Trennung im Freundeskreis macht eigenes Beziehungs-Ende wahrscheinlicher

Paar verweifelt
© RTL Interactive, diego cervo

Langzeitstudie erkennt klares Trennungschema

Achtung, Ansteckungsgefahr! Falls gerade bei Ihren Freunden oder Bekannten das Thema Trennung in der Luft liegt, oder womöglich sogar eine Scheidung ansteht, ist Ihre eigene Beziehung in ernster Gefahr!

Je intensiver Sie die Trennung miterleben, umso höher ist das Risiko, bald selbst alleine da zu stehen. Aber woran liegt es, dass Trennungen ansteckender als das Noro-Virus sind, und vor allem: was hilft gegen die Scheidungs-Seuche?

Von Dagmar Baumgarten

Die Entdeckung des Trennungs-Virus ist eigentlich wie so oft in der Wissenschaft ein Zufallsprodukt! Eigentlich ging es Amerikanischen Wissenschaftlern um eine Langzeitstudie rund ums Herz. Schmerz durch Trennung war dabei erst mal völlig uninteressant. Aber dann war es so auffällig, dass Trennungen und Scheidungen nicht punktuell und zufällig, sondern nach einem Schema verliefen, dass die Wissenschaftler mal genauer hinsahen. Und dabei kamen erschreckende Zahlen heraus:

Wenn sich gute Freunde scheiden lassen, steigt das Risiko um dramatische 75 %, dass die eigene Beziehung ebenfalls schon bald durch Anwälte abgewickelt wird.

Das gemeine dabei ist, dass eigentlich die eigene Hilfsbereitschaft bestraft wird. Je mehr wir mit unserer Freundin ihre Trennung durchleiden, je intensiver wir ihr beistehen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir demnächst selber dem Partner die Kündigung einreichen. Selbst wenn es sich nur um Bekannte handelt, steigt das Risiko noch um 33 %! Im Gegensatz zur Erkältung schützt es nicht, sich von Trennenden räumlich fernzuhalten. Es hat nämlich nichts damit zu tun, dass wir täglich sehen, wie unsere Freunde die Trennung durchleben. Was zählt ist die gefühlsmäßige Nähe, die wir zu den Trennenden haben.

Und falls jetzt jemand denkt, gar kein Problem, ich mach mal kurz ein Freundes- Beziehungs- Status-Update, und streiche alle potentiellen Trennungswilligen aus der Freundschaftsliste‘ – auch das hilft nichts. Denn das Beziehungs-Killer-Virus überträgt sich sogar indirekt. Eine Scheidung beeinflusst nicht nur das direkte Umfeld, sondern auch noch deren Freunde. Selbst wenn die das Paar gar nicht kennen.

Kinder geben Zusammenhalt

Aber warum ist das denn eigentlich so? Hilfsbereitschaft darf doch nicht zur Falle werden. Es gibt für dieses Phänomen zwei Hauptgründe:

1) Die eigene Trennung schwelte schon länger im Hintergrund, bzw. im Unterbewusstsein. Aber man hat dieses Gefühl, dass da was nicht stimmt, erst mal verdrängt. Auch weil man sich nicht getraut hat, sich die Unzufriedenheit mit der eigenen Beziehung einzugestehen. Erlebt man jetzt hautnah mit, dass es anderen genauso geht, lässt man selber viel eher die – teilweise sehr schmerzhaften - Gefühle von Enttäuschung vom Scheitern der Beziehung zu.

2) Die Freundin dient als Vorbild. An ihr sieht man, dass die Trennung ja doch nicht das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Und man traut sich, zu überlegen, wie es denn wäre, sich selber zu trennen. Wenn die eigene Freundin es kann, ohne dass die Welt untergeht, könnte es ja auch für einen selber eine Chance sein, noch mal neu durchzustarten.

Aber ist die Scheidungs- Seuche denn überhaupt zu stoppen? Die Wissenschaftler der Framingham-Herz-Studie sagen: ja! Interessanterweise machen Kinder relativ immun gegen den Trennungs- Keim. In der Studie, die immerhin über mehrere Generationen lief, zeigte es sich, dass kinderreiche Familien häufiger unbeschadet die Trennungen ihrer Umgebung überstanden. Ein wirksames Gegenmittel ist auch ein vielfältiger Freundeskreis. Je mehr man sich mit Beziehungs-frustrierten Trennungswilligen umgibt, umso mehr richtet sich die Aufmerksamkeit auf die negativen Seiten des eigenen Partners. Und umgekehrt: Je mehr zufriedene Pärchen man erlebt, umso mehr relativiert sich das Trennungs- Risiko.

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