glücklich sein muss?

Kennen Sie das Rentner-Paar, deren einzige Freude darin besteht, Tauben zu füttern und sich gegenseitig mit dem Rollator in die Hacken zu fahren? So dachten die auch mal! Jeder hat das Recht auf sein Glück. Spielen Sie diesen Anspruch nicht runter. Wenn die Erinnerungen an die Gründe für Ihr Unglück verblassen, hat das nur einen Grund: weil Ihr Ex auch langsam verblasst.

Einige männliche Exemplare verhungern natürlich ohne uns oder verirren sich im Dschungel ihrer schmutzigen Socken. Falls Sie diese Sorgen überkommen, wenn Sie an Ihren Verflossenen denken, ist das zwar sehr sozial, aber wenig hilfreich. Der gute wird schon einen anderen Mutter-Ersatz finden, zur Not kann er sich noch bei Hilfsprojekten für unfähige Hausmänner melden ("Brot für Memmen!").

Sie sollten allerdings Mutter Teresas Status nicht abtreten. Viele Frauen möchten gebraucht werden, was völlig legitim ist. Reicht das Brauchen aber nicht über "Ist das Essen schon fertig?" hinaus, haben Sie den Guten zu recht abserviert. Es gibt noch genügend andere Männer, die Ihre Hilfe brauchen, vielleicht zur Abwechslung mal um einen schönen Abend zu verbringen.

In einer langjährigen Beziehung stellt sich manchmal heraus, dass das gefürchtete Schwieger-Monster eine gute Vertraute werden kann. So eine Person hinter sich lassen zu müssen, ist natürlich schmerzlich. Wie soll man ihr das erklären? "Bist du sicher, dass diese Niete dein Sohn ist?" erscheint nicht wirklich hilfreich. Erweist sich die Schwiegermama aber als wahres Goldstück, wird sie Verständnis für Ihre Situation haben und weiterhin den Kontakt zu Ihnen pflegen. Haben Sie jedoch nicht solches Glück, müssen Sie bedenken, dass selbst die beste Schwiegermutter der Welt Ihnen nie eine starke Schulter zum Anlehnen bieten kann. Auch andere Söhne haben nette Mütter.

Was macht man mit den Gewissensbissen?

Unbegründete Schuldgefühle sind natürlich herrlich, weil sie leicht aus der Welt zuschaffen sind. Doch wie geht man mit echten Gewissensbissen um? Ist die erste Wut nach der Trennung verflogen, bemerken wir plötzlich, wie rücksichtslos wir vorgegangen sind. Riskieren wir ein schlechtes Karma oder suchen wir das Gespräch?

Vorneweg: Dass Frauen das Auto ihres Ex zerkratzen, stammt ganz klar aus dem Fernsehen! Auf so eine Idee würde niemand von alleine kommen! Freispruch! Aber Hand auf's Herz: Gewalt ist keine Lösung - schon gar nicht an wehrlosen Autos (Ausnahme: K.I.T.T.). Eine Beziehung zu beenden, sollte nie über diesen Schlussstrich hinaus gehen. Selbst wenn Sie nach der Trennung von all seinen Affären, Schweizer Bankkonten und illegalen Robben-Pelz-Mänteln erfahren, sinnloser Vandalismus passt eher in seine, nicht in Ihre Liga.

Ein wenig zuknirscht muss man zugeben, dass einige Trennungs-Worte nicht nötig gewesen sind. Wenn man nun ehrlich zu sich ist, muss man sich zudem eingestehen, dass einige wirklich unterhalb der Gürtellinie waren und wie kleine Dartpfeile den Ex verletzen sollten. Wut und Enttäuschung treiben uns manchmal in einen Ausnahmezustand, in dem wir Anstand und Mitgefühl vergessen.

Selbst wenn wir im Rückblick die Trennung nicht bereuen, missbilligen wir doch die Art und Weise, wie wir den einstigen Vertrauten in die Wüste geschickt haben. Wer aus dieser Situation Schuldgefühle entwickelt, könnte mit einem letzten Gespräch sein Gewissen erleichtern. Erklären Sie noch einmal im moderaten Ton, warum Sie Schluss gemacht haben und entschuldigen Sie sich für verbale Entgleisungen.

Machen Sie sich die Gründe für die Entscheidung bewusst!

Ja, auch Frauen trüben bei Zeiten das Beziehungs-Wässerchen. Ein Wort, eine Tat oder ein unbedachter Schritt: Plötzlich stand Ihre Partnerschaft am Abgrund. Sie mussten eine Entscheidung treffen und das einzig sinnvolle in dieser Situation war der finale Schnitt, die Beziehung zu beenden. Sie haben nicht nur Ihren Partner, sondern auch Ihre Ideale verraten und all dieser Kummer ergibt einen riesigen Berg an Schuldgefühlen. Im Rückblick fragt man sich immer, wie man nur dieses oder jenes tun konnte. Plötzlich erkennt man sich selbst nicht mehr.

Egal, was Sie getan haben und aus welchem Grund Sie sich für die Trennung entschieden haben: Einen solchen Entschluss fasst man nie leichtfertig. Selbst wenn unsere Handlungen uns Rätsel aufgeben, waren doch immer wir selbst die handelnde Person. Ein Teil von Ihnen wollte sich lösen und ist dabei vielleicht zu weit gegangen. Solche Erfahrungen lassen sich nicht rückgängig machen, aber wir können aus ihnen lernen.

Einzig die Art und Weise der Trennung kann also an unserem Gewissen nagen. Und falls das Nagetier namens "Schuldgefühl" zu groß wird - auch dafür gibt es geeignete Raststätten. Ende gut, alles gut.

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